Versicherungsbote: Sie sagten im letzten Interview, dass die FinTechs, wie Knip, Getsafe, Clark & Co. keine Konkurrenz für Ihre Lösung darstellen. Hat sich an Ihrer Meinung dazu etwas geändert?

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Ralf Kohl: Nach wie vor sehe ich es so, dass die meisten FinTechs zu Unrecht diesen Namen führen. FinTech setzt sich aus den Wörtern "Financial services" und "Technology" zusammen. Finanztechnologie bezeichnet neuartige Lösungen von Anwendungssystemen, die eine Neu- oder Weiterentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich darstellen. Meiner Meinung nach können die aus Funk und Fernsehen bekannten Anbieter dies nicht. Diese Lösungen sind weder innovativ, noch disruptiv und funktionieren derzeit lediglich als Bestandsstaubsauger.

Wie sehen Sie dies bei den Antworten der Pools auf die FinTechs, wie Simplr, Allesmeins, meine Finanzapp und seit kurzem mein Sekretär?

Spannende Frage. Die Grundidee bei fast allen von Ihnen genannten Lösungen ist die, dass man ebenfalls versucht Bestände einzusammeln. Sowohl die FinTechs als auch die meisten PoolApps haben zum Ziel, dass der Kunde all seine Verträge in eine App eingibt. Aber welchem Mehrwert hat der Verbraucher dann und warum sollte er seinem Vermittler dafür Geld bezahlen? Meine persönliche Meinung:

physisch unaufgeräumte Kunden, bleiben es auch digital.

Und genau da sollten die Finanzdienstleister ansetzen. Eine VertragsApp ist nicht die Lösung, denn in all diesen Lösungen werden sich immer nur ein Teil der bestehenden Verträge wiederfinden. Teilweise, weil der Kunde es nicht eingeben wird, teilweise aber auch, weil man es nicht kann. Fast alle Lösungen beschränken sich auf die privaten Versicherungen. Bei einer der Pool-Apps können Sie zum Beispiel keine Sterbegeldversicherung oder Vorsorgeverfügungen erfassen, was natürlich dazu führt, dass ich als Generationenberater dieses System nicht einsetzen werde. Einzig maxPool bietet ein Kundenportal, welches unserem Ansatz ähnelt.

Versicherungsbote: Also betrachten Sie nur den Sekretär als Mitbewerber?

mein Sekretär ist ebenfalls ein geschlossenes System, welches der Makler – meines Wissens nach - nicht mit seinem Maklerverwaltungsprogramm kombinieren kann. Wir haben uns von Anfang an ganz bewusst für die Entwicklung eines neutralen und offenen Tools entschieden und sehen uns als Schnittstelle zwischen dem Finanzdienstleister und seinen Kunden. Aber auch als Schnittstelle zwischen dem MVP und anderen Software-Lösungen, wie z.B. Vergleichsrechnern. Unser Ziel war es schon immer, dass unsere Anwender unabhängig bleiben, in den täglichen Arbeitsabläufen unterstützt werden und ihren Kunden Mehrwerte bieten können. Jeder Anwender kann seinen digitalen Ordner auf sein Geschäftsmodell und seine CI abändern. Egal, ob er sich auf Privat-, Gewerbekunden oder eine andere Zielgruppe spezialisiert hat.

Ein digitaler Versicherungsordner ist der Schutz vor den digitalen Versicherungsmaklern.

Warum brauchen Vermittler einen digitalen Versicherungsordner für ihre Kunden und welche Möglichkeiten haben sie dadurch?

Ein digitaler Versicherungsordner ist der Schutz vor den digitalen Versicherungsmaklern, die sich selber FinTech nennen. Mit einem digitalen Vertragsordner, in welchem der Kunde all seine Verträge und Dokumente wiederfinden kann, schütze ich als Vermittler meinen Bestand. Um es mit den Worten von Tobias Haff zu sagen: „Wer den Ordner hat, hat den Kunden“. Durch eine Schnittstelle zwischen meinem Maklerverwaltungsprogramm und der digitalen VertragsApp reduziere ich den Aufwand auf ein Minimum. Der Vermittler kann ohne lästige Doppeleingaben seinen Kunden die ihm bekannten, aktiven Verträge online zur Verfügung stellen. Allerdings empfehle ich, dies wirklich nur auf die Vertragsstammdaten zu reduzieren. Kommen Dokumente, egal ob physisch oder digital, mit ins Spiel, sollte man auf jeden Fall über eine Dienstleistungspauschale nachdenken.

Cross-Selling ist im Einzelhandel eines der größten Themen. Welches Potential bieten VertragsApps für die Vermittler?



Eine reine VertragsApp bringt, wie auch die meisten Maklerverwaltungsprogramme, kaum Cross-Selling-Ansätze mit sich, sondern ist lediglich die Auflistung der bestehenden, aktiven Verträge. Nutze ich aber eine Desktop-Version, in welcher der Kunde, aber auch sein Ansprechpartner, auf einen Blick sieht, welche Verträge er hat und vor allem nicht hat, beginnt es interessant zu werden. Aus diesem Grund gibt es in unserer Lösung eine Analyse, in welcher der Verbraucher aufgezeigt bekommt, welche Lücken bestehen. Gleichzeitig kann er nachlesen, für was etwa die Krankentagegeld- oder die Sterbegeldversicherung sinnvoll sein kann. Und zwar mit Texten und Bildern des Vermittlers und der Möglichkeit Onlinerechner zu verlinken.

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Die Fragen stellte Jenny Müller