Versicherungsbranche blickt skeptischer nach vorn
Die Stimmung in der Versicherungsbranche kippt. Zwar bleibt die aktuelle Lage solide, doch die Erwartungen für 2026 rutschen ins Minus. Besonders in der Schaden- und Unfallversicherung wächst die Skepsis.

Vierteljährlich fragt der ifo-Konjunkturtest bei rund 150 Versicherern nach, wie die aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate aussehen. Und: Aktuell blickt die deutsche Versicherungswirtschaft vorsichtiger auf das kommende Jahr. Laut den Ergebnissen des ifo-Konjunkturtests für das vierte Quartal 2025 hat sich das Geschäftsklima spürbar eingetrübt. Während die aktuelle Geschäftslage weiterhin als solide eingeschätzt wird, drücken deutlich zurückhaltendere Erwartungen für 2026 auf die Gesamtstimmung.
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Der Geschäftsklimaindex für die Branche insgesamt sinkt im Schlussquartal 2025 um 9,8 Punkte auf 12,1 Zähler und liegt damit knapp unter seinem langfristigen Mittelwert. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage bleibt mit 28,0 Punkten klar positiv, verliert jedoch gegenüber dem Vorquartal deutlich an Dynamik (-10,8 Punkte). Besonders ins Gewicht fällt der Rückgang der Geschäftserwartungen: Sie geben um 8,9 Punkte nach und rutschen mit -2,7 Punkten leicht ins Minus.
„Die Versicherer stehen wirtschaftlich auf einem guten Fundament, aber wir sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Wenn weniger gebaut wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann gibt es weniger zu versichern. Für 2026 rechnen viele Unternehmen daher mit anspruchsvolleren Marktbedingungen.“
In der Lebensversicherung trübt sich das Geschäftsklima leicht ein. Der Index sinkt um 5,6 Punkte auf 16,6. Die aktuelle Geschäftslage wird mit 22,6 Punkten weiterhin positiv bewertet, fällt jedoch gegenüber dem Vorquartal spürbar schwächer aus (-16,6 Punkte). Die Erwartungen verbessern sich leicht auf 10,9 Punkte, bleiben insgesamt jedoch verhalten.
Während die Unternehmen bei Policen gegen laufende Beiträge wegen höherer langfristiger Zinsen mit Wachstum rechnen, sind die Erwartungen im Einmalbeitragsgeschäft für das laufende Jahr etwas verhaltener.
Deutlich stärker fällt der Stimmungsrückgang in der Schaden- und Unfallversicherung aus. Hier sinkt das Geschäftsklima um 18,8 Punkte auf 8,8. Haupttreiber sind die massiv eingetrübten Erwartungen, die mit -20,8 Punkten (minus 32,2 Punkte gegenüber dem Vorquartal) klar im negativen Bereich liegen. Die aktuelle Geschäftslage bleibt hingegen mit 43,3 Punkten auf sehr hohem Niveau und geht nur leicht zurück. Hintergrund ist die hohe Profitabilität im Jahr 2025, begünstigt durch ein schadenarmes Naturkatastrophenjahr. Dadurch konnten Kapazitäten im Neugeschäft ausgeweitet werden.
„Die aktuelle Geschäftslage in der Schaden- und Unfallversicherung wird weiterhin als sehr gut eingeschätzt. Dazu hat auch beigetragen, dass es weniger Naturkatastrophenschäden gab als ursprünglich erwartet“, sagt Asmussen. Gleichzeitig sei den Unternehmen bewusst, „dass sich das Schadenaufkommen wieder normalisieren und damit ansteigen wird. Entsprechend sind die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich zurückgegangen.“
