Wie ist die wirtschaftliche Situation der Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler? Darüber geben die beiden regelmäßig durchgeführten Studien BVK-Strukturanalyse und AfW-Vermittlerbarometer Aufschluss, auch wenn repräsentative Umfragen fehlen. Die aktuelle Ausgabe der BVK-Strukturanalyse wurde von Dezember 2022 bis März 2023 durchgeführt. 1.900 Fragebögen wurden am Ende ausgewertet. Über die Ergebnisse der bisher unveröffentlichten Studie informiert der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute in seiner Verbandszeitung „VersicherungsVermittlung Juli/August 2023“.

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Traditionell bildet die BVK-Strukturanalyse dabei eher die Situation der Ausschließlichkeitsvertreter ab, die sich überproportional an der Umfrage beteiligen. Die Teilnehmer setzten sich zu fast 90 Prozent aus Vertretern zusammen, zu 6,4 Prozent aus Maklern und zu 3,7 Prozent aus Mehrfachvertretern.

Steigende Bestände, steigende Kosten

Das Geschäftsjahr 2022 stand unter keinem guten Stern: Das schwierige Marktumfeld war geprägt von Rekordinflation, finanziellen Engpässen vieler Verbraucherinnen und Verbraucher sowie volatilen Märkten infolge des Krieges in der Ukraine. Marktbeobachter rechneten zwischenzeitlich sogar damit, dass Kundinnen und Kunden insbesondere Altersvorsorgeverträge kündigen könnten, um an frisches Geld zu kommen. Man durfte also gespannt sein, wie sich dies auf die Vermittlerbranche auswirkt.

Doch laut BVK-Strukturanalyse konnten sich die Vermittler in dieser schwierigen Situation gut behaupten. Zwei Drittel der teilnehmenden Vermittlerinnen bzw. Vermittler bzw. fast 75 Prozent gab in der Umfrage an, dass sie ihren Vertragsbestand 2022 im Vergleich zum Jahr 2021 ausbauen konnten. 46,8 Prozent gaben an, dass ihr Bestand um bis zu fünf Prozent gewachsen sei, 20,4 Prozent verzeichneten ein Wachstum von mehr als fünf bis zu zehn Prozent und 7,3 Prozent der Teilnehmenden hatten sogar mehr als 10 Prozent Bestandszuwachs. Lediglich 8,9 Prozent gaben an, dass ihr Vertragsbestand geschrumpft sei.

Ein deutlich durchwachseneres Bild zeigt sich bei den Einnahmen. Zwar konnten etwa die Hälfte aller Umfrageteilnehmer ihre Einnahmen steigern. Hingegen gibt auch fast jeder Vierte (23,5 Prozent) gefallene Einnahmen an. Bei weiteren 22,7 Prozent blieben diese stabil. Konkrete Details zur Höhe der Einnahmen machte der Verband noch nicht. Ein ähnliches Bild beim Gewinn: fast jeder dritte Befragte (28,8 Prozent) hat einen Rückgang hinnehmen müssen, hingegen konnten auch 38,8 Prozent eine Steigerung des Gewinns vermelden.

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Höhere Kosten in vielen Vermittlerbetrieben

Die Inflation aber wirkt sich auch auf die Kosten der Vermittlerbetriebe aus. 62,1 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Kosten 2022 gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien. Nur etwa ein Viertel konnten ihre Kosten stabil halten. Im Heftartikel wird dies unter anderem darauf zurückgeführt, dass nach dem vorangegangenen Jahr mit seinen Corona-Einschränkungen nun die Zahl der Besuche bei Kundinnen und Kunden wieder gestiegen ist. Weitere denkbare Gründe sind natürlich auch steigende Energiekosten, Kosten für Benzin und Diesel, höhere Preise für Handwerker und Investitionen etc.