In den vergangenen Jahren hatte die Versicherungswirtschaft händeringend nach alternativen Anlagemöglichkeiten gesucht. Denn die klasssichen Investitionen in Staatspapiere machten schon länger keinen Spaß mehr. Schließlich ging deren Rendite stetig Richtung null. Inzwischen müssen Investoren sogar Geld dafür zahlen, wenn sie in Bundesanleihen investieren.

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Deshalb wurden Infrastruktur- sowie Immobilienprojekte für Versicherer immer beliebter. Gleichwohl sind auch diese Anlagen mit Risiken behaftet. So können politische Entscheidungen teilweise gefährlich an der Kalkulation rütteln. Selbst der Münchener Versicherer Allianz bekam dies schon zu spüren. Bei der Beteiligung am norwegischen Offshore-Gasnetz hatte die Regierung in Oslo die Durchleitungspreise einseitig gesenkt.

Allianz setzt auf Infrastruktur-Projekte

Bereits 2015 war die Allianz in mehrere Infrastruktur-Projekte eingestiegen. In einem Konsortium mit der Münchener Rückversicherung und Investoren aus Kanada und Abu Dhabi wurde Geld bei der Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast angelegt. Kurz darauf wurde das Investment in das Londoner Abwassersystem bekannt. Später folgten weitere ähnlich gestrickte Anlagen. Zu denen zählten unter anderem das sogenannte Stuttgarter Netz 1 sowie Beteiligung an einem geschlossenen Fonds in China und eine Beteiligung an einem afrikanischen Infrastruktur-Projekt.

Nun vermelden der Branchenprimus Allianz sowie die Talanx, immerhin Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern, künftig auf Bundesanleihen im Sparmix verzichten zu wollen. „Wir kaufen keine deutschen Bundesanleihen mehr“, sagte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte in der vergangenen Woche.

Auch die Talanx mit Sitz in Hannover hält inzwischen Abstand von Anlagen in deutsche Staatspapiere. Denn derzeit wiesen alle Bundesanleihen Negativrenditen auf. „Deutsche Staatsanleihen sind schon seit geraumer Zeit nicht mehr attraktiv. Entsprechend haben wir es vermieden, Bundesanleihen mit Negativrendite ins Portfolio zu holen“, sagte Finanzvorstand Immo Querner gegenüber dem Onlineportal "boerse-online"

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Der Talanx-Vorstand sagte weiter: „An dieser Anlagepolitik halten wir fest.“ Wie lange das gelte, sei allerdings offen. „Wenn man die Entwicklung an den Geldmärkten sieht, bin ich mit dem Wort ‚nie’ beziehungsweise ‚nie mehr’ sehr zurückhaltend.“