Bemerkenswert sei, wie viele Kolleginnen und Kollegen ein höheres Renteneintrittsalter befürworten und die Rente ab 63 als wirtschaftspolitischen Fehler betrachten. Das sollte den Politikern zu denken geben, sagte Niklas Potrafke, Leiter des Ifo-Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie.

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"Die Einführung der Rente ab 63 Jahren ohne Abschläge nach 45 Jahren Beitragszahlung war ein wirtschaftspolitischer Fehler", diesen Satz würden 65,8 Prozent der Ökonomen "voll und ganz" unterschreiben. "Eher zustimmend" sehen dies 19,4 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), zu dem regelmäßig 185 Wirtschaftsprofessoren zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen befragt werden.

Nachhaltigkeit des Rentensystems wird in Frage gestellt

Das gegenwärtige gesetzliche Rentensystem sehen die Wissenschaftler als zu wenig nachhaltig. Hintergrund ist, dass eine große Mehrheit der Ökonomen den Satz ablehnt: „Das gegenwärtige gesetzliche Rentensystem ist nachhaltig aufgestellt, um auch langfristig eine zum Leben angemessene Rente zu garantieren.“ So stimmen 27,9 Prozent diesem Satz überhaupt nicht zu. Zwei Fünftel der Befragten (39,0 Prozent) stimmen “eher nicht“ zu. Eine teilweise Zustimmung kam von 21,4 Prozent.

Als geeignet für die langfristige Finanzierung des Rentensystems sehen 84,7 Prozent der Fachleute einen späteren Renteneintritt an. Ein niedrigeres Rentenniveau ist für 35 Prozent ein probates Mittel. 26,1 Prozent befürworten eine Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten in die gesetzliche Rentenkasse. Jeweils knapp ein Viertel der Ökonomen sieht in höheren Rentenbeiträgen (24,2 Prozent) und höheren Steuerzuschüssen (23,6 Prozent) die Lösung.

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Auch die Erhöhung der Mütterrente sehen die Ökonomen kritisch. Sie regelte, dass Mütter, die ihre Kinder vor 1992 bekommen haben, mehr Rente für die Erziehung ihrer Kinder erhalten - konkret einen weiteren Entgeltpunkt für jedes Kind zusätzlich zu ihrem bestehenden Rentenanspruch. Für über die Hälfte der Experten sei diese ein Fehler. So sei für ein Drittel (34,4 Prozent) diese "Voll und ganz" als Fehler einzuordnen. Als "eher" ein Fehler bezeichneten 22,1 Prozent die Einführung.

ifo Institut