Gesundheitsexperten warnen, angesichts steigender Kosten in der Krankenversicherung müssten sich die Patienten schon 2016 auf stark steigende Zusatzbeiträge einstellen. „Wenn die Ausgaben weiter anziehen wie bisher und man die Reformkosten einrechnet, ergeben sich Beitragssteigerungen von bis zu 50 Euro im Monat“, erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, in der BILD-Zeitung (Montag).

Anzeige  

 

Dabei hatte die Bundesregierung erst letzte Woche gefordert, die Anbieter mögen ihre Beiträge weiter senken, um Mitglieder zu entlasten. Die bei vielen Kassen vorhandenen Zusatzreserven Ende 2014 würden zeigen, dass die vorhandenen Spielräume nicht genutzt werden, heißt es in einem Antwortschreiben von Staatssekretär Lutz Stroppe an den zuständigen Bundestagsausschuss.

Eine Einschätzung, die verwundert, schreiben doch die Kassen wieder rote Zahlen. Laut Statistischem Bundesamt wies die gesetzliche Krankenversicherung Ende 2014 ein Finanzierungsdefizit von 5,1 Milliarden Euro auf (inklusive Gesundheitsfonds).

Beitragssteigerungen von 12,40 Euro erforderlich

Auch Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen, wertet die Regierungsforderung nach niedrigeren Beiträgen als falsches Signal. „Die Krankenkassen dürfen ihre Beiträge jetzt nicht verpulvern“, sagte der Wissenschaftler der BILD. Er gehe davon aus, dass die Beitragssätze allein 2016 um 0,3 Prozentpunkte steigen müssen – dies entspreche rund 12,40 Euro im Monat.

Anzeige  

 

Im vergangenen Jahr waren die Kosten in der Gesetzlichen Krankenversicherung um 10,88 Milliarden Euro angestiegen. Nach Berechnungen der Krankenkassen, die dem Boulevardblatt vorliegen, sollen die Gesundheitsreformen mittelfristig zusätzlich drei Milliarden Euro kosten. Der Grund für die explodierenden Ausgaben liegt u.a. bei Prämienzahlungen, freiwilligen Leistungen und stark anwachsenden Ausgaben für Arzneimittel.

BILD