Es ist ein eher ungewöhnlicher Ort, an dem R+V-Chef Norbert Rollinger die Welt-Journalistin Anne Kunz zu einem Interview traf: Das Museum Ludwig in Köln hat sich der passionierte Kunstliebhaber ausgesucht, eines der bedeutendsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa. Entsprechend viel wird in dem Interview auch über Kunst geplaudert. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass sich Rollinger für Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Gerhard Richter begeistert und moderne Kunst gegen ihre Kritiker verteidigt - Kunst „gehöre zum Menschsein dazu. Letztendlich unterscheidet uns auch die Kunst vom Tier“, gibt Rollinger zu bedenken. Regelmäßig kommt er in das Museum und sammelt auch selbst.

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“Das schafft derzeit kaum eine andere Anlageform“

Doch nicht nur Kunst verteidigt der 54jährige Manager, sondern auch die Lebensversicherung - was freilich vom Vorstand eines großen Versicherers auch erwartbar ist. Die R+V ist nach Bruttobeiträgen zweitgrößter Lebensversicherer in Deutschland, so geht aus BaFin-Daten hervor, nur der Platzhirsch Allianz kann noch mehr einnehmen. „Lebensversicherungen sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorgein unserer Gesellschaft. Deshalb ist es fatal, dass sie allenthalben schlechtgeredet wird“, antwortet Rollinger auf die Frage, weshalb die Verbraucher in Zeiten niedriger Zinsen noch Leben-Policen abschließen sollten.

Das Argument dafür nimmt Rollinger dann zunächst aus der Vergangenheit. „In der Hochzinsphase wurden Menschen, die Lebensversicherungen abgeschlossen haben, belächelt. Aber sie lachen am längsten, weil sie die damals vereinbarten Zinsen die ganze Vertragslaufzeit bekommen“, argumentiert der R+V-Chef. Die Kunden der Wiesbadener „erhalten immer noch eine Gesamtverzinsung von rund drei Prozent - das schafft derzeit kaum eine andere Anlageform“.

R+V verkauft im Neugeschäft noch viel Klassik

Langfristige Planbarkeit und vergleichsweise sichere Zinserträge sind also Trumpf der Lebensversicherung, so ließe sich aus Rollingers Statement ableiten. Doch in Zeiten niedriger Zinsen haben die Versicherer ihr Portfolio nach und nach umgestellt: Produkte mit Garantiezins bieten die Lebensversicherer im Neugeschäft kaum noch an.

Garantiert wird den Sparern bei Verträgen der sogenannten Neuen Klassik in der Regel der Erhalt der eingezahlten Beiträge, wenn sie den Vertrag bis zum Ablaufdatum durchhalten. Wie viel sie darüber hinaus erhalten, hängt von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab und von der konkreten Vertragsgestaltung: bei vielen Versicherern ist die Wertentwicklung des Vertrages durch sogenannte Caps gedeckelt, wenn die Börsen boomen. Bei neu abgeschlossenen Verträgen entfielen 2017 weniger als 40 Prozent auf klassische Lebensversicherungen mit Höchstrechnungszins.

Die R+V bildet hier allerdings eine kleine Ausnahme zum Markttrend. 60 Prozent aller Neuverträge kamen 2017 nach eigenen Angaben noch aus Policen mit jährlicher Zinsgarantie, auch wenn alternative Produkte stark aufholen. Zudem zählen die Hessen zu den wenigen Gesellschaften am Markt, die trotz Krise der Lebensversicherung auch in dieser Sparte wachsen können: Bei den Bruttobeiträgen stand 2017 ein Plus von 1,9 Prozent. Aktuellere Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr liegen noch nicht vor.

R+V hält Überschussbeteiligung in 2019 stabil

Für 2019 wird die R+V ihre Überschussbeteiligung bei klassischen Lebensversicherungen stabil halten. Die Gesamtverzinsung auf den Sparanteil der Beiträge bleibe 2019 für Rentenverträge mit lebenslangen Garantien („PrivatRente“) bei 2,9 Prozent, so teilte der Versicherer im Dezember mit. Die Zinsen setzen sich zusammen aus der laufenden Verzinsung von 2,6 Prozent und dem Schlussüberschuss von weiteren 0,3 Prozent.

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Zudem vermeldete der Versicherer die Werte für seine kapitalmarktnahe Police PrivatRente Performance. Für diese Verträge werde eine Gesamtverzinsung in Höhe von 3,2 Prozent und 2,7 Prozent für die laufende Verzinsung angesetzt.