finanzberatung-bierl.de Als Finanzberater, welcher im Investmentbereich tätig ist, war der Beginn des Jahres 2016 durchaus keine einfache Situation. Die mediale Berichterstattung spricht von Crash und einer aufkommenden Krise – eine durchaus herausfordernde Aufgabe als aktiver Berater. Nicht so sehr für das aktive Handeln, sondern eher für die Betreuung seiner Kunden. Diese sind durch die Berichterstattung teilweise zutiefst verunsichert und stellen Sachen in Frage, welche vor einem Jahr noch klar kommuniziert wurden.

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So haben wir die Gunst der Stunde genutzt und sind aktiv auf unsere Kunden zugegangen, welche ein Investmentdepot bei uns haben. Wir möchten in negativen Börsenzeiten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern aktiv kommunizieren und zumindest eine grobe Erklärung abgeben, wieso es zu diesem Absturz kam und was man jetzt machen sollte. Hierbei haben wir einen maßgeschneiderten Newsletter herausgegeben, welchen wir unseren Anlegern zugesandt haben.

Hier haben wir folgende Ursachen für das Börsenbeben attestiert:

  1. Die Angst vor einer harten Landung des Wirtschaftswachstums in China ist eine der größten Befürchtungen. Wuchs man vor einigen Jahren noch mit 7, 8 oder 9 %, so wird eine Landung auf 5 oder 6 % befürchtet. Man sollte bedenken – die Eurozone wächst im Schnitt mit 1 %.
  2. Der Ölpreisverfall: Wurde vor einigen Jahren noch ein Ölpreisverfall als Segen für die Wirtschaft und für die Verbraucher dargestellt, so herrscht derzeit schlichte Panik. Ein stark fallender Ölpreis könnte als Indikator für ein schwaches Wirtschaftswachstum dargestellt werden.
    Der wichtigste Grund aber: Die ölreichen Länder wie Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und auch Norwegen haben bei einem hohen Ölpreis die Überschüsse in einen Staatsfonds investiert, um für die Zeit nach dem Öl vorzusorgen. Diese Staatsfonds sind sehr stark in Aktien engagiert (teilweise bis zu 80 %). Die oben genannten und auch die weiteren Länder haben aber aufgrund des Ölpreisverfalls nun mit großen Haushaltslöchern zu tun, welche bis zu 20 % des BIP betragen können (Saudi Arabien!). Um diese Lücken zu schließen, wird auch das Guthaben der Staatsfonds angezapft & Aktien verkauft, um Liquidität zu schaffen.
  3. Angst vor steigenden Zinsen in den USA. Im Dezember 2015 gab es nach etlichen Jahren wieder eine Zinserhöhung. Diese war zwar eher symbolisch auf 0,25-0,5%, aber manche erkennen darin einen Trend.
  4. Flüchtlingskrise und Konflikte: Natürlich kann man auch Gründe heranziehen wie die Flüchtlingskrise, die Konflikte im Nahen Osten (Libyen), aber das sind eher Geschichten am Rande.

Aber die entscheidende Frage für viele unseren Kunden ist dennoch, wie es weitergeht:

In unseren vielen Beratungsgesprächen weisen wir immer stark darauf hin, dass die Börsenkurse nicht nur die fundamentalen Faktoren wiederspiegeln, sondern auch die Emotionen der Anleger. Vor allem für kurze Zeit neigen diese zu heftigen Über- oder Untertreibungen. Manchmal sind sie ein Ausdruck von Zuversicht, ein anderes Mal von Furcht. Sicher ist aber, dass sich beide immer wieder abwechseln. Das führt zu teilweise kräftigen Kursschwankungen an den Märkten.

Wir weisen unsere Anleger immer darauf hin (natürlich auch im Beratungsprotokoll), dass es teilweise heftige Kursschwankungen geben kann. Ein Minus von 10 oder 15 % im Depot kann jederzeit möglich sein. Wer das nicht aushalten kann und mag, dem empfehlen wir derzeit eigentlich nur noch ein Tagesgeldkonto. Ohne erhöhte Volatilität wird es keine nennenswerte Rendite mehr geben. Die schönen Jahre sind hier leider vorbei.

Gerne zitieren wir Bert Flossbach, Mitbegründer des größten Vermögensverwalters in Deutschland: „Wer sein Geld auf dem Konto hat, in Sparbuch oder Bundesanleihen investiert, macht nach Abzug der Inflation ein Verlustgeschäft. Das Festhalten an dieser Strategie bedeutet langfristig jedoch eine freiwillige Selbstenteignung, denn das Zinsniveau bleibt noch jahrelang niedrig, während die Inflation weiter steigen wird. Diese Erkenntnis hat Privatanleger bereits dazu bewogen, Immobilien in guten Lagen zu immer höheren Preisen zu erwerben.
Im Vergleich dazu sind Aktien erstklassiger Unternehmen geradezu ein Schlaraffenland für Anleger. Verlässliche Gewinne, attraktive Dividenden, keine nennenswerten Anschaffungskosten, kein Ärger mit Mieten und ein guter Schutz gegen Inflation. Hinzu kommen die hohe Liquidität und die damit verbundene Flexibilität der Aktienanlage. Doch die tägliche Kursnotiz verwirrt viele Investoren. Anleger präferieren den sicheren realen Verlust auf ihre Festzinsanlage gegenüber dem unsicheren Gewinnpotential einer Aktie. Dieser Zustand wird sich nicht von heute auf morgen ändern. Der Erkenntnisgewinn, dass die hohe Staatsschuldenquote nur durch eine unverzinste Inflation abgebaut werden kann, wird eher ein schrittweites Umdenken bewirken."

Dies trifft für uns den Nagel auf den Kopf und diese Denkweise versuchen wir unseren Anlegern mitzuteilen. Nicht immer klappt dies aber.

"Verkaufen Sie Ihr Haus, wenn sein Wert um 10 % gefallen ist?"

Die direkte Investmentanlage erfordert Geduld und das Aushalten von teilweise massiven Kursschwankungen. Wenn unsere Investmentkunden damit nicht leben können, dann war eine Fondsanlage von Beginn an die falsche Strategie. Leider bekam man in den letzten Jahren eine gefühlte Sicherheit, als die Kurse nur immer anstiegen. Die Schwankungen dürften immens werden. So kann es durchaus vorkommen, dass man in einem Jahr einen Depotstand von – 10 % hat. Dafür steigt es in einem anderen Jahr wieder um 20 %.

Wir fragen unsere Anleger: Ist die Firma Siemens oder Coca-Cola weniger Wert, nur weil der Börsenkurs innerhalb weniger Tage um 15 % gefallen ist? Es ist doch immer noch dasselbe Unternehmen? Verkaufen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus, wenn es 10 % gefallen ist? Nein, natürlich nicht. Zudem bekommen Sie es gar nicht mit, wenn es gefallen ist. Die eigene Immobilie bzw. eine Eigentumswohnung wird nicht sekündlich mithilfe eines Preises ermittelt. Hier denken Sie auch langfristig. Genauso muss es bei einer Investmentanlage sein. Sich weniger verrückt machen lassen und diese günstigen Kurse eher als Chance sehen, überschüssiges Geld auf dem Girokonto wieder anzulegen. Kaufen Sie lieber eine Aktie, wenn diese schon 20 % gestiegen ist oder wenn Sie 20 % gefallen ist? Der Herdentrieb des Anlegers vermittelt ein besseres Gefühl, wenn man in steigende Kurse investiert. Der rational denkende Anleger freut sich aber auf Schnäppchen.

Teilen Sie solche greifbaren Beispiele Ihren Anlegern mit! Nicht nur, wenn der Bulle an der Börse die Oberhand besitzt, sondern auch, wenn die Bären kommen. Gerade dann ist eine ehrliche und offene Kommunikation ein wunderbares Kundenbindungsmittel.

Dass dies der Realität entspricht, haben wir kurz nach unserem Newsletter zur aktuellen Marktlage erfahren dürfen. Die Rückmeldungen der Kunden und Anleger hierauf war mehrheitlich positiv und verständnisvoll. Hier ein Beispiel (Fehler im Originaltext):

Unsere Kunden schätzen es also, wenn wir mit ihnen offen auch in Krisenzeiten kommunizieren. Interessant zu sehen, auf welchen Kanälen uns hier die Antworten erreichen. Email, Telefon und auch per WhatsApp. Es kann ein Plus sein, wenn man als Finanzberater vielseitig erreichbar ist.

Tobias Bierl