Es ist eine echte Überraschung. Nachdem lange über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank geredet wurde und sich die Vorstände sogar zu Übernahmegesprächen trafen, grätscht nun ein anderer Akteur dazwischen. Die Vorstände von Deutscher Vermögensberatung (DVAG) und Deutscher Bank haben sich am Montag auf eine Fusion verständigt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Er soll im mittleren sechsstelligen Bereich liegen, heißt es aus Verhandlungskreisen.

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"Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht"

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, lässt sich Andreas Pohl, Vorsitzender des Vorstands der DVAG, in einem Pressetext zitieren. „Doch wir denken, dass dies gut investiertes Geld ist. Die Deutsche Bank verfügt über ein großes Filialnetz, womit wir unser Altersvorsorge-Geschäft künftig deutlich erweitern können.“ Dabei verbindet beide schon heute eine enge Partnerschaft: Die DVAG ist wichtiger Umsatztreiber für die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank. "Im Investmentgeschäft (Publikumsfonds) lag unser Bestandsanteil bei der DWS-Gruppe zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 7,2 Prozent“, heißt es im Geschäftsbericht des Allfinanzvertriebes.

Kurzfristige Auswirkungen auf die Finanzausstattung der DVAG habe der Kauf von Deutschlands größtem Geldhaus nicht. „Wir haben den Kaufpreis vor Ort bezahlt, quasi aus der Kaffeekasse“, lässt sich Pohl zitieren. Nun müsse man schauen, welche Risiken bei den Frankfurtern noch in den Büchern schlummern. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zeigte sich erleichtert. „Mit dem Verkauf ist die Zukunft des Geldhauses auf eine gute Basis gestellt. Ich fahre nun erst einmal in den Urlaub“, so Sewing. Er soll weiterhin Vorstandschef des Geldhauses bleiben.

Der Kauf hat auch Auswirkungen auf das Versicherungsgeschäft. Bisher ist die Zurich Versicherungspartner des Frankfurter Bankhauses. An diese Stelle soll nun die Generali treten, an der auch die DVAG beteiligt ist. Daraus versprechen sich die Triester Impulse fürs Neugeschäft. "Die Übernahme wird zu unserem Ziel beitragen, den Gewinn pro Aktie um jährlich 6 bis 8 Prozent zu erhöhen", lässt sich Generali-CEO Philipp Donnet zitieren.

Verärgert zeigte sich hingegen der Vorstand der Commerzbank. "Wir fühlen uns übergangen", sagte Vorstandschef Martin Blessing der Nachrichtenagentur "Reuters". Denn während man sich offiziell mit dem Deutsche-Bank-Vorstand getroffen habe, sehe es nun so aus, als habe die Deutsche Bank von vorn herein mit der DVAG geflirtet. "Aus unserer Sicht ein abgekatertes Spiel", so Blessing. Dass die Fusion nach Ablauf der Transferperiode eingefädelt worden sei, habe ein Gschmäckle.

Bankberater sollen sich als freie Handelsvertreter der DVAG anschließen

Über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank war in den letzten Wochen immer wieder spekuliert worden. Der SPD-Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte sich öffentlich dafür ausgesprochen: Deutschland brauche einen starken Finanzdienstleister mit internationaler Strahlkraft, sagte er vor Pressevertretern. Anläufe gab es mehrere. So scheiterte der Versuch in Hamburg, die regionale HSH Nordbank über Container-Investments im Mittelmeerraum und weltweit platzierte Subprime-Wetten zu einem Global Player auszubauen. Wie sich Scholz nun zum Zusammengehen von DVAG und Deutscher Bank positioniert, ist nicht bekannt. Am Abend des 1. Aprils ist eine Pressekonferenz angesetzt.

Doch nun könnte genau das entstehen: Ein Finanzdienstleister mit Strahlkraft. Während die Deutsche Bank von einer Krise in die nächste schlittert, konnte die DVAG im Jahr 2018 das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen: Europas größter Allfinanzvertrieb wuchs zum vierten Mal in Folge und erlöste einen Umsatz von 1,57 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 soll die Fusion abgeschlossen werden, aber in trockenen Tüchern ist sie noch nicht. Die Finanzaufsichts-Behörden und das Bundeskartellamt müssen noch zustimmen. Die Bankberater der Deutschen Bank sollen sich künftig als freie Handelsvertreter der DVAG anschließen.

Deutsche Bank verzockt sich mit Termingeschäften

Die Deutsche Bank war in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, nachdem sie sich mit Termingeschäften und Schrottimmobilien verzockt hatte. Vor allem, dass man mit Milliardensummen auf die termingerechte Fertigstellung des Hauptstadtflughafens BER gesetzt hatte, entpuppte sich als schwerer strategischer Fehler.

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„Es schien ein sicheres Investment ohne Risiken“, lässt sich Josef Ackermann zitieren. Zum Baubeginn des BER im Jahr 2008 leitete er als Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee die Geschicke der Deutschen Bank. „Ein Projekt, das von öffentlicher Hand gebaut und überwacht wird, kann nicht scheitern, so dachten damals alle. Zumal namhafte deutsche Firmen wie Siemens, Bosch und T-Systems beim Bau involviert waren, seit jeher Garant für deutsche Maßarbeit. Es schien uns vernünftig, das Geld derart zu investieren“, so Ackermann. Die Deutsche Bank hatte in Summe 2o5 Milliarden Euro darauf gewettet, dass der BER pünktlich am 03. Oktober 2011 eröffnet wird, und zwar um 09:25 Uhr. Geld, das seitdem beim Eigenkapital fehlt.