Im Dezember 2025 hatte der Rückversicherer Munich Re mit Freude auf sein letztes Strategieprogramm zurückgeblickt. Dieses trug den Namen Ambition 2025 und wird voraussichtlich in allen Punkten übertroffen, sowohl finanziell als auch nichtfinanziell. Im Zuge dessen hat sich das Konzernergebnis in den vergangenen Jahren massiv verbessert. Stand im Jahr 2020 noch ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro, werde für 2025 ein Plus von sechs Milliarden Euro erwartet.

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Im gleichen Atemzug wurden mit der neuen Ambition 2030 deutlich höhere Ziele gesetzt. Die Devise lautet dabei: Outpeak, Outpace, Outperform. Kurz zusammengefasst will sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenz bei den Underwriting- und Investmententscheidungen konzentrieren. Denn dies seien die Grundlagen des Geschäftserfolgs. Parallel dazu soll die Organisation auf Effizienz, Schnelligkeit und Agilität getrimmt werden, um die führende Position und die Eigenkapitalrendite auszubauen.

Ein zentrales Element der Ambition 2030 ist die breite geschäftliche Aufstellung. Die vier großen Säulen Ergo, Rückversicherung Schaden/Unfall, Rückversicherung Leben/Gesundheit sowie Global Specialty Insurance sollen zunehmend gleichmäßiger zum Ergebnis beitragen. Bis 2030 soll der Anteil der weniger zyklischen Bereiche am Gesamtertrag von heute etwa 50 Prozent auf rund 60 Prozent steigen und damit die Schwankungen im Naturkatastrophengeschäft abfedern.

Die Munich Re plant, ihre Organisation deutlich zu verschlanken und jährlich wiederkehrende Einsparungen von rund 600 Millionen Euro zu realisieren. Davon sollen bereits 200 Millionen im laufenden Jahr eingespart werden. Besonders die Kapitalanlage soll von KI und optimierten Strukturen profitieren: Die Rendite soll bis 2030 auf 3,4 bis 3,8 Prozent steigen. Alternative Anlagen und eine engere Verzahnung von MEAG mit externen Asset-Managern sind hierfür zentrale Hebel.

Munich Re setzt auf Transformation statt Kündigungen

Für seinen ambitionierten Plan will der Rückversicherer den Standort Deutschland verschlanken. Demnach plant der Konzern im Rahmen seines Transformationsprogramms „Sustain“ umfangreiche Stellenverlagerungen nach Polen und Indien. Offiziell spricht das Unternehmen nicht von einem klassischen Stellenabbau, dementiert eine Verlagerung von Aufgaben ins Ausland jedoch nicht. Darüber berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich dabei auf Informationen von Insidern.

Für den Umbau wurde eigens ein neues Vorstandsressort geschaffen. Der bisherige Personalchef Achim Kassow verantwortet nun als Chief Transformation Officer nicht nur Personalthemen, sondern auch die IT. Der Fokus der Maßnahmen liege auf Verwaltung und IT. Interne Systeme von Munich Re und der Tochter Ergo werden zusammengeführt, Teile des Betriebs sollen künftig von externen Dienstleistern in Indien übernommen werden. Gleichzeitig sollen Funktionen aus Bereichen wie Personal, Buchhaltung oder Marketing an den Standort Gdansk in Polen verlagert werden, wo bereits eine Servicegesellschaft des Konzerns angesiedelt ist.

Kein Stellenabbau – aber weniger Jobs in Deutschland

Die Konzernführung betont, dass kein formales Stellenabbauprogramm geplant sei. Vielmehr solle die Zahl der Arbeitsplätze insgesamt stabil bleiben. Der Abbau in Deutschland soll über natürliche Fluktuation und Abfindungsangebote erfolgen. Gleichzeitig sorgt der zunehmende Einsatz von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz für zusätzliche Rationalisierungseffekte.

Diese Strategie erklärt auch die bislang widersprüchlichen Aussagen des Managements. Während öffentlich ein Arbeitsplatzabbau verneint wurde, liefen parallel Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen. Damit deutet vieles darauf hin, dass Beschäftigung nicht abgebaut, sondern geografisch verlagert wird. Das dürfte wiederum deutliche Effekte auf die Lohnkosten haben.

Es ist nicht der erste herbe Einschnitt bei der Belegschaft. Denn bereits 2018 hatte der Rückversicherer wegen anhaltendem Preisdruck rund 900 Stellen abgebaut. Damals sollten rund 200 Millionen Euro gespart werden.