Die Europäische Zentralbank hat im Rahmen ihrer monatlichen Berichterstattung die für den deutschen Versicherungsmarkt wichtige Rendite zehnjähriger Staatsanleihen des EURO-Währungsgebietes mit AAA-Rating veröffentlicht. Diese fiel um ganze 45 Basispunkte von 2,32 Prozent im Vormonat auf einen Tiefststand von nur noch 1,87 Prozent.

Dieser Zinssatz ist Grundlage des Referenzzinssatzes für die sogenannte Zinszusatzreserve. Um für den Fall vorzusorgen, dass der versprochene Garantiezins in Zukunft nicht mehr durch die Kapitalanlage erwirtschaftet werden kann, muss für alle Verträge, deren Garantiezins über dem erwähnten Referenzzins liegt, eine zusätzliche Rückstellung gebildet werden. Die genaue Berechnungsgrundlage hierfür ist in § 5 der Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) definiert.

Im Jahr 2011 lag der Referenzzins bei 3,92 Prozent und damit erstmals unter dem Rechnungszins von 4 Prozent für Verträge aus den Jahren 1994 bis 2000. Diese machen gut 25 Prozent des gesamten Bestandes der deutschen Lebensversicherer aus. Dies führte zur erstmaligen Stellung der Zinszusatzreserve und damit zu einer zusätzlichen Belastung in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Umgerechnet kostet somit jede Veränderung des Referenzzinssatzes um einen Basispunkt (0,01 Prozentpunkte) die gesamte deutsche Lebensversicherungsbranche gut 190 Millionen Euro.

Allein durch die geringen Anleiherenditen im Juli sank der Referenzzinssatz um 0,01 Prozentpunkte auf 3,65 Prozent. Dies führt voraussichtlich zu einer Mehrbelastung von circa 5 Milliarden Euro durch die Erhöhung der Zinszusatzreserve. Zum Vergleich: In den letzten Jahren lag der Ertrag aus Kapitalanlagen der gesamten deutschen Lebensversicherer bei etwa 40 Milliarden Euro.

Justus Lücke, Aktuar bei den Versicherungsforen Leipzig, kommt zu folgendem Schluss: Bleibt die Rendite europäischer Staatsanleihen weiterhin auf einem so niedrigen Niveau, kann der Referenzzins weiter fallen, womit weitere Belastungen auf die deutsche Lebensversicherungswirtschaft zukommen.

Diese Problematik reiht sich ein in die aktuell geführte Diskussion um die derzeit schwierige Situation für Lebensversicherer. Wie die Branche mit diesen und anderen Herausforderungen zukünftig umgehen kann, diskutieren die Versicherungsforen Leipzig gemeinsam mit Versicherern in der User Group „Strategische Handlungsoptionen in der Lebensversicherung“ Weitere Informationen unter www.versicherungsforen.net/lv