Die private Krankenversicherung gerät zunehmend unter Druck. Das Neugeschäft schwächelt, und wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt müssen viele Versicherer die Verzinsung der Altersrückstellungen kürzen. Die Privatversicherten merken dies an steigenden Beiträgen. Laut einem Bericht des Handelsblattes werden rund drei Millionen Privatpatienten auch 2014 deutlich mehr Geld an ihren Krankenversicherer überweisen müssen. Zudem droht sogar die Abschaffung der PKV als Vollversicherung, sollte die SPD im September die Bundestagswahl gewinnen.

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Grund genug für Uwe Laue, in die Offensive zu gehen. Seit Anfang Juli ist der Debeka-Chef oberster Lobbyist der privaten Krankenversicherer, er wurde zum neuen Vorsitzenden des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) gewählt. Laue forderte nun die Politik auf, die Versicherungspflichtgrenze zu senken, ab der Arbeitnehmer aus der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechseln können.

„Viele haben vergessen, dass die gesetzliche Versicherung ursprünglich nur für besonders Schutzbedürftige eingeführt wurde. Das sollte auch heute noch gelten“, sagte Laue dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Er glaube nicht, „dass 90 Prozent der Bürger schutzbedürftig sind.“ Mehr Menschen sollen die freie Wahl erhalten, ob sich sich privat oder gesetzlich versichern wollen.

Versicherungspflichtgrenze von 40.000 Euro im Jahr

Derzeit kann sich privat krankenversichern lassen, wer als Angestellter mindestens 52.200 Euro im Jahr verdient. Nur Beamte und Selbstständige haben unabhängig vom Einkommen ein Wechselrecht. Die mögliche Zielgruppe für die PKV will Laue nun vergrößern. Wie hoch oder niedrig die Versicherungspflichtgrenze zukünftig sein soll, dazu machte Laue nur indirekte Angaben. „Das muss der Gesetzgeber entscheiden. Heute liegt das Durchschnittseinkommen für Vollzeit-Arbeitnehmer bei 40.000 Euro im Jahr“, sagte Laue in dem Interview.

Eine Bürgerversicherung, wie sie SPD, Grüne und Linkspartei fordern, lehnt der oberste PKV-Lobbyist erwartungsgemäß ab. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das duale System aus privater und gesetzlicher Versicherung das Gesundheitssystem insgesamt besser gemacht hat, als es ohne diesen Systemwettbewerb wäre“, sagte Laue.

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Die Bürgerversicherung aber würde nach Einschätzung Laues die Versorgungsqualität verschlechtern. Müssten Ärzte auf die höheren Honorare verzichten, die sie mit den privaten Krankenversicherungen abrechnen können, würden „in kürzester Zeit“ 30.000 Arztpraxen geschlossen, rechnet Laue vor. „Das wäre bei 140.000 Praxen ein gewaltiger Einbruch“. Auch müsse mit dem Verlust von 200.000-400.000 Arbeitsplätzen gerechnet werden.

Handelsblatt