Geht es um Bankenregulierung, besteht derzeit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während "reguläre" Banken als Antwort auf die Finanzkrise strenger kontrolliert werden, reicht mitunter eine Briefkastenfirma in einer Steueroase wie den Cayman Islands, um auf dem grauen Kapitalmarkt mit Milliardenbeträgen zu jonglieren. Sogenannte Schattenbanken können sich der staatlichen Aufsicht erfolgreich entziehen – ein Umstand, der auch BaFin-Chefin Elke König zu Denken gibt.

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“Wir brauchen ein globales Regelwerk“

Angesichts der milliardenschweren Risiken auf dem grauen Kapitalmarkt will Elke König die umstrittenen Schattenbanken genauer durchleuchten. „Wir brauchen ein globales Regelwerk“, sagte die BaFin-Präsidentin in einem Interview mit dem Handelsblatt. Mehr Transparenz sei nötig, etwa um die Geschäfte von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen und Spezialfonds besser beurteilen zu können. "Wenn man die Anforderung an regulierte Banken erhöht, muss man auch einen besseren Einblick in den schwächer oder gar nicht regulierten Sektor bekommen", so König.

Und tatsächlich wäre mehr Regulation geboten, sind doch die Risiken auf dem grauen Kapitalmarkt seit Ausbruch der Finanzkrise eher gestiegen als gesunken. Laut Schätzungen des Finanzstabilitätsrates (FSB) explodierte der Markt von 45 Billionen Dollar im Jahr 2001 auf 71 Billionen Dollar in 2012. Darunter fallen alle Akteure, die auf den Finanzmärkten wie Banken agieren, aber nicht im selben Maße reguliert und beaufsichtigt werden – etwa weil die Finanzprodukte nicht an den Börsen handelbar sind.

Schattenbanken mit „regulierten“ Kreditinstituten eng verflochten

Die großen Geldhäuser haben freilich einen entscheidenden Anteil daran, dass der graue Kapitalmarkt boomt. Denn oftmals handelt es sich bei Schattenbanken um Tochterfirmen oder Firmen, die mit dem Geld der Banken unterstützt werden. Dies nicht ohne Grund: Schattenbanken kaufen den regulierten Geldhäusern faule Kredite und Altlasten ab, so dass sie in deren Bilanzen nicht mehr auftauchen. Experten sehen in dieser Verflechtung eine tickende Zeitbombe, die zu einer neuerlichen Finanzkrise führen kann. Auch die strengeren Eigenkapitalanforderungen und der aktuelle Niedrigzins tragen dazu bei, dass Banken Risiken in den nicht regulierten Sektor auslagern.

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“Wenn man die Anforderung an regulierte Banken erhöht, muss man auch einen besseren Einblick in den schwächer oder gar nicht regulierten Sektor bekommen“, fordert folglich auch Elke König. „Sonst ist nichts gewonnen, weil das Risiko ja nicht einfach verschwindet, sondern nur woanders ist, und zwar dort, wo wir als Aufsicht nichts ausrichten können.“ Dass die Schattenbanken den „normalen“ Geldinstituten zuletzt immer mehr Risiken abgekauft haben, macht König hingegen keine Sorgen. Von einer Spekulationsblase könne keine Rede sein, „aber man muss beobachten, ob die Risikobereitschaft wieder einen Punkt erreicht, bei dem Preise gezahlt werden, die ökonomisch keinen Sinn ergeben."

Handelsblatt