Neid, Hass und mangelnde Wertschätzung hat es wohl immer schon gegeben. So soll es in der Republik Venedig Brauch gewesen sein, dass kritische Mitteilungen, Gerüchte und Beschimpfungen in das sogenannte „Löwenmaul“ am Dogenpalast gesteckt wurden. Der Text unter dem „Löwenmaul“ lautet „Geheime Denunziationen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen oder sich im Geheimen absprechen, um deren wahren Gewinn zu verbergen.“

Anzeige

Der @AssekuranzDoc

Dr. Peter Schmidt ist Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc.

Seit Jahren ist dieses negative Darstellen, Brandmarken und öffentliche Verleumden im Internet und besonders den sozialen Medien angekommen. Oftmals anonymisiert wird beleidigt und beschimpft, was das Zeug hält. Staatliche Versuche, dem Herr zu werden und normale Umgangsformen durchzusetzen, werden als Zensur abgeurteilt oder juristisch zweifelhaft als Teil der Meinungsfreiheit legitimiert. Nun kann sich jeder zu dem Thema seine eigene Meinung bilden, hier soll es um die Beteiligung von Versicherungsvermittlern aller Vertriebswege an solchen Aktionen gehen.

Das Auftreten von Versicherungsvermittler im öffentlichen Raum

Als aktiver Social Media- Nutzer stelle ich mir oft die Frage: Sind sich die Herren (ja, meist die Herren der Schöpfung!) im Klaren, dass die Kunden Diskussionen und Auseinandersetzungen mitlesen können? Man geht sicher nicht falsch in der Annahme, dass Kunden ihre eigenen Rückschlüsse aus verbalen Entgleisungen ihres Beraters auf den Grad der Wertschätzung für sich selbst oder für Kunden im Allgemeinen ziehen.

Im Alltag, besonders im Gespräch miteinander, würde auch bei unterschiedlichen Meinungen manches benutzte Wort nicht fallen, was bei Facebook, Twitter & Co. in die Timeline des anderen geworfen wird. Dabei können Verletzungen der Persönlichkeitsrechte vor hohem Leserkreis, besonders auch mit Bezug auf die Privatsphäre der Beschimpften, richtig ins Geld gehen. Bewertungen ehrabschneidender Worte im Internet kommen wegen der großen Verbreitungsmöglichkeit vor Gericht teurer als herkömmliche Beschimpfungen auf der Straße.

Wenn ein Vermittler (oder Berater) den anderen beschimpft, wo hunderte oder tausende Kollegen oder Kunden mitlesen, dann hat das auch Wirkung auf die Verbraucher und die gesamte Branche. Wie begrenzt muss die Denkfähigkeit sein, wenn Vermittler der verschiedenen Vertriebswege sich gegenseitig Kompetenz und Empathie aberkennen, obwohl eigentlich jedem klar ist, dass es in jeder der Vermittlerarten - wie in anderen Berufen auch – gute und schlechte Typen gibt?

Die Sozialen Medien spielen bewusst mit den Wünschen der Nutzer nach Anerkennung. Die Sucht nach Anerkennung und Differenzierung ist menschlich. So wird von Facebook & Co. eine Bühne geboten:

Anzeige

  • Teile mit Deinen Freunden Deinen sportlichen Erfolg.
  • Teile mit deinen Followern die Insignien des geschäftlichen Erfolgs.
  • Setze Deine Meinung gegenüber scheinbar weniger Erfolgreichen durch.

Der „Ichling“ rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Die Frage bleibt: Muss ich das als Finanz- und Versicherungsberater auch so machen?