Die gesetzliche Rente bleibt das Fundament der Alterssicherung in Deutschland. Doch sie trägt für viele Haushalte längst nicht mehr den gesamten Lebensstandard. Das macht der Vorsorgekompass 2026 deutlich, den das Center für Intergenerative Finanzwissenschaft an der WHU im Auftrag von Union Investment erstellt hat. Die Analyse zeigt, wie Rentnerhaushalte ihre Ausgaben tatsächlich finanzieren und wo strukturelle Lücken entstehen.

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Im Durchschnitt können gesetzliche und weitere laufende Einkünfte nur rund 60 Prozent der monatlichen Ausgaben eines Rentnerhaushalts decken. „Für viele bedeutet das, dass sie auf private Vorsorge, betriebliche Altersversorgung oder Vermögensentnahmen angewiesen sind, um den gewohnten Lebensstandard zu halten“, betont Studienleiter Prof. Dr. Christian Hagist.

Monatliche Lücke trotz stabiler Einnahmen

Konkret geben Ruheständler in Deutschland durchschnittlich 3.148 Euro pro Monat aus. Dem stehen laufende Einnahmen von etwa 2.988 Euro gegenüber. Die Differenz von rund 160 Euro wird aktuell meist durch Vermögensentnahmen ausgeglichen. Für Haushalte ohne zusätzliche Vorsorge kann die monatliche Finanzierungslücke jedoch schnell mehr als 1.000 Euro betragen. Oft reicht die gesetzliche Rente dann gerade noch für die Wohnkosten.

Besonders hoch ist der Anteil der Wohnkosten: Fast die Hälfte der Ausgaben im Ruhestand entfällt auf Miete, Instandhaltung oder Nebenkosten. Weitere große Posten sind Lebensmittel, Mobilität und alltägliche Lebenshaltung.

Alter und Lebensstil entscheiden über den Finanzbedarf

  • Die Studie zeigt zudem, dass sich die finanzielle Situation im Ruhestand stark nach Altersgruppen unterscheidet.
  • 60- bis 69-Jährige geben im Schnitt rund 2.900 Euro aus, verfügen aber nur über etwa 2.600 Euro laufende Einnahmen.
  • 70- bis 79-Jährige kommen auf Ausgaben von rund 3.300 Euro bei Einnahmen von etwa 3.200 Euro.
  • Über 80-Jährige liegen bei Ausgaben von 3.200 Euro und Einnahmen von rund 3.100 Euro.

In den höheren Altersgruppen steigt der Anteil der gesetzlichen Rente an den Einnahmen deutlich, auch weil viele Haushalte über Wohneigentum verfügen. Gleichzeitig zeigen sich große Unterschiede je nach Lebensstil: Reisefreudige oder kulturell aktive Senioren geben monatlich bis zu 1.500 Euro mehr aus als eher häuslich orientierte Ruheständler .

Zusätzliche Vorsorge wird zur Pflicht

Der Vorsorgekompass 2026 macht deutlich: Zusätzliche Altersvorsorge ist kein Komfortthema, sondern Voraussetzung für finanzielle Stabilität im Alter. Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, muss häufig Abstriche beim Lebensstandard hinnehmen. „Es reicht nicht, allein auf die gesetzliche Rente zu setzen. Sie ist nur eine Teilkasko-Lösung und kann auch nur das sein. Wer im Alter sorgenfrei leben möchte, muss privat vorsorgen“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. „Die Alterssicherung funktioniert heute nur als Zusammenspiel mehrerer Säulen. Wer nicht frühzeitig vorsorgt, lebt morgen mit weniger – oder nicht mehr so, wie er sich das möglicherweise mal vorgestellt hat.“