Die Wirtschaftskriminalität in der Versicherungsbranche ist in den letzten Jahren weiter zurückgegangen: Zwischen 2009 und 2011 war knapp jedes zweite Unternehmen der Assekuranz (49 Prozent) von Korruption, Unterschlagung oder einer anderen Straftat betroffen.

Anzeige

Im Vergleichszeitraum von 2005 bis 2007 lag die Quote noch bei 68 Prozent, wie aus der Branchenauswertung "Wirtschaftskriminalität - Versicherungsbranche" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervorgeht.

Während die Betroffenheit von Wirtschaftsdelikten bei Versicherungsunternehmen zurückgegangen ist, stieg die durch Wirtschaftskriminalität verursachte Schadensbelastung dagegen erheblich. In der jüngsten Umfrage nannten die von Wirtschaftskriminalität betroffenen Versicherer im Durchschnitt eine direkte Schadensumme über alle Delikte von rund 8,5 Millionen Euro – dies entspricht fast einer Verdreifachung gegenüber der Studie von 2007, in der die Befragten im Durchschnitt über direkte Schäden in Höhe von 2,9 Millionen Euro berichteten.

Zu den direkten Schäden durch entdeckte Delikte kommen indirekte Kosten von durchschnittlich 156.000 Euro, die für das Schadenmanagement aufgewendet werden müssen. Hierzu zählen beispielsweise Prozesskosten, Ausgaben für interne Untersuchungen oder auch die notwendige Öffentlichkeitsarbeit.

"Die Millionenschäden durch Wirtschaftskriminalität mögen angesichts der aktuellen, massiven Kapitalmarktverluste nicht ins Gewicht fallen. Die Einzelschäden können jedoch teilweise deutlich über dem Durchschnittswert liegen. Außerdem müssen zu den bezifferbaren Schäden noch die langfristig negativen Folgen für Image und Kundenvertrauen und vor allem die Belastungen durch Kriminalität im Dunkelfeld, also die nicht entdeckten Delikte, addiert werden", kommentiert Alexander Hofmann, Leiter des Bereichs Versicherungen bei PwC.

So waren immerhin 57 Prozent der befragten Versicherungen zwischen 2009 und 2011 nach eigener Aussage mindestens einmal mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Straftat betroffen, die sich letztlich aber nicht beweisen ließ. Insgesamt ergibt sich damit eine Erhöhung der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Versicherungsunternehmen auf 71 Prozent.

Prävention wirkt...

Stark rückläufig ist die Belastung der Versicherer durch Vermögensdelikte und Korruption. Berichteten in der Studie von 2007 noch 58 Prozent der Befragten über mindestens einen entdeckten Betrugs- oder Unterschlagungsfall, waren es 2011 nur noch 43 Prozent. Von Korruption geschädigt wurden zwischen 2009 und 2011 lediglich sieben Prozent der Befragten gegenüber 24 Prozent in den Jahren von 2005 bis 2007.

Anzeige

Diese positive Bilanz dürfte in erster Linie auf die verstärkten Präventionsbemühungen der Versicherer zurückzuführen sein: Ein Kunden- beziehungsweise Geschäftsmonitoring gab es 2011 bei knapp jedem zweiten Versicherungsunternehmen (47 Prozent), im Jahr 2007 erst bei 29 Prozent der Befragten. Über ein Risikomanagement zur Betrugsprävention verfügen heute 80 Prozent der Befragten, im Jahr 2007 belief sich die Quote auf 59 Prozent.

  • Korruption, Unterschlagung und Provisionsbetrug sorgen für 8,5 Millionen Schaden pro Versicherer
  • ...Kontrolle versagt