Geldanlage: Sicherheit, Flexibilität und Rendite schlagen Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit bleibt für viele Anleger trotz geopolitischer Unsicherheiten ein wichtiges Entscheidungskriterium. Doch nur selten ist sie ausschlaggebend für die Geldanlage. Sicherheit und Rendite bleiben zentrale Treiber.

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Nachhaltigkeit hat sich im Anlageverhalten der Deutschen fest etabliert, ohne jedoch zur dominierenden Entscheidungsgröße zu werden. Das zeigt eine aktuelle Anlegerstudie der BarmeniaGothaer. Demnach halten 53 Prozent der Befragten Nachhaltigkeit bei der Geldanlage für wichtig. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein leichter Anstieg (50 Prozent). Während 18 Prozent dem Thema eine sehr hohe Bedeutung beimessen, bewerten es 35 Prozent als eher wichtig.
„Die Studie macht deutlich: Trotz der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten bleibt Nachhaltigkeit für die Mehrheit der Deutschen ein wichtiger Faktor bei ihren Anlageentscheidungen“, sagt Anton Buchhart, Vorstand des BarmeniaGothaer Asset Managements.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Nachhaltigkeit für viele Anleger zwar berücksichtigt wird, aber selten ausschlaggebend ist. Nur acht Prozent der Befragten nennen nachhaltige Kriterien als wichtigsten Faktor bei ihrer Geldanlage. Deutlich stärker gewichtet werden weiterhin klassische Aspekte wie Sicherheit, Flexibilität und Rendite. Diese bestimmen nach wie vor maßgeblich die Anlageentscheidungen und spiegeln das Bedürfnis nach Stabilität und Planbarkeit wider.
Die Bereitschaft, zugunsten nachhaltiger Kriterien auf Rendite zu verzichten, ist dennoch vorhanden: 51 Prozent der Befragten wären dazu bereit, während 45 Prozent dies ablehnen. Für Buchhart ist dieser scheinbare Zielkonflikt jedoch relativ: „Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien kann auch zur Risikoreduktion beitragen und damit negative Einflüsse auf die Rendite begrenzen.“ In gut strukturierten Portfolios stelle sich die Frage nach einem Verzicht daher oft gar nicht.
Bemerkenswert ist zudem, dass Nachhaltigkeit von den Anlegern nicht ausschließlich ökologisch verstanden wird. Vielmehr rücken soziale Aspekte stärker in den Vordergrund. So nennen 38 Prozent der Befragten soziale Gerechtigkeit als wichtigsten Bestandteil nachhaltiger Geldanlagen, während Umwelt- und Klimaschutz mit 33 Prozent folgen. Ein Viertel der Anleger sieht eine verantwortungsvolle Unternehmensführung als entscheidend an. Damit zeigt sich ein breiteres Verständnis von Nachhaltigkeit, das über klassische Umweltaspekte hinausgeht.
„Nachhaltigkeit ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck veränderter Werte“, betont Buchhart. „Kapitalanlage wird zunehmend als Teil gesellschaftlicher Verantwortung gesehen.“ Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten gewinne dieser Aspekt weiter an Bedeutung. Anlageentscheidungen würden daher nicht mehr ausschließlich anhand finanzieller Kennzahlen getroffen, sondern zunehmend auch im Kontext gesellschaftlicher und unternehmerischer Verlässlichkeit.
Gleichzeitig bleibt die Orientierung im Markt für viele Anleger eine Herausforderung. Die Unterscheidung zwischen tatsächlich nachhaltigen Produkten und reinem „Green Marketing“ fällt nicht immer leicht. Buchhart empfiehlt daher, auf regulatorische Einordnungen und qualitative Kriterien zu achten: „Die Einstufung eines Fonds nach der Offenlegungsverordnung kann erste Hinweise geben. Auch freiwillige, renommierte ESG-Labels liefern Orientierung. Für eine fundierte Bewertung lohnt sich jedoch ein genauer Blick in die Dokumentation eines Fonds.“ Ergänzend bleibe die persönliche Beratung ein wichtiger Baustein, um individuelle Anlageziele und Produktwahl sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
