Der Internationale Währungsfonds nimmt die Lösung für künftige Finanz- und Schuldenkrisen in Angriff. In einem Thesenpapier veröffentlichte der IWF kürzlich seine Pläne. Bei der Rettung von Pleitestaaten sollen künftig nicht nur Banken in die Pflicht genommen, sondern vor allem die Gläubiger.

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Das betrifft in Europa in erster Linie Versicherer und Pensionsfonds, sowie Fonds mit Investments in Staatsanleihen. Einhergehend damit könnten auch Verbraucher mit Lebensversicherungen oder anderen Formen der Altersvorsorge von einem künftigen Schuldenschnitt betroffen sein.

Dieser Meinung ist auch Eberhardt Unger, Ökonom beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. „Privatinvestoren werden bei staatlichen Schieflagen zukünftig stärker bei der Lösung miteinbezogen", erklärte Unger gegenüber der Welt. "Diese Einbeziehung kann nur bedeuten Forderungsverzicht, Laufzeitverlängerung, Kuponherabsetzung oder Ähnliches.". Anleger von Staatsanleihen müssten sich demnach auf Forderungsverzichte oder Negativ-Zinsen einstellen.

Schuldensteuer und Vermögensabgabe bei Staatsschulden

Im vergangenen Jahr hatte der Internationale Währungsfonds bereits die Idee einer allgemeinen „Schulden-Steuer“ ins Spiel gebracht. Diese sollte 10 Prozent für jeden Haushalt der Euro-Zone, betragen. Allerdings nur für Haushalte ab einem festgelegten Vermögen. Der Plan sah vor, im Sinne der Staatsentschuldung auf Vermögen von Bankkonten, Wertpapieren oder Immobilien zuzugreifen. Kurz darauf dementierte der IWF halbgar.

Auch die Bundesbank zog eine Art Vermögensabgabe in Betracht. „In der Ausnahmesituation einer drohenden staatlichen Insolvenz könnte eine einmalige Vermögensabgabe aber günstiger abschneiden als die dann noch relevanten Optionen“, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank. Relevante Optionen wären höhere Steuern oder eine drastische Reduzierung der Staatsausgaben.

Schuldenschnitt trifft Versicherungen

Nun offenbart der Internationale Währungsfonds in seinem Thesenpapier eine neue Idee. Als Vorbild für ein zukünftiges Szenario könnte dabei der Schuldenschnitt in Griechenland gelten. Seinerzeit hatten Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichtet. Die restlichen Forderungen wurden auf 20 verschiedene Papiere mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren verteilt. Zwar soll der Nennwert sowie die Zinsen zunächst nicht reduziert werden. Allerdings könnten Anleihen eine längere Laufzeit bekommen.

Seine Pläne bezeichnet der IWF aktuell als "vorläufige Ideen" und will diese nicht sofort anwenden. Jedoch könnten die „Ideen“ schneller greifen, als vielen lieb ist. Spätestens bei der nächsten drohenden Staatspleite könnten die Pläne Realität werden.

Verbrauchern sind meist die Hände gebunden

Für Verbraucher, die ihre Altersvorsorge über Lebens- oder Rentenversicherungsprodukte geregelt haben, bleiben dann kaum Optionen. Zu gering sind die Möglichkeiten in alternative Anlagen zu wechseln. Bei Fondsanlegern sieht der Sachverhalt anders aus. Hier kann, via Vermittler, in ein alternatives Investment geswitcht werden.

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"Anleihekäufer werden noch stärker auf die Bonität der Emittenten achten müssen.", weiß Unger. Derweil raten andere Finanzexperten „generell lang laufende Staatsanleihen zu meiden und stattdessen eher auf Unternehmensanleihen zu setzen.“