Wenn sich die eigene Lebensversicherung oder das Tagesgeld nicht wie gewünscht entwickelt – dann kann man doch darauf bestehen, dass Vater Staat die Rendite aufstockt? Was wie ein Scherz klingt, befürwortet laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes INSA im Auftrag der BILD die Mehrheit der Bundesbürger. Wie das Boulevardblatt berichtet, verlangen 70 Prozent der Sparer eine staatliche Zulage auf Ersparnisse, die aus Steuermitteln finanziert werden soll. Lediglich 17 Prozent lehnen diese Zulage ab.

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“Niedrige Zinsen erfordern staatliches Handeln“

Eine staatliche Sparprämie in Höhe von 5 Prozent hat zuletzt Peter Schneider ins Gespräch gebracht, der Sparkassen-Chef Baden-Württembergs. Im Interview mit der BILD erklärte Schneider: „Die Sparer brauchen bei den niedrigen Zinsen dringend Hilfe. Denn die Lage ist im höchsten Maße ungerecht: Der Staat spart durch Minizinsen zwischen 20 und 40 Milliarden Euro jedes Jahr, aber der Sparer ist der Dumme.“ Mit den niedrigen Zinsen sei nur den Krisenländern im Süden geholfen, „aber die dramatischen Folgen für Deutschland verkennen leider alle.“

Nun fordert auch INSA-Chef Hermann Binkert ein Eingreifen des Staates. „Die niedrigen Zinsen und der demografische Wandel erfordern staatliches Handeln zugunsten der privaten Altersvorsorge“, sagt der Sozialforscher. So würde es zumindest die Mehrheit der Deutschen sehen. Die angebliche Lösung: Ein steuerfinanzierter Sparzuschlag! An der repräsentativen Online-Befragung von INSA haben 1.468 Personen teilgenommen, wie Versicherungsbote auf Presseanfrage erfuhr.

Es gibt kein Grundrecht auf hohe Zinsen

Ob eine derartige Sparzulage eine clevere Lösung wäre, darf zumindest bezweifelt werden. Fest steht: Es gibt kein Grundrecht auf hohe Zinsen, das durch den Staat gewährleistet werden müsste. Es könnte sich gar als Milchmädchenrechnung erweisen, wenn die Sparer mit Steuergeldern ihre eigene Lebensversicherung subventionieren. Und warum sollten zinsbasierte Formen der Altersvorsorge unterstützt werden - das Investment in Fonds und Aktien hingegen nicht?

Schon jetzt dürfte es allerdings Realität sein, dass die Steuerzahler ihre private Altersvorsorge indirekt subventionieren, nicht nur aufgrund der Riester-Förderung. Laut einem Bericht der globalisierungskritischen Bewegung Attac fließen allein 77 Prozent der Hilfsgelder für Griechenland wieder dem Finanzsektor zu. Empfänger sind Banken, Investmentfonds – und Versicherungen.