Hält diese Situation an, so wird es für die Unternehmen immer schwieriger, den Garantiezins zu erwirtschaften. Dieses Problem wird durch die Einführung der Zinszusatzreserve, die die Versicherer seit 2011 als Zusatzpuffer aufbauen müssen, manifestiert: Die Zinszusatzreserve nimmt einen Teil der zukünftigen Probleme bereits in den aktuellen Rechnungsabschlüssen vorweg. Eine weitere Verschärfung der Situation könnte sich durch die Vorschriften für die Kapitalausstattung der Versicherer unter dem neuen gemeinsamen Aufsichtssystem Solvency II in Europa ergeben, die derzeit in Brüssel verhandelt werden.

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Die derzeit diskutierte Einführung einer Teilkollektivierung der freien RfB oder eine Anpassung der Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere sieht die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) kritisch. Sie seien nur scheinbar verbraucherfreundlich und „aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Versicherungsnehmern“ abzulehnen. Zudem würde eine Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere in der Niedrigzinsphase die Risikotragfähigkeit beschädigen.

Neugeschäft: Innovative Produkte mit stärkerer Anpassung an die Kapitalmärkte


Beim Neugeschäft der deutschen Lebensversicherer seien Innovationskraft und größere Flexibilität bei der Produktgestaltung notwendig. Das könne beispielsweise durch Abschnittsgarantien geschehen, die sich dem jeweiligen Zinsniveau am Markt anpassen. Neue Produkte mit geringeren Garantiekosten könnten sogar eine bessere Performance aufweisen als klassische Policen. Aber auch diese sollten weiterhin im Markt angeboten werden, um den Bedarf derjenigen Kunden, die sich ausdrücklich für eine lebenslange Garantie entscheiden, abdecken zu können. Dementsprechend erwartet die DAV einen breiteren Produktmix, bei dem jeder Kunde genau die Lösung finden sollte, die seinen individuellen Sicherheits- und Renditewünschen entspricht.