Im Jahr 2007 kam mit der Allianz Index-Select-Police das erste Privatrentenprodukt auf den Markt, bei dem die Kapitalanlage mit kostenarmen, weil passiv gesteuerten Index-Komponenten betrieben wird. Zaudernde Kunden mit der typisch deutschen Börsen-Phobie konnte der Vermittler damals bereits schrittweise an die neue Sparwelt gewöhnen. Kunden, die den Ganzen nicht trauten, durften damals bereits, statt sich der vermeintlich riskanten, und deswegen bösen Börse auszuliefern, einfach umschalten. Sozusagen zur Geldbörse der Allianz springen und für ihre (dann Nicht-)Index-Police die klassische Variante mit Überschussbeteiligung wählen.

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Achtung, der Cap!

So wie beschrieben funktioniert die Indexpolice in der sicheren Variante; inzwischen nicht mehr nur bei der Allianz, sondern heute bei einer zweistelligen Anzahl von Anbietern. Für die rentablere Variante seiner Police optiert der Sparer - jeweils für das kommende Jahr - aber besser zur Anlage seiner Beiträge an der Börse. In der Police arbeiten dann von Börsen-Indizes abgeleitete Finanzinstrumente (Derivate), die dann etwa den deutschen Dax, den Eurostoxx oder den US-Dow Jones abbilden, also deren Aktienmix „nachbauen“.

Börse lohnt. Ende 2015 stand der Dax 9,6 Prozent höher als zu Jahresanfang. Dies hätte aber nur für den Direktinvestor gegolten, der sich statt über den Umweg einer Indexpolice selbst einen gebührenarmen Exchange Traded Fund (ETF-Indexfonds) gekauft und das Börsen-Auf- und -Ab des Jahres 2015 ausgehalten hätte. Da hilft die Indexpolice den Nervenschwachen und schützt die Sparer vor Verlusten. Im Gegenzug werden Börsenentwicklungen gekappt. Der Kunde bekommt marktüblich nur 3,7 Prozent Wertzuwachs angerechnet: pro Monat. Das ist der so genannte Cap, den die Versicherer zudem jährlich neu festlegen.

In drei von sieben Jahren eine Nullrunde – trotz Dax-Steigerung

Bis zu 3,7 Prozent Plus, zumal pro Monat, klingt nach viel Geld, das der Sparer bei seiner Indexpolice ernten kann, wenn die Bullen die Märkte in neue Höhen treiben. Aber es gibt auch den Bärenmarkt: Die Versicherer verrechnen auch schlechte Monate, in denen sich die Börse und die Kurse gen Süden bewegen. Zum Tost für den Kunden: Verluste muss er keine erleiden. Im schlimmsten Fall erlebt der Sparer eben in einem Jahr eine Nullrunde. Oder in drei von zehn Jahren!

Zuletzt geschehen im bewegten, volatilen Börsenjahr 2015 mit viel auf und ab der Kurse. „Fonds professionell“ hat eine Rechnung aufgemacht zu einer „fiktiven“ Dax-Index-Police mit einem Cap von 3,7 Prozent, der sich in dem Jahr „verheerend ausgewirkt“ hätte. 2015 stieg der Dax um 9,6 Prozent. Die Summe aller monatlichen Renditen gibt „Fonds professionell“ mit 11,7 Prozent an. Aber durch die Marktschwankungen des Dax und durch den Cap hätte sich im Beispielfall für 2015 technisch ein Minus von 7,7 Prozent ergeben.

Nur ein sicherer Gewinner der Indexpolice: die Anbieter

Der Kunde wäre leer ausgegangen, schreiben die Experten und ergänzen: „In drei der zehn vergangenen Kalenderjahre hätte er aus einem Dax-Jahresplus ein Minus gemacht.“ Dennoch geben die Experten für ihre Muster-Indexpolice mit 3,7 Prozent Cap über zehn Jahre eine Wertsteigerung von der Basis 100 auf etwa 170 an oder aus 10.000 Euro Einlage 2005 wurde im Jahr 2015 ein Vermögen von gut 17.000 Euro. Mit dem Dax „pur“, etwa über ein ETF ganz ohne Versicherung, hätte der Anleger heute 19.500 Euro Kapitalstand.

Interessant ist das Fazit von „Fonds professionell“: Indexpolicen sind aus deren Sicht sehr beratungsintensiv und: „die neuen Produkte kennen nur einen sicheren Gewinner, und das sind die Anbieter“. Ganz zu schweigen von dem Szenario, das sich ergibt, wenn ein Kunde Beitragsgarantien braucht (weil seine Indexpolice eine Riester-Rente ist). Wenn eine junge Frau (oder auch eine Mann) im Alter von 25 Jahren 42 Jahre lang fürs Alter sparen und eine Garantie für ihre eingezahlten Beiträge braucht, dann müssen zwei Drittel ihrer Beiträge in bombensicheren Anleihen investiert werden. Von 100 Euro Rate pro Monat werden in diesem Szenario 66 Euro in Staatsanleihen bester Bonität betoniert!

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Und ältere Sparer plus Beitragsgarantie? Bei einem 40-Jährigen fließen von 100 Euro knapp 77 Euro „in“ die Beitragsgarantie. Neudeutsch nennt man so etwas Cash-Lock.