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Es gibt einen Satz, der in Vorstandsetagen erstaunlich oft fällt:
„LinkedIn machen wir natürlich auch.“

Natürlich.

Wie eine Pflichtübung.
Wie eine Pressemitteilung in modern.

2026 ist LinkedIn jedoch kein Add-on mehr. Keine HR-Spielwiese. Kein PR-Verlängerungskanal. LinkedIn ist ein eigenständiger Business-Medienraum geworden – mit eigener Logik, eigener Dramaturgie und klarer Erwartung an Relevanz. Mit ganz eigenen Regeln.

Und diese Relevanz entsteht nicht über Logos.

Sie entsteht über Personen.

Für Versicherer bedeutet das: Vorstände werden zu Medienmarken. Nicht aus Eitelkeit. Sondern weil sich Sichtbarkeit, Vertrauen und Geschäftserfolg zunehmend an persönliche Präsenz knüpfen.

Vom Unternehmenskanal zur Führungsfigur

Corporate Accounts verlieren strukturell an Wirkung. Sie sprechen formal, abgestimmt, vorsichtig. Sie senden. Sie diskutieren selten.

LinkedIn hingegen belohnt Interaktion. Debatte. Positionierung. Wiedererkennbarkeit.

LinkedIn will von Corporate Kanälen vor allem eines: Werbegelder. Von persönlichen Accounts (noch) nicht).

Dazu kommt:

Menschen folgen Menschen.
Entscheider diskutieren mit Entscheidern.
Vertrauen entsteht durch Kontinuität.

Wer als Vorstand regelmäßig sichtbar ist, wird nicht nur wahrgenommen. Er wird verortet: fachlich, strategisch, menschlich. Er wird zur Referenz in bestimmten Themenfeldern.

In einer Branche, die vom Vertrauen lebt, ist das kein Nebeneffekt – es ist ein Wettbewerbsvorteil.

Zwei Extreme – zwei legitime Strategien

Es gibt nicht den einen richtigen Weg zur Vorstandssichtbarkeit. Entscheidend ist das Ziel des Kanals. Zwei konkrete Beispiele aus unserem Alltag als Marketing- und Social Media Agentur zeigen die Spannbreite.

Der Vertriebsvorstand: LinkedIn als Umsatzinstrument

In diesem Szenario ist LinkedIn kein Imageprojekt, sondern ein Vertriebshebel.

Ein Vertriebsvorstand verfolgt ein klares Ziel: Geschäft bewegen. Einkäufer erreichen. Großkunden überzeugen. Partnerschaften initiieren.

Die Strategie ist entsprechend offensiv.

  • Drei bis fünf Beiträge pro Woche.
  • Regelmäßige Videostatements.
  • Thought Leadership in Fachmedien.
  • Klare Positionierungen zu Marktentwicklungen, KI, Regulierung, Vertrieb.
  • Begleitung von Branchenevents.
  • Organisation eigener Events.
  • Einordnung von Studien.
  • Diskussion in den Kommentaren.

LinkedIn wird Teil einer orchestrierten Gesamtstrategie: PR, Eventkommunikation, Paid-Kampagnen und persönliche Präsenz greifen ineinander.

Was passiert dadurch?

Kontakte sehen regelmäßig klare fachliche Positionierungen, bevor sie in einen Termin gehen. Vertrauen entsteht vor dem ersten Gespräch. Themenführerschaft wird sichtbar.

Das Resultat sind nicht nur Likes, sondern:

  • Einladungen zu Ausschreibungen
  • verkürzte Vertriebszyklen
  • höhere Abschlusswahrscheinlichkeit
  • größere Sichtbarkeit im relevanten Marktsegment

Hier ist LinkedIn kein Marketingkanal.

Hier ist LinkedIn ein Umsatzbeschleuniger.

Der Aufwand ist entsprechend hoch. Ein bis zwei Content-Tage pro Monat sind realistisch. An diesen Tagen entstehen mehrere Videoformate, Fotomotive, Thesenposts. Ein Redaktionsteam plant, strukturiert, analysiert Performance. Der Vorstand investiert bewusst Zeit – nicht operativ, sondern strategisch. Ein mehrköpfiges Team von Projektleiter über Designer, KI-Texter, Koordinatoren, Videographen, Produzenten, Licht- und Ton-Spezialisten und kreativen Vordenkern und Fachexperten betreut den Kanal. Wobei es hier eher eine ganze Abteilung Vertriebsunterstützung ist, statt „nur eines LinkedIn-Kanals“.

Der Sparkassen-Vorstand: LinkedIn als Reputationsinstrument

Ganz anders das zweite Modell.

Ein Sparkassen-Vorstand, dessen Kanal wir betreiben, verfolgt nicht primär B2B-Umsatz über LinkedIn. Ziel ist es, das Haus hochwertig nach außen zu vertreten, regionale Verwurzelung und Verantwortung zu zeigen, Transformation glaubwürdig einzuordnen und gelegentlich intern Orientierung zu geben.

Die Frequenz ist geringer: etwa zwei Beiträge pro Monat.

Doch jeder Beitrag ist sorgfältig konzipiert. Hochwertige Videosequenzen. Klare Dramaturgie. Strukturierte Argumentation. Moderne Formate ohne zu jung zu wirken.

Themen wie Digitalisierung, regionale Wirtschaft, Nachhaltigkeit oder gesellschaftliche Verantwortung werden persönlich eingeordnet.

Hier geht es nicht um dauerhafte Präsenz.

Hier geht es um Souveränität.

Der Produktionsaufwand ist konzentriert: eine Content-Session pro Quartal, zwei bis zweieinhalb Stunden. In dieser Zeit entstehen mehrere Videos und Fotomotive, die redaktionell aufbereitet und geplant veröffentlicht werden. Allerdings sind diese Content-Sessions von einem ganzen internen und externen Team generalstabsmäßig vorbereitet. Jede Sekunde ist durchgeplant.

Die Wirkung ist subtiler, aber stark:

  • Wahrnehmung als moderner Entscheider eines modernen Unternehmens
  • Stärkung der Arbeitgebermarke
  • positive Resonanz aus Region und Belegschaft
  • sichtbare Führung in Transformationszeiten

LinkedIn wird hier nicht zum Umsatztreiber, sondern zum Instrument strategischer Führung.

Die falsche Diskussion: Quantität oder Qualität?

Die häufigste Frage lautet: „Was ist besser?“

Die ehrliche Antwort: Beides – wenn das Ziel klar ist.

Wer Umsatz bewegen will, braucht Frequenz, kanalübergreifende Kampagnen, Dialog und Dauerpräsenz auf allen Kanälen.

Wer Repräsentation stärken will, braucht Inszenierung und Tiefe.

Was nicht funktioniert, ist Zufallskommunikation. „Wir posten mal, wenn Zeit ist“ ist keine Strategie.

LinkedIn 2026 verlangt System. Und Qualität.

Warum das kein Praktikantenprojekt ist

Spätestens hier kommt oft die nächste Frage:

„Kann das nicht die Marketingabteilung mitmachen?“
„Reicht nicht ein Smartphone und etwas KI?“

Technisch betrachtet: Ja, vieles ist einfacher geworden.

Strategisch betrachtet: Nein.

Vorstandskommunikation ist Markenführung im öffentlichen Raum. Und Markenführung entscheidet sich in Details.

Schlechter Ton wirkt unprofessionell.
Unruhiges Bild erzeugt Unsicherheit.
Fehlende Dramaturgie signalisiert fehlende Klarheit.

Gerade in der Versicherungsbranche, in der Stabilität und Kompetenz Kernwerte sind, senden visuelle und sprachliche Nuancen starke Signale.

Wer Vorstandssichtbarkeit ernsthaft betreibt, braucht professionelle Strukturen.

Typischerweise gehören dazu:

  • Projektleitung mit strategischer Steuerung und KPI-Tracking
  • KI-gestützter Texter bzw. Content-Stratege für Struktur, Dramaturgie und LLM-Optimierung
  • Designer für visuelle Konsistenz
  • Videograph für professionelle Bildführung und hochwertige Produktion
  • Licht- und Ton-Spezialisten
  • Postproduktion für Schnitt, Untertitel und Performance-Anpassung
  • Projektkoordinatoren und Projektmitarbeiter für Drehgenehmigungen, Eventorganisation, Abstimmungsschleifen und die hunderte von „kleinen“ Aufgaben

Je nach Intensität der Strategie sprechen wir von drei bis zehn Mitarbeiterkapazitäten – alleine auf unserer Seite.

Das klingt zunächst groß. Im Verhältnis zur Wirkung ist es häufig klein.

Ein einziger strategisch angebahnter Großkundenabschluss kann die Investition mehrfach amortisieren. Eine gestärkte Arbeitgebermarke reduziert Recruitingkosten nachhaltig. Eine sichtbare Führungspersönlichkeit in der Region und intern ersetzt ganze Image-Kampagnen.

Wer LinkedIn als ernsthaften Business-Kanal versteht, investiert nicht in Content.

Er investiert in Reichweite, Vertrieb und Positionierung.

Fazit: Sichtbar führen oder verwalten

Versicherer stehen 2026 unter enormem Transformationsdruck. Digitalisierung, KI, Vertrauensfragen, Schadeninflation, Fachkräftemangel – all das verlangt Führung.

Führung findet nicht mehr nur im Sitzungssaal statt.

Sie findet im öffentlichen Diskurs statt.

Vorstände müssen keine Influencer werden. Sie müssen keine Trends jagen. Aber sie müssen sichtbar Verantwortung übernehmen. Und zwar so effizient wie möglich.

Ob als reichweitenstarke Vertriebspersönlichkeit mit hoher Frequenz oder als souveräne Repräsentationsfigur mit gezielter Präsenz – beides ist legitim.

Was nicht mehr funktioniert, ist Unsichtbarkeit.

Denn in einer Branche, die vom Vertrauen lebt, gewinnt derjenige, der sichtbar führt.