Lediglich 29 Prozent der Deutschen haben den Eindruck, dass die gesetzliche Rente die Interessen jüngerer und älterer Generationen gleichermaßen berücksichtigt. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

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Die Erwartungen an die neu eingesetzte Rentenkommission sind allerdings gedämpft. Sie soll bis Juni 2026 Vorschläge für eine langfristig tragfähige und generationengerechte Alterssicherung vorlegen. Doch 68 Prozent der Befragten sind gar nicht oder nur wenig zuversichtlich, dass daraus Reformvorschläge hervorgehen, die das Rentensystem langfristig stabilisieren.

„Diese Skepsis zeigt, wie wichtig es ist, Vertrauen zu schaffen und Reformen zu erklären“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. „Es geht nicht um ein Gegeneinander von gesetzlicher Rente und kapitalgedeckter privater Vorsorge, sondern um ihr vernünftiges Zusammenspiel, wir brauchen alle drei Säulen der Altersvorsorge.“

Gefragt nach Ansatzpunkten für mehr Generationengerechtigkeit sprechen sich 62 Prozent der Befragten für eine Ausweitung des Kreises der Beitragszahler aus. Damit rückt die Finanzierungsbasis des Umlagesystems in den Fokus.

„Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten. Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben“, mahnt Asmussen. Strukturell zukunftsfähig sei vielmehr ein System, das stärker auf Kapitaldeckung setze. Mit rund 14 Prozent liege Deutschland im OECD-Vergleich hier deutlich unter dem Durchschnitt.

Interessant ist auch der Blick auf die private Altersvorsorge. Nicht hohe Renditen stehen im Vordergrund, sondern Sicherheit. 31 Prozent der erwerbstätigen Befragten nennen einen besseren Schutz ihrer Ersparnisse als wichtigsten Anreiz für zusätzliche Vorsorge. Bei Frauen sind es sogar 34 Prozent, bei Männern 28 Prozent. Höhere Gewinne (27 Prozent) und stärkere staatliche Förderung (24 Prozent) folgen mit Abstand.

„Die Ergebnisse zeigen, dass für viele Menschen vor allem der Schutz des angesparten Kapitals ausschlaggebend ist. Altersvorsorge muss verlässlich sein, langfristig tragen und darf nicht zu früh enden. Schon heute sind 3 Millionen Menschen in Deutschland älter als 85 Jahre“, betont Asmussen.

Auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) rückt stärker in den Fokus. Die jüngste Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes erlaubt es Unternehmen ohne Tarifbindung, Beschäftigte automatisch in eine Betriebsrente einzubeziehen. Diese haben eine Opt-out-Möglichkeit zum Ausstieg. Die Akzeptanz ist hoch: 52 Prozent der berufstätigen Befragten würden ein solches Angebot annehmen, 27 Prozent sind unentschlossen, nur 12 Prozent würden aktiv widersprechen.

„Die betriebliche Altersversorgung hat aus unserer Sicht noch längst nicht ihr Potenzial ausgeschöpft. Sie muss breiter aufgestellt werden und insbesondere Beschäftigte in kleineren und mittleren Unternehmen und im Dienstleistungssektor erreichen“, sagt Asmussen. Ein Opt-out-Modell könne hier entscheidende Impulse setzen.