Ein 52jähriger Kieler wird beschuldigt, seinen eigenen Tod vorgetäuscht zu haben, um eine hohe Summe aus mehreren Lebensversicherungen einzustreichen. Die Kieler Staatsanwaltschaft beantragte bereits am 27. April Haftbefehle gegen den Mann und seine Ehefrau wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs, wie die Staatsanwaltschaft Kiel und die Polizeidirektion Kiel in einem gemeinsamen Pressetext berichten.

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Angeblich in der Ostsee ertrunken

Die Hintergründe des Falls seien „filmreif“, so schreiben die beiden Kieler Behörden. Und tatsächlich ließen sich die mutmaßlichen Betrüger einiges einfallen, um den Tod des Mannes vorzutäuschen. Der Mann wurde am 10. Oktober 2019 als vermisst gemeldet, nachdem er wenige Tage zuvor mit seinem Motorboot von Kiel aus in Richtung Dänemark aufgebrochen war. Sein gekentertes Boot konnte die Polizei bei Schönberg sichern: ein idyllischer Urlaubsort nahe der Landeshauptstadt. Eine großangelegte Suche blieb erfolglos.

Sehr schnell fielen den ermittelnden Kriminalisten aber Ungereimtheiten auf, wie es im Pressetext heißt. So stellten Gutachter fest, dass das Boot manipuliert worden war. Auch hatte der Mann ein Jahr vor seinem Verschwinden mehrere Lebens- und Unfallversicherungen bei mehreren Assekuranzen abgeschlossen, die den Hinterbliebenen immerhin eine Versicherungssumme von insgesamt 4,1 Millionen Euro beschert hätte. Die Summe sollte an die Ehefrau und die Mutter des Vermissten ausgezahlt werden.

Laut „Spiegel“ wurden die Vermittler bald mit weiteren Seltsamkeiten konfrontiert. Werden vermisste Personen üblicherweise erst nach fünf Jahren für tot erklärt, so gelte bei Seeunfällen „nur“ eine Frist von sechs Monaten. Und diese Frist wollten die Hinterbliebenen offenbar nicht abwarten: Ein Antrag auf Auszahlung des Geldes sei bereits gestellt worden. Zudem sei der vermisste Mann zuvor bereits wegen Kreditbetrugs verurteilt worden, wenn auch nicht rechtskräftig.

Hinter Kisten versteckt

Die weiterführenden Ermittlungen erhärteten den Verdacht, dass sich der Mann im niedersächsischen Schwarmstedt versteckt hält: dem Wohnhaus seiner Mutter. Unter Einbindung von Spezialkräften suchten die Polizeibeamten das Haus auf - und fanden ihn dort versteckt hinter Kisten auf dem Dachboden. Verraten habe den Mann sein Ehering, berichtet der „Spiegel“: Dieser sei im Schein der Taschenlampe eines Polizisten aufgeblitzt.

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Nun muss sich nicht nur der Mann vor Gericht verantworten, auch seine Ehefrau und Mutter werden des Betruges beschuldigt. Noch in diesem Jahr soll das Trio angeklagt werden.