Übergangsmaßnahmen: In der PKV kaum gebraucht

Solche herausgerechneten Übergangsmaßnahmen schonen aktuell noch die Versicherer unter Duldung des Gesetzgebers – sie sollen genügend Zeit geben, um Geschäftsmodelle an strengere Anforderungen durch Solvency II anzupassen:

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  • So ermöglicht Paragraph 82 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Volatilitätsanpassung: Anleihen dürfen höher bewertet werden, wenn sie nur vorübergehend an Wert verlieren – etwa, weil sie zu einem festen Wert später wieder verkauft werden.
  • Und Paragraph 352 Versicherungsaufsichtsgesetz ermöglicht Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen auf der Passivseite des Unternehmens: Die BaFin kann Versicherern die Genehmigung erteilen, ihre Rückstellungen nicht sofort auf Grundlage von Solvency II zu bewerten, sondern erst nach und nach mit mehrjähriger Verzögerung.

Diese Übergangsmaßnahmen kommen aber in der PKV selten zur Anwendung – erneut ein auffallender Unterschied zur Leben-Sparte mit ihrem Niedrigzins-Problem bei Erwirtschaftung alter Garantien. Denn während in der Lebensversicherung 51 der 81 Gesellschaften in 2019 von den Erleichterungen Gebrauch machten, waren es in der PKV nur insgesamt sechs von 38 Gesellschaften:

  • So nutzten die Allianz, die Axa, die Central und die Envivas die Volatilitätsanpassung.
  • Die Vigo nutzte die Übergangsmaßnahmen für Rückstellungen.
  • Und nur ein Versicherer – die Gothaer – nutzte für die Berechnung ihrer Deckungsquoten sowohl die Übergangsmaßnahmen für Rückstellungen als auch die Volatilitätsanpassung.

Der geringe Gebrauch zeigt: In der PKV ist man weniger auf mildernde Übergangsregelungen zu Solvency II angewiesen als in der Lebensversicherung.

Die besten Solvenzquoten in der PKV

Welche PKV-Anbieter aber haben die besten Deckungsquoten, welche müssen sich hingegen mit den hinteren Rängen der Tabelle zur SCR-Bedeckung 2019 (ohne Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen) zufrieden geben? Folgende Versicherer haben den besten Wert und stellen folglich die Top-Ten im Deckungsranking für ein Risikoszenario gemäß Solvency II:

  • Landeskrankenhilfe 1.497,8 %
  • R+V 847,9 %
  • SDK 842,5 %
  • Münchener Verein 834,0 %
  • FAMK 769,1 %
  • Provinzial 762,3 %
  • Universa 750,9 %
  • Alte Oldenburger 737,8 %
  • Hallesche 679,9 %
  • Ottonova 645,6 %

Die hinteren Ränge des Rankings

Und welche Versicherer landen auf den hinteren Rängen des Deckungs-Rankings? Zu bedenken ist hierbei: Die Quoten sind keineswegs „schlecht“. Denn alle PKV-Versicherer – auch die letztplatzierten – schaffen souverän die 100-Prozent-Hürde und haben demnach ausreichend Kapital, um eine Krisen-Situation zu überstehen, die nur alle 200 Jahre eintritt. Die letzten fünf Versicherer der Tabelle zur SCR-Bedeckung 2019 (ohne Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen) sind, von Rang 34 bis 38:

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  • Nürnberger 308,2 %
  • HanseMerkur Speziale 290,1 %
  • Vigo 253,2 %
  • Axa 246,9 %
  • Ergo 193,7 %

Hintergrund: Zum Jahresbeginn 2019 erwarb die Franke und Bornberg Research GmbH vom VersicherungsJournal Verlag den Geschäftsbereich Map-Report. Damit holten sich die Rating-Experten eines der etabliertesten Ratings der Versicherungsbranche ins Haus: Seit 30 Jahren schon liefert der Map-Report Daten zu Sparten und Anbietern, seit einigen Jahren unter Verantwortung des Chefredakteurs Reinhard Klages. Der MAP-Report 915 wertet die Solvenzberichte der Lebensversicherer sowie auch der Krankenversicherer aus und kann auf der Webseite von Franke und Bornberg bestellt werden.

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