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Beruf und Karriere

Arbeitsunfähigkeit - Immer mehr Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen

Schwere Krisen beeinflussen viele Arbeitnehmer im Job. So ist ist die Zahl der Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren stark angestiegen (Symbolbild).Pressefoto AOK Bundesverband

Immer mehr Arbeitnehmer fehlen aufgrund psychischer Krankheiten am Arbeitsplatz. Seit zehn Jahren stieg demnach die Zahl der Fehlzeiten aufgrund der Psyche um fast 80 Prozent an. Gesundheitsexperten fordern mehr Unterstützung für Beschäftigte, die sich in einer schweren Lebenskrise befinden.

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Psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu Arbeitsausfall. Die Fehlzeiten aufgrund der Psyche sind in den letzten zehn Jahren um 79,3 Prozent gestiegen, so das Ergebnis des aktuellen AOK-Fehlzeitenreportes 2017. Zudem dauern Fehlzeiten im Beruf besonders lange, wenn die Psyche betroffen ist: Beschäftigte fallen im Schnitt 25,7 Tage aus, während der Durchschnitt aller Krankheiten eine Fehlzeit von 11,7 Tagen nach sich zieht. Das teilt der AOK-Bundesverband am Donnerstag in einer Pressemeldung mit.

Für den Fehlzeiten-Report wurden die Krankheitsdaten aus dem Jahr 2016 für 12,5 Millionen AOK-versicherte Arbeitnehmer ausgewertet, die in 1,5 Millionen Betrieben beschäftigt waren.

Lebenskrise beeinflusst Beruf

Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Quelle: Pressefoto AOK BundesverbandIn einer repräsentativen Sonderstudie fragten die Sozialforscher des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WiDo) danach, wie sich Lebenskrisen auf den Beruf auswirken, etwa eine schwere Krankheit in der Familie oder der Tod eines Angehörigen. Das Ergebnis: Jeder zweite Beschäftigte fühlt sich in seiner Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt oder geht sogar krank zur Arbeit, wenn eine Lebenskrise auftritt.

So berichtet mehr als jeder zweite Betroffene (58 Prozent) von körperlichen Problemen infolge eines kritischen Lebensereignisses. Drei von vier Befragten (79 Prozent) berichten gar von psychischen Problemen. In der Folge fühlen sich mehr als die Hälfte der Befragten durch die Krise in der eigenen Leistungsfähigkeit eingeschränkt (53,4 Prozent). Ähnlich viele Menschen geben an, trotz einer Erkrankung in diesem Kontext zur Arbeit gegangen zu sein (48,8 Prozent). Mehr als ein Drittel fühlte sich aufgrund des kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit (37,3 Prozent) oder hat sich häufiger krank gemeldet (34,1 Prozent).

Laut der Umfrage kommen bei den 2.000 befragten Beschäftigten am häufigsten Konflikte im privaten Umfeld (16 Prozent), eine schwere Krankheit von Angehörigen (zwölf Prozent) und finanzielle Probleme (elf Prozent) vor. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Betroffenen an: Etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten unter Dreißig (37,6 Prozent) berichtet über kritische Lebensereignisse, bei den 50- bis 65-Jährigen sind dies schon fast zwei Drittel (64,7 Prozent).

„Die Folgen sind gravierend“

"Etwa die Hälfte der Erwerbstätigen war in den letzten fünf Jahren von einem kritischen Lebensereignis betroffen. Die Folgen sind für Beschäftigte und Arbeitgeber gravierend", sagt Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. "Viele Unternehmen reagieren darauf bereits, doch vor allem kleine Firmen haben Nachholbedarf."

Neben Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements müsste laut Schröder auch das Präventionsgesetz (PrävG) noch klarer definieren, was Unternehmen tun können, um Mitarbeitern in solchen Situationen zu helfen: Etwa durch die Möglichkeit, sich anonym beraten zu lassen oder durch Wiedereingliederungs-Maßnahmen, wenn ein Beschäftigter aus der Bahn geworfen wird.

Wichtig sei hierbei auch die Rolle der Führungskraft in akuten Krisen. Beschäftigte, die das Verhalten ihres Chefs oder der Chefin positiv beurteilen, geben fast fünfmal häufiger den Vorgesetzten und doppelt so häufig die Arbeitskollegen als Hilfeleistende an, berichtet Schröder. Sie würden auch häufiger Anlaufstellen im Unternehmen nennen können, wenn sie Probleme haben.

Psychische Erkrankungen auch häufigster Grund für Berufsunfähigkeit

Wie wichtig Hilfe bei psychischen Krankheiten ist, zeigt auch die Tatsache, dass sie häufigste Ursache für ein dauerhaftes Ausscheiden aus dem Beruf sind. 31,32 Prozent aller erstmals ausgezahlten Renten in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung hatten 2016 ihre Ursache in der Psyche, so ergab eine Analyse des Ratinghauses Morgen & Morgen (der Versicherungsbote berichtete). Das sind fast ein Drittel aller neuen Leistungsfälle. Mit deutlichem Abstand folgen Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates mit 21,01 Prozent auf Rang zwei der BU-Ursachen.

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Gerade jüngere Menschen müssen ihren Beruf oft aufgrund psychischer Störungen aufgeben. Während bei den bis 40-Jährigen über 30 Prozent aufgrund von Nervenkrankheiten berufsunfähig werden, sind es bei den über 50-Jährigen nur noch 21 Prozent.

mit Pressematerial AOK Bundesverband
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