Die Nachhaltigkeitsberichterstattung rückt zunehmend in den Fokus der Versicherungswirtschaft. Sie entstand als Weiterentwicklung von Umweltberichten, die in den 1990er Jahren von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen veröffentlicht wurden. Bislang interessieren sich vor allem Ratingagenturen für Nachhaltigkeitsberichte, während Kunden, Vermittler und die Öffentlichkeit nur geringes Interesse zeigen. Das zumindest ist das Ergebnis einer von Ernst & Young (EY) und der V.E.R.S. Leipzig GmbH, einem Business-to-Business-Dienst, durchgeführten Nachhaltigkeitsstudie.

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Für die Studie befragt wurden 22 Erstversicherungsgesellschaften, die aktuell auf dem deutschen Markt aktiv sind und die einen Marktanteil von 58 Prozent ausmachen. Beteiligt waren außerdem fünf große Makler und Versicherungsvermittler sowie drei Rückversicherer. Obwohl 88 Prozent der Erst- und Rückversicherer der Nachhaltigkeitsberichterstattung eine hohe Bedeutung beimessen, sind es vor allem Ratingagenturen, Aktionäre und die Aufsicht, die sich dafür interessieren. Sie sind jedoch für die eigentliche Umsetzung wenig relevant. Tatsächlich sind es Kunden und Vermittler, die in den Fokus der Nachhaltigkeitsberichterstattung rücken müssen. Sie sind die eigentlich relevanten Gruppen, mit denen Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können. Das zumindest ist die Meinung von Thomas Korte, dem Partner und Head of Insurance bei Ernst & Young. Er vertritt darüber hinaus die Auffassung, dass „neben einer erfolgreichen Nachhaltigkeitstransformation“ auch „eine konsistente Außen- und Innendarstellung“ notwendig ist, die durch die Unternehmenskommunikation geleistet werden muss und die an „alle Stakeholder adressiert“ ist.

Nachhaltigkeit ist Voraussetzung für wirtschaftlich erfolgreiches Handeln

Dass Nachhaltigkeit kein Trend ist, „sondern Voraussetzung für wirtschaftlich erfolgreiches Handeln“, ist eine Aussage, die auf Armin Henatsch zurückgeht, den Director Consulting und Sustainable Finance Lead Insurance. Anlass dieser Äußerung war und ist die Tatsache, dass viele Unternehmen zwar auf ihren Nachhaltigkeitsbericht sowie auf verschiedene Einzelmaßnahmen verweisen. Tatsächlich verfügen die wenigsten über eine dezidierte Kommunikationsstrategie, die notwendig ist, um die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Versicherungswirtschaft zu etablieren. Denn gerade in der Nachhaltigkeitskommunikation steckt enormes Potenzial für die Versicherungswirtschaft. Voraussetzung ist nach Armin Henatsch, dass die „Nachhaltigkeit in die Unternehmens-DNA“ integriert wird, um langfristig am Markt bestehen zu können. Insoweit reicht die wachsende Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung bei Aufsichten und Vorständen nicht aus.

Die wichtigsten Nachhaltigkeitsziele aus Sicht der Versicherer

Gegenstand der Studie waren unter anderem die wichtigsten Nachhaltigkeitsziele aus Sicht der Versicherer, wobei die Skala von Null bis Hundert reichte. Einen Indexwert von 89 und damit das wichtigste Branchenziel ist der Themenkomplex nachhaltiges Wirtschaftswachstum, eine nachhaltige widerstandsfähige Infrastruktur sowie nachhaltige Produktions- und Konsumweisen. Auf Platz zwei folgt mit einem Zustimmungswert von 87 der Themenkomplex Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel. Das drittwichtigste Nachhaltigkeitsziel ist mit einem Indexwert von 83 die nachhaltige Nutzung der Ozeane sowie der Schutz von Landökosystemen.

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Untersucht wurden auch die Motivationsfaktoren zu mehr Nachhaltigkeit. An erster Stelle liegt die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber mit einem Indexwert von 93, gefolgt von Umweltschutz und Klimawandel mit einem Indexwert von 89. Dicht dahinter kommt der Motivationsfaktor, Gutes für die Gesellschaft zu tun – mit einem Indexwert von 88 sowie die Erfüllung regulatorischer Anforderungen mit einem Zustimmungswert von 87.