Hören Sie das gesamte Gespräch hier direkt auf Spotify & Apple-Podcasts

Anzeige

Beratung bleibt – aber mit neuem Anspruch

Trotz aller Digitalisierung sieht Stein die persönliche Beratung auch in Zukunft im Zentrum. „Ich glaube, der Versicherungsvertrieb wird vom Grunde her die wichtige Rolle des persönlichen Ansprechpartners behalten.“ Allerdings verändert sich das Selbstverständnis. Statt reiner Produktvermittlung beschreibt Stein eine neue Rolle: „Vielleicht so einen Financial Assistant, der vom Grunde her wirklich auch noch stärker und auch in einer globaleren Sichtweise die Menschen an die Hand nimmt.“

Der Grund liegt im steigenden Informationsüberfluss. „Der Bedarf an Orientierung wird stark zunehmen“, betont Stein. Genau hier entscheidet sich künftig der Mehrwert persönlicher Beratung.

Hybrid ist kein Trend, sondern Pflicht

Ein Entweder-oder zwischen digital und persönlich hält Stein für überholt. Seine Position ist klar: „Ich habe schon vor wenigen Jahren darauf hingewiesen, dass ich ein großer Verfechter von hybriden Vertriebsstrategien bin.“ Kunden informieren sich digital, erwarten aber gleichzeitig individuelle Einordnung und persönliche Begleitung. Wer nur einen Kanal bedient, wird den Erwartungen nicht gerecht.

Demografie lässt keinen Spielraum, Altersvorsorge rückt ins Zentrum

Besonders deutlich wird Stein beim Thema Altersvorsorge. Die demografische Entwicklung lässt keinen Spielraum für Beschönigung: „Im Jahr 2036 werden rund 30 Prozent der Erwerbstätigen im Ruhestand sein.“ Für Versicherer bedeutet das: Vorsorge wird vom erklärungsbedürftigen Zusatzprodukt zur gesellschaftlichen Schlüsselfrage.

Gleichzeitig benennt Stein die Hürde offen: „Kein Mensch wird morgens wach, guckt an die Decke und sagt, ach, heute gönne ich mir mal eine Altersvorsorge.“ Aktivierung, Einordnung und langfristige Begleitung werden damit zur eigentlichen Leistung – nicht das Produkt an sich.

Work-Life-Balance: Ganzheitlich denken

Eng damit verknüpft ist Steins Blick auf Work-Life-Balance. Er warnt vor einer verkürzten Debatte und fordert eine umfassendere Perspektive: „Also wenn wir über das Thema Work-Life-Balance diskutieren wollen, das tue ich sehr gerne, dann muss man auch hier eine ganzheitliche Betrachtung mit ins Feld führen.“

Dabei stellt er eine unbequeme Frage in den Raum: „Ich frage mich dann schon manchmal, ist in der aktiven Zeit, in der ich Arbeit leisten kann, auch physisch und psychisch ganz gut leisten kann, Work-Life-Balance genauso wichtig wie Work-Life-Balance im Alter?“ Für Stein gehört zur Balance eben auch die Frage der Wertschöpfung: „Nur irgendwo müssen unsere Wertschöpfungsketten auch funktionieren und irgendwo muss auch Einkommen erwirtschaftet werden, davon bin ich tief überzeugt.“

Fazit: Weniger Schlagworte, mehr Zusammenhang

Der Podcast zeigt: Die Versicherungsbranche der kommenden Jahre wird nicht an Technik scheitern, sondern an der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erklären. Orientierung, Altersvorsorge und veränderte Erwerbsbiografien lassen sich nicht getrennt betrachten. Genau darin liegt die neue Verantwortung von Beratung und ihre Chance.