Hintergrund: Die Lebensversicherung befindet sich in einem strukturell anspruchsvollen Umfeld. Über Jahre hinweg konnten die zugesagten Garantiezinsen aus Altverträgen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld kaum noch am Kapitalmarkt erwirtschaftet werden. Um diese Verpflichtungen dennoch abzusichern, mussten die Unternehmen hohe Summen in die Zinszusatzreserve einstellen. Bis 2021 wuchs sie auf 96 Milliarden Euro an – das entsprach dem Fünffachen des bilanziellen Eigenkapitals der Branche .

Anzeige

Erst mit dem abrupten Zinsanstieg der Jahre 2022 und 2023 kehrte sich dieser Mechanismus um. Zwar haben sich die Kapitalmärkte inzwischen teilweise stabilisiert, doch die bilanziellen Nachwirkungen bleiben sichtbar. Aus stillen Reserven wurden zeitweise erhebliche stille Lasten, und noch immer stehen beträchtliche Bewertungsbelastungen in den Büchern. Hinzu kommen steigende regulatorische Anforderungen sowie langfristige Garantieverpflichtungen aus früheren Hochzinsphasen.

In diesem Umfeld wird die wirtschaftliche Substanz zu einem entscheidenden Stabilitätsfaktor. Sie bestimmt, wie gut ein Unternehmen Marktbelastungen abfedern, langfristige Garantien erfüllen und zugleich finanzielle Spielräume für Neugeschäft und Überschussbeteiligungen sichern kann. Seit Jahren liefert der traditionsreiche MAP-Report hierfür eine fundierte Datengrundlage. Das Bilanzrating von Franke und Bornberg analysiert systematisch die Jahresabschlüsse deutscher Lebensversicherer und verdichtet zentrale Kennzahlen zu einem umfassenden Gesamturteil über Kapitalstärke, Ertragskraft, Kostenstruktur und Bestandsqualität. Die aktuelle Ausgabe des Bilanzratings Lebensversicherung wertet die Geschäftsjahre 2020 bis 2024 aus und ordnet die Unternehmen anhand eines breit angelegten, gewichteten Kennzahlensystems ein. Versicherungsbote zeigt, welche Unternehmen am besten abschnitten – und ordnet die Ergebnisse ein.

Was wurde gemacht?

Für das Bilanzrating hat Franke und Bornberg die Jahresabschlüsse von 75 Lebensversicherern mit aktivem Neugeschäft und einem Bestand von mehr als 15.000 Rentenpolicen ausgewertet. Run-off-Gesellschaften fließen lediglich in die Grenzwertbestimmung ein, erhalten jedoch keine eigene Bewertung. Die Analyse umfasst die Geschäftsjahre 2020 bis 2024. Durch diese Fünfjahresbetrachtung werden kurzfristige Sondereffekte geglättet und strukturelle Stärken oder Schwächen sichtbar gemacht. Gerade in der Lebensversicherung, deren Verpflichtungen über Jahrzehnte laufen, ist eine solche Langfristperspektive entscheidend. Insgesamt flossen 13 Kennzahlen in die Bewertung ein. Jede Kennzahl wurde gewichtet, sodass sich eine maximale Gesamtpunktzahl von 400 Punkten ergibt.

Kapitalstärke und Risikotragfähigkeit

  • Solvabilität (20 Prozent) – misst, ob ein Unternehmen selbst unter extremen Stressbedingungen – etwa einem 200-Jahres-Szenario gemäß Solvency II – alle Verpflichtungen erfüllen könnte.
  • Gesamtreserve (10 Prozent) – umfasst Bewertungsreserven, freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung sowie den Schlussüberschussanteilfonds.
  • Sicherheitsmittelquote (10 Prozent) – zeigt, in welchem Umfang Eigenmittel und stille Reserven die versicherungstechnischen Verpflichtungen decken.

Ertragskraft und Zinsanforderungen

  • Ertragsquote (10 Prozent) – Anteil der verdienten Erträge nach Abzug aller Aufwendungen.
  • Rechnungszinsbelastung (5 Prozent) – misst den Druck aus Altgarantien mit hohen Zinsversprechen.
  • Rechnungsanforderung (5 Prozent) – prüft, ob die Kapitalerträge zur Bedienung der Garantiezinsen ausreichen.
  • Nettoverzinsung (10 Prozent) – tatsächliche Rendite der Kapitalanlagen nach Kosten und Abschreibungen.

Effizienz und Bestandsqualität

  • Verwaltungskostenquote (7,5 Prozent) – Effizienz der internen Strukturen.
  • Abschlusskostenquote (7,5 Prozent) – Kosten des Neugeschäfts im Verhältnis zu laufenden Beiträgen.
  • Zuführungsquote zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (5 Prozent) – Beteiligung der Versicherten an Überschüssen.
  • Stornoquote (5 Prozent) – Stabilität des Vertragsbestandes.

Wachstumsdimension

  • Wachstum der verdienten Bruttobeiträge (2,5 Prozent) – Entwicklung des Beitragsvolumens.
  • Wachstum des Annual Premium Equivalent (2,5 Prozent) – misst die Entwicklung des Neugeschäfts, indem Einmalbeiträge rechnerisch in laufende Beiträge umgewandelt werden. Dadurch werden unterschiedliche Beitragsarten vergleichbar gemacht und die tatsächliche Vertriebsleistung im Neugeschäft abgebildet.

Wie wurde benotet?

Aus den gewichteten Kennzahlen ergibt sich eine maximale Gesamtpunktzahl von 400 Punkten. Auf dieser Basis wird die Ratingnote in fünf Stufen vergeben:

  • „mmm+“ – hervorragend: ab 85,00 Prozent (mindestens 340 Punkte)
  • „mmm“ – sehr gut: ab 75,00 bis unter 85,00 Prozent
  • „mm“ – gut: ab 65,00 bis unter 75,00 Prozent
  • „m“ – befriedigend: ab 55,00 bis unter 65,00 Prozent
  • „m–“ – ausreichend: unter 55,00 Prozent

Bewertet werden ausschließlich Unternehmen mit aktivem Neugeschäft. Die niedrigste Note „m–“ steht dabei noch für eine ausreichende Bilanzqualität; Bewertungen unterhalb dieser Kategorie werden im MAP-Report nicht vergeben.

Versicherungsbote stellt Lebensversicherer mit den besten Bilanzen in einer Bildstrecke vor

Versicherungsbote stellt in einer neuen Bildstrecke jene Lebensversicherer vor, die im aktuellen Bilanzrating die höchsten Bewertungen erzielt haben. Grundlage ist die erreichte Gesamtpunktzahl im gewichteten Kennzahlensystem.

Bei Einordnung der Ergebnisse aber ist einiges zu beachten. Ein Spitzenplatz im Bilanzrating ist zwar Ausdruck hoher bilanzieller Stabilität – insbesondere in Bezug auf Kapitalstärke, Reserven, Ertragskraft und Kosteneffizienz. Die Ergebnisse spiegeln jedoch stets auch strukturelle Besonderheiten wider. So beeinflussen unter anderem der Bestandsmix, die Höhe historischer Garantiezinsen, der Anteil von Risikolebensversicherungen, Skaleneffekte in Verwaltung und Vertrieb sowie konzerninterne Aufteilungen von Alt- und Neugeschäft die Kennzahlen teils erheblich. Ein Unternehmen mit vergleichsweise jungen Beständen oder geringer Rechnungszinsbelastung startet unter anderen Voraussetzungen als ein Anbieter mit hohem Anteil älterer Garantieverträge.

Anzeige

Die folgenden Porträts zeigen daher nicht nur die erreichten Punktzahlen, sondern ordnen ein, welche strukturellen Faktoren zur jeweiligen Bewertung beigetragen haben. Hierfür wurde – ergänzend zum MAP-Report – auch der aktuelle Branchenmonitor Lebensversicherung der V.E.R.S. Leipzig GmbH hinzugezogen. Während das Bilanzrating die finanzielle Stabilität anhand gewichteter Kennzahlen misst, erlaubt der Branchenmonitor eine vertiefte Analyse der Bestands- und Portfoliostruktur. Beide Studien machen wieder eine Vielzahl an Kennzahlen zugänglich – der MAP-Report 941 ("Bilanzrating deutscher Lebensversicherer") kann über die Webseite von Franke und Bornberg bezogen werden; der Branchenmonitor über die Webseite der V.E.R.S. Leipzig GmbH.