Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, muss nicht mehr arbeiten. Trotzdem waren 2019 rund 1,29 Millionen Menschen in Deutschland, die das Rentenalter erreicht haben, erwerbstätig. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD hervorgeht, waren das rund 400.000 Menschen mehr als noch 2010. Verglichen mit 2005 sind es sogar 73 Prozent mehr Rentner, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen (Anstieg um 547.000 Rentner).

Anzeige

Der brandenburgische Arbeitsmarktpolitiker René Springer (AfD) wies darauf hin, dass dieser Anstieg bei zwei gesellschaftlichen Gruppen besonderes auffällig sei: bei Frauen und bei Rentnern aus den ostdeutschen Bundesländern. So sei die Anzahl der erwerbstätigen Frauen im Rentenalter in den letzten zehn Jahren um 42,4 Prozent (170.577 Personen) gestiegen. Der Anteil der Ostdeutschen, die im Rentenalter erwerbstätig sind, erhöhte sich um 61,5 Prozent (77.332 Personen), der Anteil der erwerbstätigen Westdeutschen um 42,3 Prozent (324.110).

Selbstständig im Rentenalter

Trotz Überschreiten der Regelaltersgrenze weiter beruflich tätig zu sein, trifft auch auf immer mehr Selbstständige zu. Waren im Jahr 2010 noch rund 269.000 Selbstständige im Rentenalter tätig, stieg deren Zahl bis 2019 um 183.000 bzw. 68 Prozent auf 452.000 an. Auch hier zeigt sich, dass vor allem der Anteil der Frauen (um 86 Prozent bzw. 57.000) sowie der Anteil der selbstständigen Rentner in den neuen Bundesländern (um 108 Prozent bzw. 41.000) vergleichsweise stärker zugenommen hat. In den alten Bundesländern erhöhte sich der Anteil der selbstständigen Rentner dagegen ‚nur‘ um 61 Prozent bzw. 142.000.

Spaß an der Arbeit oder doch Geldnot?

Gefragt nach den Gründen für die Zunahme der Erwerbstätigkeit im Rentenalter, verweist die Bundesregierung auf eine Studie Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Dort werden als Hauptgründe für die Erwerbsarbeit nach Erreichen der Regelaltersgrenze aufgeführt:

  • Spaß an der Arbeit
  • Kontakt zu anderen Menschen
  • Gefühl gebraucht zu werden

Wörtlich heißt es in der Antwort weiter: „Erwerbsarbeit im Rentenalter ist, anders als oftmals angenommen, kein Indiz für Altersarmut.“

Als Beweggrund für ihre Erwerbstätigkeit im Rentenalter geben allerdings 70 Prozent der Frauen „Ich brauche das Geld“ an (42 Prozent „trifft völlig zu“, 28 Prozent „trifft eher zu“). Bei den Männern sind es dagegen nur 53 Prozent. In der IAB-Studie heißt es weiter: „Unklar ist, ob mit dem zusätzlichen Erwerbseinkommen das Wohlstandsniveau aus dem Erwerbsleben vor der Rente erhalten werden soll oder ob diese Personen ihr Existenzminimum sichern müssen.“

Anzeige

Für den AfD-Bundestagsabgeordneten Springer ist die Sache weniger unklar: „Ich habe starke Zweifel an der Darstellung der Bundesregierung, dass diese Entwicklung auf ‚Spaß an der Arbeit‘ zurückzuführen ist. Ich befürchte eher, dass viele Rentner einen Job annehmen müssen, um Altersarmut und Sozialleistungsbezug abzuwenden. Das ist das Ergebnis schlechter Rentenpolitik.“