Aufsehen erregte in den letzten Tagen zudem der Tod einer prominenten YouTuberin aus England: Die 35-jährige Emily Hartridge wurde offenbar an einer Londoner Kreuzung von einem Lastwagen erfasst, wie die Welt berichtet. Sind Fahrten mit den neuen Fahrzeugen demnach besonders riskant – ähnlich zum Beispiel wie Fahrten mit dem „Sicherheitsrisiko Quad“?

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Die Welt weist im Kontext dieser Debatte darauf hin: Auf jeden E-Scooter-Unfall kommen mehr als 40 Fahrradunfälle. Ein Argument, das freilich übersieht: E-Scooter sind momentan noch wesentlich weniger verbreitet als Fahrräder. Weit mehr Menschen nutzen täglich das Fahrrad für ihre Wege, was die Unfallhäufigkeit erklärt.

Trotz eines solchen Einwands gilt aber auch: Die Öffentlichkeit ist sehr für das Thema "E-Scooter" sensibilisiert, so dass durchaus eine Überbewertung der bisherigen Vor- und Unfälle stattfinden könnte. Gehören Polizeimeldungen, die verunglückte Fußgänger und Fahrradfahrer vermelden, doch mittlerweile zur Alltags-Gewohnheit und werden kaum als Besonderheit wahrgenommen. Jedoch erfährt aktuell jeder E-Scooter- Unfall verstärkte Aufmerksamkeit.

Das zeigt sich am deutlichsten am dramatischsten E-Scooter- Unfall, der derzeit die Diskussion bestimmt – am Schicksal der verunglückten YouTuberin. Um das Beispiel aus Großbritannien auf Deutschland zu übertragen: Nur in Berlin sind, in 2016, sechs Radfahrende durch abbiegende LKW ums Leben gekommen. In 2017 waren es vier getötete Radfahrende, wie der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club (adfc) kritisiert. Hinter solchen Unfällen können zwar Versäumnisse der Verkehrspolitik wie Infrastrukturprobleme oder fehlende Vorgaben für die Ausstattung von LKW stehen. Keineswegs ist das Risiko, von einem abbiegenden LKW erfasst zu werden, aber „E-Scooter“- spezifisch.

Dass Fahrer von E-Scootern ebenso wie Fußgänger, Rad- und Autofahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer in Unfälle verwickelt werden können, sollte zunächst selbstverständlich sein. Aufgrund der derzeit noch geringen Zahl an Unfällen mit den neuen Rollern kann folglich noch nicht eingeschätzt werden: Droht durch E-Scooter eine erhöhte Unfallgefahr aufgrund spezifischer Risiken? Oder begründen sich die Unfälle durch eine allgemeine Gefährdung, der jeder Verkehrsteilnehmer ausgesetzt ist? Jedoch gilt eine solche Feststellung noch fehlender Aussagekraft nur mit einer wichtigen Einschränkung.

E-Scooter: Bei Betrunkenen beliebt

Unter einer Bedingung nämlich droht tatsächlich eine erhöhte Unfallgefahr, wie sich nach jetzigem Stand abzeichnet. Denn Unfälle in Frankfurt, aber auch in Erfurt und anderen Städten wurden durch Alkohol verursacht, berichten verschiedene Medien (zum Beispiel hier). Auch Unfälle mit Schwerverletzten sind mittlerweile auf Alkoholfahrten mit dem E-Scooter zurückzuführen. Demnach unterschätzen vor allem Betrunkene das Risiko einer betrunkenen Roller-Fahrt.

Mehr noch: Für Betrunkene scheinen die neuen Roller zunehmend ein besonders beliebtes Fortbewegungsmittel, wie eine Meldung der Welt nahelegt. Demnach scheinen Betrunkene besonderen Spaß an den Fahrten mit den niedlich wirkenden Rollern zu haben.

Ein Fehlverhalten mit ernsten möglichen Konsequenzen auch ohne Unfall. Denn E-Scooter sind Kfz, es gelten die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer. Und: Es drohen die gleichen Strafen für Alkoholfahrten, im schlimmsten Fall eine Freiheitsstraße von bis zu fünf Jahren. Darauf weist aktuell der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DRV) hin.