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Interview

Gewerbeversicherung - Technologisch ist der Markt in den 90er Jahren stehen geblieben

"Während viele Branchen in den letzten 10 Jahren einen digitalen Wandel durchschritten haben, ist der Markt für Gewerbeversicherungen technologisch in den 90er Jahren stehen geblieben", sagt Christopher Leifeld.andreas160578/Pixabay

Um das Potenzial des lukrativen Wachstumssegment Gewerbeversicherungen auszuschöpfen, ist die konsequente Digitalisierung unumgänglich. Davon ist Christopher Leifeld überzeugt. Insbesondere der hohe administrative Aufwand und die Komplexität würde bisher einen Teil der Vermittler gleich ganz aus dem Markt ausschließen, erklärt der Geschäftsführer von Gewerbeversicherung24 im Interview.

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Versicherungsbote: Weshalb ist die Vermittlung von Gewerbeversicherungen heute so kompliziert?

Herr Christopher Leifeld: Die Gewerbeversicherungsbranche steht im Ruf kompliziert und wenig lukrativ zu sein – und das bisher nicht ganz zu unrecht. Während viele Branchen in den letzten 10 Jahren einen digitalen Wandel durchschritten haben, ist der Markt für Gewerbeversicherungen technologisch in den 90er Jahren stehen geblieben.

Von der Risikoerfassung, über die Angebotseinholung, den Tarifvergleich und die Policierung beim Versicherer: Im Markt für Gewerbeversicherungen sind kaum Prozesse konsequent digitalisiert. Dies führt zu besonders hohem Arbeitsaufwand für Vermittler, Pool und Versicherer bei gleichzeitig überschaubaren Prämien im Standardgeschäft. Erschwerend kommt hinzu, dass der Markt für Gewerbeversicherungen um ein vielfaches komplexer als andere Bereiche, wie KV und LV, ist. Positiv ausgedrückt: der Markt für Gewerbeversicherungen hält ein enormes Entwicklungspotenzial bereit.

Christopher Leifeld ist Geschäftsführer von Gewerbeversicherung24(c) Gewerbeversicherung24 Vergleichsportal GmbH

Wie kann Digitalisierung den Markt für Gewerbeversicherungen verändern?

Um die Gewerbeversicherungen zu einem lukrativen Wachstumssegment zu entwickeln, ist die konsequente Digitalisierung unumgänglich – von der Risikoerfassung bis hin zur Beantragung. Dabei ist der Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg einer solchen Lösung eine dynamische Risikoerfassung, welche abhängig von Betriebsart, Produkt und Risikosituation die richtigen Fragen stellt. Diese so erzeugte Risikoakte wird anschließend automatisch weiterverarbeitet.

Handelt es sich um ein Standard-Risiko, erhält der Makler sofort eine Übersicht aller verfügbaren Angebote im Online-Vergleichsrechner und kann diese digital bis zum Abschluss bringen. Komplizierte Risiken gehen automatisch als Ausschreibung an das Backoffice beim Versicherer. Die Angebote werden vom Versicherer direkt auf der Ausschreibungsplattform hinterlegt, sodass auch hier ein sofortiger Vergleich und Abschluss möglich ist. Wenn all diese Angebote aus einer Hand kommen und integriert sind, spreche ich von einer Plattform für Gewerbeversicherungen.

Wer profitiert von einer solchen digitalen Plattform für Gewerbeversicherungen?

Alle. Aber vielleicht beleuchte ich das kurz genauer: Für den Pool oder auch jeden (größeren) Versicherungsmakler bedeutet eine derartige Plattform natürlich einen weitaus geringeren Arbeitsaufwand. Derzeit ist es möglich etwa 75 Prozent der Anfragen automatisiert zu berechnen. Im Umkehrschluss sind das 75 Prozent weniger Anfragen, welche das Backoffice des Pools manuell ausschreiben und berechnen muss. Die übrigen 25 Prozent der Anfragen sind gleichzeitig deutlich einfacher zu verarbeiten, da bereits eine digitale und standardisierte Risikoerfassung in hoher Qualität durchgeführt wurde. So entfällt eine aufwändige Begleitung des Prozesses zur Risikoerfassung. Kombiniert man beide Effekte, so lassen sich auf diese Weise bis zu 90 Prozent Arbeitsaufwand im Vermittler-Backoffice reduzieren.

Die Logik für die Versicherungsgesellschaften ist ähnlich. Eine simplifizierte Rechnung zur Verdeutlichung: nehmen wir mal an ein Versicherer hat eine Abschlussquote seiner Angebote von 20 Prozent. Er muss also fünf Angebote schreiben um einmal einen Zuschlag zu erhalten. Bei 75 Prozent Automatisierungsgrad, muss ein Versicherer in einer Welt mit digitaler Plattform jetzt nur noch ~0,33 Angebote pro Deckungsauftrag schreiben – auch der Versicherer spart also mehr als 90 Prozent seines Aufwands in der Angebotserstellung.

Außerdem profitieren auch die Kunden von der höheren Qualität der Angebote als auch der Geschwindigkeit der Angebotserstellung.

Was bedeutet die Digitalisierung für Vermittler?

Die Hauptaufgabe eines Vermittlers besteht in der kompetenten Beratung des Kunden, nicht in aufwändigen Antragsprozessen. Aktuell jedoch lässt der hohe administrative Aufwand und die außergewöhnliche Komplexität die Beratung schnell zur Nebensache werden oder schließt den Vermittler gar gleich ganz aus dem Markt für Gewerbeversicherungen aus.

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Die Digitalisierung kann jedoch einen Großteil der administrativen Tätigkeiten übernehmen und die Komplexität durch intelligente Hilfsmittel verringern. Somit stellt die Digitalisierung keine Alternative zum Versicherungsmakler dar. Denn auch trotz einer digitalisierten Versicherungsbranche, ist eine gute Beratung – gerade bei Themen wie Gewerbe – unverzichtbar. Vielmehr ist die Digitalisierung Chance für Versicherungsmakler den Wachstumsmarkt der Gewerbeversicherungen einfach und effizient für sich zu erschließen.

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