Wie die Financial Times Deutschland in ihrer Montagsausgabe berichtet, will HDI-Unternehmenschef Christian Hinsch bei besonders schadenfälligen Unternehmen höhere Preise oder bessere Bedingungen zugunsten des Versicherers durchsetzen. „Wir werden uns im Laufe des Jahres über alle Branchen und Sparten die besonders auffälligen Kunden und Kundengruppen anschauen, um dort eine auskömmlichere Relation von Risiko und Prämie umzusetzen“, sagte Hinsch, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Konzernmutter Talanx, gegenüber der Financial Times. Der Talanx-Konzern ist Deutschlands drittgrößter Versicherer und hat nur die Allianz und Münchener Rück/Ergo vor sich.

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Harter Preiskampf um Industrie-Policen

Mit ihrem Vorstoß reagiert die HDI Gerling auf die anhaltenden Niedrigprämien im Bereich der Industrieversicherungen. Bisher haben die Versicherer in dem hart umkämpften Markt wenig Chancen, Preiserhöhungen bei ihren Kunden durchzusetzen. Denn fast immer finden die Industrieunternehmen alternative Angebote bei anderen Versicherern zum gleichen Preis.

Ein Handeln ist jedoch nach Ansicht des HDI-Vorstands geboten. „Wir sind jetzt im achten Jahr eines Weichmarktzyklus“, argumentiert Hinsch. Die Preise für Industriepolicen seien mitunter so niedrig, dass die Anbieter mehr für Schäden, Industrie- und Verwaltungskosten ausgeben, als sie an Prämien einnehmen. Konnten die Versicherer diese bedenkliche Entwicklung bisher über Kapitalerträge ausgleichen, so machen ihnen die niedrigen Zinsen zunehmend das Leben schwer.

Diese Einschätzung überrascht ein wenig, denn nach FTD-Angaben konnte HDI Gerling Industrie 2011 einen operativen Gewinn von 321 Millionen Euro erzielen – weitaus mehr als im Privatgeschäft. Doch die Anhebung der Industrie-Tarife kann als Zeichen an die Konkurrenz gewertet werden, ebenfalls die niedrigen Prämien zu überdenken. Besonders im Bereich der Naturgefahren und der Pharma-Haftpflicht sieht Hinsch in den kommenden Jahren steigende Kosten auf die Versicherer zukommen.

Verstärkt das Auslandsgeschäft im Blick

Wachsen möchte HDI Gerling vor allem im Ausland. Dort sieht Hinsch ein erhebliches Wachstumspotential, während der Markt in Deutschland bereits an seine Grenzen gestoßen sei. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist die Konzernmutter Talanx mit ihrem Industriegeschäft in fast vierzig Ländern vertreten, darunter unter anderem in Polen, Belgien, der Niederlande, Singapur, Kanada und Indien.

Der mehrfach verschobene Börsengang, zuletzt für Juni 2012 angesetzt, sei für die internationalen Expansionsbestrebungen nicht erforderlich. „Wir haben genug Kapital. Wir könnten das mit dem Börsengang nur schneller bewältigen“, sagte Hinsch der FTD.