Im Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr berichtet berichtet die BVV Versorgungskasse des Bankgewerbes e.V. (BVV) zwar von den Schwierigkeiten, die der Kasse durch sinkende Zinsen entstehen, nicht aber von kommenden Einschnitten bei den Renten der versicherten Banker. Das Konkreteste ist noch die folgende Aussage im „Ausblick“ des Geschäftsberichts. Man gehe für 2016 von weiter „fortschreitenden Konsolidierungsmaßnahmen mit entsprechenden Auswirkungen auf den BVV-Mitgliederbestand aus“, steht auf Seite 11 des Berichts im unschönsten Banker-Schwurbel zu lesen.

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Zukünftige Renten sinken

Das war am 27. Mai. Knapp vier Wochen später, am 24. Juni, treffen sich die Mitglieder-Banken der BVV in Berlin und sollen laut Einladungsschreiben der Kasse, aus dem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) zitiert, darüber abstimmen, dass künftige Rentenansprüche der Banker zusammengestrichen werden dürfen. Genauer gesagt bleibt den Banken wohl nichts Anderes übrig als zu kappenden Ruhegeldern - der Kassenlage geschuldet - zuzustimmen.

Dem Bericht zufolge will die BVV den Rechnungszins für den Teilbestand älterer 4-Prozent-Zusagen für zukünftige Beiträge ab 2017 kürzen. Bestehende Anwartschaften und Renten bleiben unangetastet und von Einschnitten verschont; dies ist auch arbeitsrechtlich gefordert. Aber Leistungen der Zukunft können arbeitsrechtlich praktisch jederzeit (abhängig von Tarifregeln und Fristen) gekürzt oder gar gekündigt werden.

Mehraufwand knapp ein Drittel

Durch einen gesenkten Zins für neue Beiträge (den so genannten Future Service) sinken die Rentengarantien, „resultierend aus Zuwendungen, die nach dem 1. Januar 2017 gezahlt werden, um 24,01 Prozent“, schreibt die Pensionskasse laut dem FAZ-Bericht. Umgekehrt müssten die Beiträge um knapp 32 Prozent steigen, um das derzeitige Rentenniveau zu halten.

Der Versicherungsbote hat nachgerechnet. Mathematisch entspricht dieses knappe Drittel Mehraufwand vergleichsweise einem Rechnungszins von 2,45 Prozent (statt 4,0 %), wenn man im Rechenmodell eine Ansparzeit von (hier) 30 Jahre zugrunde legt. Das ist aber nur die halbe Zinswahrheit. Ein Beispiel laut FAZ: Gab es in der Vergangenheit in einem bestimmten Vertragstyp für 100 Euro Einzahlung einen Rentenbaustein in Höhe von 11,45 Euro, so entsteht in Zukunft nur noch ein Rentenbaustein über 8,70 Euro.

Zins zwischen 1,5 und 2,5 Prozent

Auf denselben Rentenbarwert bezogen und (modellhaft) auf 25 Jahre durchschnittliche Rentendauer kalkuliert, entsprächen 11,45 Euro Rentenbaustein einem Zins von 4,00 Prozent, also dem bisherigen Rechnungszins der betroffenen BVV-Anwartschafts-Kohorten. Eine auf 8,70 Euro gesenkte Rente entspräche bei demselben Rentenbarwert einem Zins von nur noch 1,52 Prozent. Die „Zinswahrheit“ beim BVV liegt nach den finanzmathematischen Berechnungen des Versicherungsboten also etwa zwischen 1,5 und 2,5 Prozent; je nachdem ob man die Ansparphase oder Barwert plus Zins betrachtet.

Für 2015 meldet die BVV einen laufenden Durchschnittszins von 3,7 (Vorjahr 3,7) Prozent und eine Nettoverzinsung von 3,4 (3,8) Prozent. Die BVV versichert derzeit die Zusatzrenten von rund 350.000 aktiven Bankern und 107.000 Bankrentnern und hat laut Geschäftsbericht 2015 einen Überschuss von 61 Millionen Euro erwirtschaftet.

Es hätte mehr sein können. Mangels Zins hat die BVV in den vergangenen Jahren „alternative Zinsanlagen“ in Alternativen Investment-Fonds (AIF) aufgebaut, etwa für Infrastruktur oder in Immobilien. So steht es auf Seite 7 des Geschäftsberichts 2015 und auch: „Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen haben sich in der Breite ausgeweitet und so zumindest punktuell Investmentchancen eröffnet.“

Hinterher 61 Millionen Überschuss – vorher 162 Millionen abgeschrieben

Risikoaufschläge beinhalten ja zweierlei: erstens höhere Anlagerisiken und zweitens höhere Renditechancen. Die BVV hat offenbar bei ihren alternativen Invests Risiken realisiert: „Im Berichtsjahr waren außerplanmäßige Abschreibungen infolge dauernder Wertminderung auf einen Spezial- AIF mit Schwerpunkt Wertpapiere in Höhe von 132.697.417 Euro und einen Spezial-AIF mit Schwerpunkt Immobilien in Höhe von 29.416.764 Euro vorzunehmen“. Addiert sind das 162.000.000 mal Euro gleich futsch. Dies schreibt die BVV auf Seite 37 ihres Geschäftsberichts.

Überschuss im Vergleich zu 2014 um 120 Millionen Euro gesunken

Auf Seite 14 saldiert die Kasse: „Die Aufwendungen für Kapitalanlagen stiegen infolge der außerplanmäßigen Abschreibungen auf zwei Spezial-AIF (Alternative Investmentfonds) um insgesamt 118,0 Mio. Euro. Das Gesamtergebnis der Kapitalanlage reduzierte sich daher im Vergleich zum Vorjahr um 78,1 Mio. Euro.“

Im Verhältnis zu unterm Strich 61 Millionen Euro Überschuss für 2015 (im Jahr 2014 waren es noch 184 Millionen) schlagen die Abschreibungen allein auf die AIF in Höhe von 162 Millionen Euro also schon heftig ins Kontor. Nach Vorlage all dieser Zahlen und künftig zu kürzenden Renten heißt es nun für die Bank-Arbeitgeber bei den BVV-Betriebsrenten: Bitte zahlen.

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