Den Löwenanteil der Riester-Zulagen kassieren Sparer mit vergleichsweise hohem rentenversicherungspflichtigem Einkommen, will das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zusammen mit der Freien Universität Berlin (FU) im Rahmen einer Studie ermittelt haben. Dies meldet die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „38 Prozent der Gesamtförderung entfallen auf die oberen zwei Zehntel der verfügbaren Einkommen in der Gesamtbevölkerung". So zitiert die Zeitung die für die Einkommensstudie zuständigen Wissenschaftler; Carsten Schröder vom DIW, Johannes König und Giacomo Corneo, beide von der FU Berlin.

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Viele Riester-Sparer verdienen mehr als 60.000 Euro

Grundlage der monetären Feststellungen der Wissenschaft zur Verteilung der Riester-Fördergelder seien Statistiken der deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2010. Knapp 2,8 Milliarden Euro Zulagen beziehungsweise Steuer-Rabatte seien im Jahr 2010 an Riester-Sparer geflossen. Davon seien „mehr als eine Milliarde“, schreibt die FAZ, an Berechtigte mit einem Nettoeinkommen oberhalb von 60.000 Euro pro Jahr ausgeschüttet worde. An Riester-Sparer mit Einkommen in den „unteren beiden Zehnteln“ flossen den Angaben zufolge nur sieben Prozent des Förderkuchens; in Zahl: 200 Millionen Euro.

Damit profitiert die Einkommensgruppe der hoch verdienenden Sparer unterm Strich von der fünffachen Fördersumme im Vergleich zu Kleinverdienern. Klar ist, dass Gutverdiener sich beim geförderten Sparen überproportional an Steuervorteilen laben können, eben weil sie im Vergleich zum „kleinen Mann“ relativ viel Steuern zahlen und umgekehrt beim riestern von Steuerboni profitieren. Aber diese steuerlogisch herleitbare Übergewicht erklärt die ungleich verteilten Fördergelder zu Riesters Rente nicht.

Kleinverdiener profitieren mehr - sie riestern aber zu selten

Im Grunde ist der Steuervorteil einem Großverdiener als Versicherungskunden leicht erklärt: Rund 40 Cent von jedem Euro fließen zurück auf sein Bankkonto. Oft beträgt der Grenzsteuersatz, also der Steueranteil auf den „nächsten“ zusätzlich verdienten Euro, rund 40 Prozent. Für den Kleinverdiener lohnt sich das Riestern oft noch mehr. Im Extremfall kassieren Geringverdiener mit Kindern ein Vielfaches ihres (Mindest-)Beitrags von 60 Euro pro Jahr. Aber diese Menschen riestern eher seltener. Dies nicht zuletzt, weil das Gemenge aus Zulagen und Steuern und der so genannten Günstigerprüfung des Finanzamtes die Menschen überfordert. Vom Papierkrieg rund um die Förderung ganz zu schweigen.

„Riester hat Sparneigung nicht verstärkt“

Insofern nennt auch die FAZ das Ergebnis der Einkommensstudie in Bezug auf Riester und Rente „erstaunlich“. Schließlich sollten mit dem Start der Förder-Rente vor allem geringere Einkommen gefördert werden.

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Offenbar fehlt Kleinverdienern das Geld für zusätzliche Vorsorge: „Man braucht aber offenbar ein gewisses Einkommen, um sich die Teilnahme an der Riester-Rente überhaupt leisten zu können", sagt FU-Ökonom König in der FAZ. Im weiteren spricht das Blatt von einem „weiteren negativen Zeugnis für die Riester-Rente“. Weiter habe Ökonom König berichtet, die Wissenschaft habe in der Vergangenheit bereits festgestellt, dass Menschen trotz der staatlichen Förderung nicht wie erhofft mehr sparen würden. Oder berät die Versicherungs-Industrie zu wenig?