Kurz vor Weihnachten 2025 hatte die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) angekündigt, sich in Richtung Digitalisierung und Innovation nun auch Künstlicher Intelligenz öffnen zu wollen. Dabei setzt das Unternehmen aus Frankfurt auf die Hilfe von OpenAI, dem Entwickler der KI-Plattform ChatGPT. Ziel sei es, die KI-Modelle von OpenAI sowohl für interne Abläufe als auch in Beratungswerkzeugen einzusetzen. ChatGPT soll künftig Vermittler entlasten, Effizienz steigern und die Kundenbetreuung modernisieren.

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Nun folgt mit der Allianz der größte deutsche Versicherer in Richtung KI-Zeitalter. Einhergehend damit hat der Versicherungskonzern eine globale Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic festgezurrt. Diese zielt darauf ab, den Einsatz von KI konzernweit zu skalieren und dabei Vertrauen, Nachvollziehbarkeit und menschliche Verantwortung ausdrücklich mitzudenken.

„Mit dieser Partnerschaft unternimmt die Allianz einen entscheidenden Schritt, um zentrale KI-Herausforderungen in der Versicherungswirtschaft anzugehen. Der Fokus von Anthropic auf Sicherheit und Transparenz ergänzt unser starkes Engagement für Kundenzufriedenheit und das Vertrauen unserer Stakeholder. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die das in den Mittelpunkt stellen, was für unsere Kunden am wichtigsten ist, und setzen gleichzeitig neue Standards für Innovation und Resilienz“, sagte Oliver Bäte, CEO der Allianz SE.

„Die Versicherungsbranche stellt besonders hohe Anforderungen an den Einsatz von KI, denn Entscheidungen können Millionen von Menschen betreffen. Die Allianz und Anthropic nehmen dies sehr ernst und wir freuen uns darauf, gemeinsam daran zu arbeiten, Versicherungen besser zu machen, denn die Menschen verlassen sich darauf.“, sagte Dario Amodei, CEO und Mitbegründer von Anthropic.

Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen drei strategische Felder. Erstens will die Allianz ihre Mitarbeiter mit KI befähigen. Die „Claude“-Modelle von Anthropic sollen in die interne KI-Plattform integriert und konzernweit zur Verfügung stehen. Besonders in der Softwareentwicklung soll dies bestehende Arbeitsweisen verändern. Entwickler sollen die KI-gestützten Werkzeuge nutzen, um Code schneller, konsistenter und sicherer zu erstellen. Gleichzeitig sollen neue Schnittstellen helfen, Daten aus unterschiedlichen Systemen kontrolliert miteinander zu verbinden.

Ein wichtiger Part ist zudem die Automatisierung durch agentenbasierte KI. Intelligente KI-Agenten sollen komplexe, mehrstufige Prozesse eigenständig orchestrieren. Dies könne etwa von der Dokumentenerfassung bis zur Schadenbearbeitung in der Kfz- oder Krankenversicherung reichen. Ziel sei es beispielsweise, manuelle Schritte zu reduzieren, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und schneller Leistungen auszuzahlen. Dabei hält die Allianz am Prinzip „Human in the Loop“ fest. In sensiblen oder besonders komplexen Fällen bleibe die finale Entscheidung bewusst beim Menschen.

Der dritte Schwerpunkt betrifft Transparenz und Compliance. So sollen KI-Systeme entwickelt werden., die Entscheidungen, Begründungen und verwendete Datenquellen vollständig dokumentieren. Damit sollen regulatorische Anforderungen erfüllt und KI-gestützte Prozesse jederzeit nachvollziehbar bleiben.

Flankiert werde die Partnerschaft durch eine seit Jahren aufgebaute, konzernweite Qualifizierungsstrategie. Die Allianz investiert systematisch in die KI- und Datenkompetenz ihrer Belegschaft. Diese reichten vón Grundlagenprogrammen für alle Mitarbeiter bis hin zu spezialisierten Zertifizierungen für Data Scientists, KI-Ingenieure und Führungskräfte. Allein im Jahr 2024 hätten mehr als 12.000 Mitarbeiter am AI Run, einem Wissensaustausch mit KI-Experten, teilgenommen, heißt es auf der Allianz-Homepage. "Diese Zahlen verdeutlichen die starke und anhaltende Nachfrage nach Daten- und KI- Kursen und zeigen, dass die Mitarbeiter bereit sind, ihr Fachwissen zu erweitern und KI in ihren Jobs effektiv zu nutzen", sagt Isabelle Kokoschka, Global Head of Learning and Skill Management bei der Allianz.

"Für die Allianz geht es bei der Weiterbildung in Sachen KI und Datenkompetenz nicht nur um die Schulung von Mitarbeitern, sondern darum, alle zu befähigen – sowohl Führungskräfte als auch alle Mitarbeiter – um eine Kultur zu schaffen, in der Innovation, technische Exzellenz und Effizienz auf verantwortungsvolle Weise wachsen und gefördert werden", betont Bettina Dietsche, Chief People and Culture Officer der Allianz Gruppe.

Der Versicherer möchte die Initiativen zur KI- und Datenqualifizierung in Zukunft weiter ausbauen. Dabei stünden neben Digitalkompetenz und KI insbesondere menschliche Fähigkeiten im Mittelpunkt. Schließlich müsse die Nutzung von KI „mit einer verantwortungsvollen Entscheidungsfindung einhergehen", erklärt Kokoschka. "In der nächsten Phase der KI-Weiterbildung geht es darum, den Business Impact zu vergrößern. Es geht nicht mehr nur darum, KI zu verstehen, sondern darum, sie in realen Szenarien effektiv anzuwenden", fügt Dietsche hinzu.