Einparkhilfen, so veranschaulicht eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum „automatisierten Fahren“, haben eine rasante Entwicklung durchgemacht. Zunächst warnten sie nur per Pieps-Ton, dann übernahm der Computer das Lenken. Mittlerweile aber können die Assistenten lenken, Gas geben und bremsen – moderne Parkhilfen parken das Auto vollautomatisch selbst in kleinste Parklücken.

Anzeige  

 

Dass ein serienmäßiger Einbau aktiv bremsender Parkassistenten in Neuwagen auch „volkswirtschaftlich vernünftig“ ist, beteuerte nun der Vorstandsvorsitzende der Allianz Versicherungs-AG, Joachim Müller, auf dem 6. Allianz Autotag in Ismaning. Er fordert, dass alle Neuwagen serienmäßig mit den Helfern ausgestattet werden.

Beeindruckende Zahlen zeigen Potential automatischer Einparkhilfen

Laut Darstellung der Allianz ist fast jeder zweite Sachschaden, für den die Kfz-Versicherer in Deutschland einstehen müssen, ein Park- oder Rangierunfall. Die Schadenbilanz: 3,4 Milliarden Euro im Jahr. Zwei Drittel der Park-und Rangierschäden aber könnten durch serienmäßigen Einbau von automatischen Einparkhilfen in Neuwagen vermieden werden. Den Versicherern offenbart sich ein Unfallvermeidungspotenzial in Höhe von jährlich rund 2,1 Milliarden Euro.

Natürlich hängt das Einsparpotential auch wesentlich von der Funktionstüchtigkeit der Systeme ab. Wichtigste Bedingung: der automatische Bremsvorgang. So hatte die Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auch gezeigt: Einparkhilfen, die nur auf optische oder akustische Warnsignale setzen, haben kaum einen schadenmindernden Effekt.

Das führt zu zwei weiteren Forderungen an die verbauten Systeme: Erstens müssen die Bremssysteme sich bei jedem Motorstart automatisch aktivieren. Zweitens müssen die Bremssysteme durchgehend aktiv sein.

Um die Qualität der Fahrassistenten zu ermitteln, stellte die Allianz auf ihrem Autotag ein eigens entwickeltes Testverfahren vor, ausgetüftelt durch das Allianz Zentrum für Technik (AZT). Ziel ist, die Funktionsfähigkeit der automatischen Bremsen bei Annäherung des Wagens an Hindernisse (zum Beispiel andere Fahrzeuge oder Säulen) zu untersuchen. Dabei sollen Bedingungen geschaffen werden, die realen Unfällen nachempfunden sind. Hierzu werden Geschwindigkeit, Anfahrtsweg und Richtung bestimmter Gefahrensituationen simuliert.

Versicherer sollen eingebaute Systeme schnell und einfach identifizieren können

Geht man davon aus, dass nicht jedes serienmäßige Park-Notbremssystem gleich gut funktioniert, ergibt sich für die Versicherer ein weiteres Problem: Anhand der Fahrgestellnummer lassen sich verbaute Systeme nicht identifizieren. Die Automobilhersteller sind also aufgefordert, eine solche Identifizierung zu ermöglichen, argumentiert die Allianz in einem Pressestatement. Das erlaube es erst, mehr oder weniger zuverlässige Einparkhilfen zu unterscheiden.

Der Versicherer verspricht im Gegenzug, wirkungsvolle Fahrassistenz-Systeme bei der Tarifierung zu berücksichtigen. Führen nämlich qualitativ hochwertige Systeme zu weniger Unfällen, können Versicherungsbeiträge für Autofahrer sinken. „Damit werden diejenigen Fahrzeughersteller belohnt, die in die Entwicklung geeigneter Assistenzsysteme investieren, und sicherheitsbewusste Kunden profitieren von einem geringeren Versicherungsbeitrag“, sagte Müller auf dem Autotag.

Anzeige  

 

Die Zukunft der Schadenfreiheitsrabatte...

Wie sehr das automatisierte Fahren und wie sehr automatische Assistenzsysteme auch die Versicherungswirtschaft verändern dürften, zeigt ein abschließendes Zitat aus der Pressemitteilung des Versicherers zu den Schadenfreiheitsrabatten: Der Schadenfreiheitsrabatt wird sich in Zukunft „weniger am Fahrer orientieren, sondern zunehmend mehr an der Qualität der Fahrerassistenzsysteme“. Es ist also nicht mehr der Mensch, dessen unfallfreies Fahren ausschlaggebend sein wird. „Unfallfreies Fahren“ könnte bald als Leistung der verbauten Maschinen gelten.