Keine Buzzwords, keine Tech-Euphorie oder KI-Dystrophie, sondern unaufgeregt und pragmatisch stellt Grabmeier direkt zu Beginn klar, warum viele Zukunftsdebatten der Branche ins Leere laufen: „Die Versicherungsindustrie ist nicht dafür bekannt, dass sie vor Innovationen strotzt – und genau deshalb dauert hier alles länger.“ Trotzdem sieht er große Veränderungen in der unmittelbaren Zukunft, denn es wird immer mehr Markt für immer weniger Vermittler, weniger Pools und weniger Versicherer geben. Was diejenigen, die weiterhin bestehen eint (es ist nicht nur Digitalisierung und KI) und was sich sonst noch alles ändern wird besprechen wir ausführlich im Podcast.

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Was aber nicht bedeutet, dass

Die Branche wird in 2030 Tagen nicht grundlegend neu aussehen, denn dieser Zeithorizont ist für Versicherungen mit jahrzehntealten IT-Systemen keine Ewigkeit, sondern ein Wimpernschlag. Viele Ideen für die Evolution der Branche nicht neu und die Technologien schon längst verfügbar und etabliert. Was lange fehlte war der Druck, sie konsequent umzusetzen. Dieser ist nun da und 2030 Tage reichen zwar nicht, um Strukturen grundlegend neu zu bauen – aber sie reichen aus, um zu erkennen, wer beweglich ist und wer nicht.

Es gibt weniger Plattformen und Pools, aber die Plattform alleine verkauft nicht

Grabmeier erwartet eine harte Konsolidierung. Abwicklung, Regulatorik und IT lassen sich nicht beliebig oft parallel betreiben. In fünf bis sechs Jahren werden nur noch drei bis vier große Plattformen den Markt dominieren. Kleinere Pools und Insellösungen geraten zunehmend unter Druck – nicht aus Mangel an Ideen, sondern wegen steigender regulatorischer und technischer Anforderungen.

Künstliche Intelligenz wird die Branche spürbar verändern: Schadenmeldungen, Datenabfragen, Tarifanalysen oder einfache Kundenanfragen laufen künftig automatisiert. Doch wer glaubt, KI ersetze den Vertrieb, irrt. Versicherungen verkaufen sich nicht von selbst. „Die Plattform allein verkauft nicht. Nur weil ich eine Online-Strecke habe, heißt das noch lange nicht, dass sie auch verkauft.“, stellt Grabmeier klar. Vertrauen, Einordnung und Abschluss bleiben menschlich – nur effizienter unterstützt.

Der Makler stirbt nicht, er wird digital & Versicherer kehren zu ihrer Kernaufgabe zurück

Besonders deutlich wird Grabmeier beim Thema Vermittler: Das große Maklersterben kommt nicht durch KI oder Internet, sondern durch Demografie. Ein erheblicher Teil der heutigen Vermittler geht in den nächsten Jahren in Ruhestand. Der Markt bleibt – die Berater werden weniger. Für die Verbleibenden entsteht enormes Potenzial, wenn sie digital arbeiten. Ohne Automatisierung ist das wachsende Kundenvolumen schlicht nicht mehr beherrschbar.

Auch die Rolle der Versicherer verschiebt sich laut seiner Prognose. Viele Prozesse, von der Abwicklung bis zur Schadenbearbeitung, wandern zu spezialisierten Dienstleistern und Plattformen. Der Versicherer konzentriert sich zunehmend auf das, was ihn ausmacht: Risikoträger und Regulatorik. Ein Modell, das effizienter ist und den Kunden schneller erreicht.

Fazit: In 2030 Tagen sehen wir keinen Bruch mit heute, aber eine Abrechnung

Die Branche wird in 2030 Tagen noch erkennbar sein. Aber sie wird klar zeigen, wer gezielt agiert hat und wer kopflos war oder stehen geblieben ist. Digitalisierung ist kein Zukunftsprojekt mehr, sondern Tagesgeschäft. Versicherer, Vermittler und Pools, die heute in die gezielte Digitalisierung ihrer Prozesse investieren, sichern sich für heute und morgen Marktanteile. Wer es nicht tut oder kopflos Buzzwords folgt, wird in nur 2030 Tagen das Nachsehen haben und mittelfristig aus dem Markt ausscheiden. Der Podcast liefert dazu nicht nur Prognosen, sondern einen Realitätscheck für Versicherer, Pools, Plattformen und Vermittler gleichermaßen.