Buy-outs für Pensionsverpflichtungen: Warum jetzt der ideale Zeitpunkt für Unternehmen ist
Steigende Zinsen verändern den Markt für Pensionsverpflichtungen grundlegend. Buy-outs werden für viele Unternehmen plötzlich attraktiv und strategisch relevant. Das Jahr 2026 könnte ein entscheidendes Zeitfenster für den Risikotransfer werden, erklärt Jeffrey Dissmann von Mercer Deutschland.

Herr Dissmann, die letzten Jahre waren von Volatilität geprägt: Zinsen, Inflation, regulatorische Änderungen, geopolitische Unsicherheiten. Warum ist aus Ihrer Sicht gerade jetzt, 2026, ein besonders günstiger Zeitpunkt für Unternehmen, Buy-out-Lösungen zu prüfen?
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Jeffrey Dissmann: Wir blicken auf eine Phase extremer Marktdurchläufe zurück. Nach der massiven Zinswende haben wir 2026 nun ein Niveau erreicht, das Unternehmen eine echte Atempause und strategische Souveränität zurückgibt. Viele Pensionsverpflichtungen haben durch die gestiegenen Zinsen heute Deckungsgrade erreicht, die den Risikotransfer ökonomisch erst sinnvoll und attraktiv machen.
Bei Mercer sehen wir aktuell einen klaren Trend: Unternehmen wollen weg von der reinen Verwaltung von Restrisiken hin zur nachhaltigen Lösung – dem De-Risking. Wir begleiten unsere Kunden dabei als unabhängiger Berater, um die Pensionsstrategie zu optimieren und die Bilanz zu stabilisieren. In diesem Kontext arbeiten wir oft mit spezialisierten Anbietern wie VEDRA zusammen, da deren Abwicklungsmodell eine logische Ergänzung zu unserer Investment-Expertise und versicherungsmathematischen Beratung darstellt. Es ist dieses Zusammenspiel aus fundierter Vorarbeit und spezialisierter Umsetzung, das in der aktuellen Marktlage den entscheidenden Mehrwert liefert.
Kernvorteile von Buy-outs für Unternehmen verschiedenster Größen: Aktuell sehen Sie Ausfinanzierungsgrade von 90% oder mehr. Warum ist ein Buy-out dadurch für Unternehmen so attraktiv und welche Hebel wirken hier?
Ein Ausfinanzierungsgrad von 90 % oder mehr, wie wir ihn in unserer aktuellen Studie beleuchten, ist ein massives Signal. Der wichtigste Hebel ist dabei die Bilanzoptimierung. Wir wandeln oft undurchsichtige, operative Pensionskosten, die das EBITDA belasten, in eine klare Finanzierungsstruktur um. Das wirkt sich positiv auf die P&L-Ergebnisse und die operative Marge aus.
Zusätzlich wirken steuerliche Effekte: Durch einen Buy-out können Verpflichtungen oft schneller steuerwirksam geltend gemacht werden. Aber wir müssen auch die regulatorische Entlastung sehen, die für bestimmte Branchen essenziell ist: Allen voran Banken und Finanzdienstleister, für die Pensionsverpflichtungen oft eine erhebliche Belastung der Eigenmittel darstellen. Ein Risikotransfer kann dabei unmittelbar die regulatorische Kapitalquote verbessern.
Unsere Rolle bei Mercer geht hier weit über das Asset-Liability-Management (ALM) hinaus. Wir beraten aktiv bei der Implementierung der Kapitalanlage und ermöglichen mit unserer Investment-Expertise den Zugang zu hocheffizienten, risiko-rendite-optimierten Portfolien. Wer hier einen Anbieter wählt, mit dem ein sauberes Governance-Framework implementiert wird, schafft nicht nur Sicherheit für die Rentner, sondern vor allem nachhaltige wirtschaftliche Freiheit für das Kerngeschäft.
Man liest zur Zeit häufig, dass aktuell historisch günstige Konditionen für Buy-outs vorherrschen. Ihr Kollege Carsten Strube sagte dies Ende 2025. Welche Faktoren treiben das und wie lange könnte dieses „Window of Opportunity“ offen bleiben?
Carsten Strube hat das Ende 2025 sehr präzise auf den Punkt gebracht, und wir sehen 2026, dass sich diese Einschätzung für den Markt bewahrheitet. Wir befinden uns in einer besonderen Phase: Die Zinsen haben ein Niveau erreicht, das die Barwerte der Verpflichtungen massiv reduziert hat.
Das eigentliche „Window of Opportunity“ wird jedoch nicht nur durch die Zinsen getrieben, sondern vor allem durch die enorme operative Reife der Anbieterkonzepte. Wir haben in Deutschland mittlerweile einen Track Record und wertvolle Erfahrungen gesammelt, die zeigen, dass diese Lösungen stabil und verlässlich funktionieren. VEDRA Pensions kann auf zehn Jahre Erfahrung seit dem ersten Buy-out zurückblicken. Über einen so langen Zeitraum und zahlreiche unterschiedliche Transaktionen lassen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen.
Sollten die Zinsen jedoch wieder sinken, steigen die Barwerte sofort an und die ökonomische Attraktivität eines Transfers verschlechtert sich schlagartig. Wer heute zögert, setzt darauf, dass das Zinsniveau stabil bleibt – eine riskante Wette für die Bilanz. Mein Rat an CFOs ist daher: Jetzt die Analyse-Phase abschließen, um handlungsfähig zu sein. Wir sehen 2026 als das Jahr, in dem strategische Weichenstellungen von der Planung in die Umsetzung gehen müssen.
Welche Unternehmen sollten 2026 besonders über Buy-outs nachdenken und welche Vorarbeit ist entscheidend?
Aus unserer Sicht gibt es 2026 drei klare Fokusgruppen: Erstens Unternehmen im gehobenen Mittelstand, die ihre Kapitalstruktur für die Transformation schärfen wollen. Zweitens Unternehmen im M&A- oder Nachfolgekontext, wo unberechenbare Pensionsdynamiken oft als „Deal-Breaker“ wirken. Und drittens Firmen mit großen, geschlossenen Rentnerbeständen, bei denen das Risiko-Rendite-Profil der internen Verwaltung nicht mehr zum Kerngeschäft passt.
Die entscheidende Vorarbeit ist heute eher eine strategische: Es geht um maximale Transparenz über den Transaktionsablauf. Allen Beteiligten – vom CFO bis zum Aufsichtsrat – muss von Anfang an klar sein, welche Ziele mit dem Transfer erreicht werden wollen. Wer hier eine saubere Roadmap erarbeitet, vermeidet Überraschungen im Prozess. Diese Klarheit über die strategische Zielsetzung ist das Fundament für jede erfolgreiche Transaktion am Markt.
Wie kann ein Berater wie Mercer die Unternehmen hier unterstützen? Und wie gehen Sie mit der emotionalen Komponente um?
Unsere Unterstützung setzt dort an, wo die Komplexität für das Unternehmen beginnt. Wir liefern die strategische Analyse, das Know-how beim Asset-Liability-Management (ALM) und die versicherungsmathematische Steuerung. In der Umsetzung arbeiten wir mit spezialisierten Anbietern wie VEDRA Pensions zusammen. Mercer begleitet dabei die gesamte Kette – von der ersten Idee bis zur finalen Übertragung.
Darüber hinaus sind wir in allen weiteren Pensions-Bereichen präsent – sei es bei der Einrichtung von Advisory-Modellen oder in der Stellung von CTA-Treuhandlösungen – und decken das gesamte Ökosystem der betrieblichen Altersversorgung ab.
Zur emotionalen Komponente: Ja, es geht um Menschen und deren Altersvorsorge. Hier ist maximale Transparenz der Schlüssel. Ein Buy-out kann für die Mitarbeiter ein Plus an Sicherheit bedeuten, da ihre Ansprüche rechtlich und wirtschaftlich in einem spezialisierten Vehikel isoliert werden. Damit sind sie tendenziell weniger direkt dem operativen Risiko des ehemaligen Arbeitgebers ausgesetzt. Wir unterstützen Unternehmen intensiv dabei, diese Zusammenhänge sachlich aufzubereiten und entsprechend zu kommunizieren.
Wenn Sie Beratern und Unternehmen einen Rat mitgeben könnten – was wäre das?
Mein Rat ist: Verstehen Sie Pensionsverpflichtungen nicht als statisches Rauschen in Ihrer Bilanz, sondern als eine gestaltbare, strategische Position. Ein Buy-out sollte dabei als wesentlicher Baustein der langfristigen Unternehmenssicherung begriffen werden – weit über eine reine Kostenbetrachtung hinaus.
Es geht darum, die Kontrolle über die unberechenbaren Dynamiken von Zinsen und Langlebigkeit dauerhaft zurückzugewinnen. Wir plädieren für ein langfristiges Zielbild, aber man muss eben den ersten Schritt machen. Und die aktuelle Marktlage im Jahr 2026 bietet dafür einen hervorragenden Einstiegspunkt.
Wer heute damit beginnt, die Weichen zu stellen – sei es durch eine fundierte ALM-Analyse, die Optimierung der Kapitalanlage oder die konkrete Prüfung eines Risikotransfers –, schafft die nötige ökonomische Beinfreiheit für die strategischen Herausforderungen der Zukunft. Kurz gesagt: Denken Sie langfristig in der Strategie, aber nutzen Sie die Gunst der Stunde für den operativen Start.
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