Risiko Tierhüter: Haftung im Pferdeberuf

Die Tierhalterhaftung ist vom Gesetzgeber als Gefährdungshaftung konzipiert. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass allein die Haltung eines Tieres mit bestimmten Gefahren verbunden ist, für die der Tierhalter einzustehen hat. Die Gefährdungshaftung tritt auch dann ein, wenn dem Halter ein Verschulden nicht nachzuweisen ist.

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Pferdebetriebe sind bei der Ausübung ihrer Arbeit an ähnliche Regeln gebunden wie ein Tierhalter. Unabhängig davon, welche Leistungen in einem Einstellervertrag vereinbart wurden, wird der Betrieb ab Beginn der Unterbringung des Pferdes zum Tierhüter.

Der Tierhüter – also der Pensionsstallbesitzer – ist ebenfalls unter bestimmten Umständen für einen Schaden verantwortlich, den ein bei ihm eingestelltes Pferd verursacht. Sobald Pensionspferde aus dem Stall oder aus der Koppel ausbrechen und einen Unfall verursachen, können Haftpflichtansprüche sowohl an den Pferdebesitzer als auch an den Betrieb gestellt werden.

Der Tierhüter haftet jedoch aus einem vermuteten Verschulden, das heißt, er kann einen Entlastungsbeweis führen. Bei einem durch das eingestellte Pferd verursachten Schaden wird er dann darlegen und beweisen müssen, dass er dieses sorgfältig und ordnungsgemäß beaufsichtigt und untergebracht hat. Gelingt dieser Entlastungsbeweis, an den strenge Anforderungen gestellt werden, nicht, dann haftet er.

Blick in die Praxis: Boxentür nicht verriegelt

Jeden Nachmittag holt der Betriebsinhaber die Pensionspferde von der Weide. Im Stall wird er von einem Kunden angesprochen und abgelenkt – er vergisst, die Boxentür richtig zu verriegeln. Einige Stunden später öffnet das Pferd die Tür, verlässt den Stall und trabt über einen Fahrradweg. Ein Radfahrer erschreckt sich und kommt zu Fall. Das Pferd kann unbeschadet wieder eingefangen werden.

Die Krankenversicherung des Fahrradfahrers will die Behandlungskosten von 5.000 Euro erstattet haben. Dazu kommen Schmerzensgeldansprüche des Radfahrers von 3.000 Euro und 7.000 Euro für den Verdienstausfall.

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Es wird recherchiert und schnell ist klar, dass die Tür nicht richtig verschlossen war. Der Pferdebetrieb muss haften und die Gesamtkosten von 15.000 Euro tragen.