Die Allianz Gruppe und weitere Dax-Konzerne sind in das Visier des weltgrößten Hedgefonds geraten. Bridgewater heißt dieser, verwaltet weltweit 160 Milliarden US-Dollar und wird gemanagt von Ray Dalio, Harvard-Absolvent und einer der einflussreichsten Investoren der Welt. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat Bridgewater 6 Milliarden Euro auf Kursverluste von 13 Dax-Konzernen gesetzt, darunter weitere Branchengrößen wie Siemens, Deutsche Bank und BASF.

Anzeige  

 

Finanzwette mittels Leerverkäufen

Laut „Reuters“ hat Bridgewater Leerverkaufspositionen bei den Dax-Konzernen aufgebaut. Das gehe aus einer Veröffentlichung des Bundesanzeigers hervor. Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Aktien, um diese zunächst zu verkaufen. Dabei hoffen sie darauf, die Aktien zum Ende einer genau festgelegten Ausleihfrist später billiger zurückkaufen zu können. Das Brisante daran: Gewinn streicht Bridgewater nur ein, wenn die Kurse der Dax-Konzerne ordentlich verlieren. Es ist eine Wette auf den Abschwung. Und es ist eine Wette gegen die europäische Wirtschaft.

Dabei ist die Summe, mit der Bridgewater auf Kursverluste bei deutschen Firmen setzt, ungewöhnlich hoch. Allein bei Siemens hat der Hedgefonds Leerverkaufs-Positionen im Volumen von 0,86 Prozent des Grundkapitals erworben: das entspricht circa 800 Millionen Euro. Bei der Deutschen Bank waren es 0,78 Prozent, bei der Allianz 0,87 Prozent. Insgesamt wettet Bridgewater mit 6 Milliarden Euro gegen deutsche Unternehmen.

Brigdewater gewinnt, wenn europäische Wirtschaft verliert

Laut Reuters spricht vieles dafür, das Bridgewater von einem Wirtschaftsabschwung in Europa ausgeht. Denn auch in anderen europäischen Staaten setzt der Finanzjongleur auf fallende Kurse. In den Niederlanden hat der Fonds unter anderem Leerverkäufe gegen die Großbank ING platziert, in Spanien gegen die Santander und den Telefonanbieter Iberola.

"Wir wissen nicht genau, wie weit die Aktienmärkte und dann die Wirtschaft vom Gipfel entfernt sind, aber es ist klar, dass die Anleihenmärkte den Gipfel überschritten haben", schrieb Bridgewater-Gründer Ray Dalio am Montag auf seinem Linked-In-Profil. Und weiter: "Ich sorge mich darum, wie der nächste Abschwung aussehen wird, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass er bald kommt".

Leerverkäufe - umstrittenes Finanzinstrument

Leerverkäufe gelten als hoch spekulatives Finanzinstrument und sind in Deutschland teilweise verboten. Sie stehen im Verdacht, Crashs an den Börsen mit zu begünstigen und Krisen an den Finanzmärkten zu verstärken. Seit einer Gesetzesreform der Bundesregierung im Jahr 2010 müssen Leerverkäufe im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Anzeige  

 

Einerseits üben Leerverkäufe einen enormen Druck auf die Aktienkurse eines Unternehmens aus, wenn große Finanzmarkt-Akteure wie Hedgefonds auf fallende Kurse setzen. Zugleich können sie als eine Art selbsterfüllende Prophezeiung wirken: Tätigen Hedgefonds Leerverkäufe in großem Stil, können kurzfristige Kursverluste automatische Verkaufsorders auslösen, die andere Marktteilnehmer aus Sicherheitsgründen festgelegt haben. Schon eine normale Kursschwankung kann dann dazu führen, das eine Firma enorm an Wert verliert, weil Investoren automatisch große Aktienpakete abstoßen.