So mancher benutzt das Wort „Spiel“ geringschätzig. Als Gegensatz zum „wirklich Wichtigen“, der Arbeit. Das ist ignorant gegenüber den wissenschaftlichen Erkenntnissen: Spielen erfüllt eine extrem wichtige Funktion in der Entwicklung des Menschen. Spielen und Lernen gehen Hand in Hand. In Zeiten, in denen „lebenslanges Lernen“ zur Grundvoraussetzung geworden ist, um überhaupt bis zum Rentenalter am Erwerbsleben teilnehmen zu können, setzen deshalb immer mehr auf „Gamification“ – auch für Erwachsene.

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Spielen ist wichtig für die Entwicklung

Thomas Köhler, Founder und CEO der Zaigen GmbHDie italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870-1952) bezeichnete das Spiel als die Arbeit des Kindes. So eigne es sich seine Fähigkeiten aus sich selbst heraus an, eine anregende Umgebung vorausgesetzt. Das Spiel hat auch eine wichtige Rolle in der Theorie des Schweizer Biologen und Entwicklungspsychologen Jean Piaget (1896-1980): Aus der Beobachtung seiner eigenen drei Kinder heraus entwarf er das Modell der vier Entwicklungsstufen, die aufeinander aufbauten. Die Erkenntnisschritte des Nachwuchses zeigten sich beim Spielen. Ein Beispiel: Erst, wenn das Kind begriffen hat, dass etwas trotzdem noch existiert, auch wenn es aus dem Gesichtsfeld verschwunden ist, kann man überhaupt Verstecken spielen.

Was ist eigentlich „Spielen“?

„Spielen“ wird normalerweise definiert als eine Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, aus Freude an ihr selbst und an ihrem Resultat ausgeübt wird. Darunter fallen sehr unterschiedliche Phänomene. Auch nach mehr als einem Jahrhundert Forschung gibt der menschliche Spieltrieb der Wissenschaft noch Rätsel auf. Unstrittig ist aber heute, dass Kinder über die vielen verschiedenen Formen des Spiels ihre körperlichen Fähigkeiten ausbilden, sich ihre Umgebung aneignen und soziales Verhalten trainieren.

Für Rolf Oerter, inzwischen emeritierter Professor für Entwicklungspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist das Spiel unter anderem ein wichtiger Faktor zur Lebensbewältigung von Kindern und Jugendlichen. Je älter sie werden, desto komplexer werden auch die Spiele.


Phasen der Spiel-Entwicklung


Wie schon Piaget unterscheidet auch Oerter verschiedene Spielphasen, in denen sich die Entwicklungsstufe der Kinder zeigt:

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  • ganz kleine Kinder erforschen die Welt durch Anfassen und Ausprobieren dessen, was sie sehen, mit den Händen und auch mit dem Mund (sensomotorisches Spiel, 0-2 Jahre). Kaum hat ein kleines Kind die Funktion eines Gegenstandes erfasst, wird er auch schon symbolhaft in das Spiel einbezogen, zum Beispiel der Kuchen aus Sand oder der Stuhl als Auto (Symbolspiel/Als-ob-Spiel).
  • Kinder beginnen, zusammen zu spielen und gemeinsam in eine fiktive Welt einzutauchen – je älter, desto komplexer (Rollenspiel/Sozialspiel).
  • Ab einem Alter von ungefähr sechs Jahren sind Kinder in der Lage, Regeln zu verstehen und einzuhalten. Damit werden auch Spiele innerhalb eines festen Rahmens interessant (Regelspiele).

Wissenserwerb in der Kindheit

In keiner Zeit des Lebens müssen so viele Informationen aufgenommen und verarbeitet werden wie in der Kindheit und Jugend. Das Neugeborene weiß nichts über die Welt, in die es geraten ist. Ein Schulabgänger hat zwar noch keine große Lebenserfahrung, aber dennoch ein Basiswissen über die Gesellschaft und ihre geschriebenen und ungeschriebenen Regeln und Mechanismen. Nur einen Teil davon hat der junge Mensch explizit „gelernt“, zum Beispiel in der Schule – das meiste hat er sich beiläufig angeeignet, durch Beobachtung, Nachahmung und Spiel. So verschwendet ein Muttersprachler keine Gedanken an die Grammatik dieser Sprache, er spricht sie perfekt, noch bevor er die Regeln dazu nachlesen kann. Wie viel mühsamer ist es, später eine Fremdsprache zu lernen! Kein Wunder also, dass die Lernpsychologie schon lange versucht, Elemente beiläufigen, spielerischen Lernens zu nutzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.