Allianz-Chef Oliver Bäte hat am Freitag ein ehrgeiziges Rückkauf-Programm angekündigt. In den kommenden zwölf Monaten will Europas größter Versicherer eigene Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro zurückkaufen, um die eigene Finanzkraft zu stärken. Diese Pläne sorgen aber nicht überall für Begeisterung. Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten (BdV), kritisiert das Vorhaben der Münchener scharf.

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Kleinlein spricht von „Zwei-Klassen-Gesellschaft" zu Lasten der Kunden

„Es ist unseres Erachtens ein deutlicher Missstand, dass die Allianz großzügige Geschenke an ihre Aktionäre verteilt, gleichzeitig aber die Lebensversicherungskunden massive Kürzungen hinnehmen müssen – und das schon über einem Jahrzehnt“, sagte Kleinlein dem Berliner „Tagesspiegel“.

Kleinlein appelliert an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), den Rückkauf im Sinne der LV-Kunden zu verhindern. Die Allianz würde ihre eigenen Anteilseigner gegenüber den Kunden bevorzugen – dies sei ein „Missstand“, den es „zu beseitigen“ gelte. Axel Kleinlein war selbst jahrelang als Aktuar bei der Allianz tätig.

Eine rechtliche Handhabe für seine Forderung hat der Versicherungsmathematiker freilich nicht. Dass die Allianz drei Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten will, ist völlig legal und steht in keinerlei Konflikt mit dem Aktiengesetz (AktG) oder anderen Unternehmens-Pflichten.

Allianz senkte laufenden Zins in Lebensversicherung um 0,3 Prozentpunkte

Die Lebensversicherungs-Tochter der Allianz hat - wie viele andere Versicherer auch – ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2017 um 0,3 Prozentpunkte gesenkt (der Versicherungsbote berichtete). Sparer, die einen Vertrag des Rentenprodukts „Perspektive“ abgeschlossen haben, erhalten nun einen laufenden Zins von 2,90 Prozent zugesprochen. Diese Renten-Policen garantieren den Erhalt der eingezahlten Beiträge, sehen aber keinen Mindestzins vor. Wer ein klassisches LV-Produkt mit Garantiezins abgeschlossen hat, erhält 2,80 Prozent laufenden Zins.

Ausschüttung, weil kein geeigneter Übernahme-Kandidat gefunden wurde

Hintergrund des Aktienrückkaufes ist, dass die Allianz keinen geeigneten Übernahme-Kandidaten für ihre Expansionspläne findet. "Kaufen oder Ausschütten!", so lässt sich eine interne Regel zusammenfassen, die Bätes Vorgänger Michael Diekmann im Jahr 2014 eingeführt hatte. Demnach soll die Allianz alle drei Jahre prüfen, ob sie ihre Milliarden sinnvoll in andere Unternehmen investieren kann. Ist das nicht der Fall, so soll das Geld aus der "Kriegskasse" für Übernahmen an Aktionäre ausgeschüttet werden (der Versicherungsbote berichtete).

In den letzten Monaten machten folglich zahlreiche Übernahmegerüchte die Runde. Laut "Handelsblatt" interessierte sich die Allianz für den australischen Versicherer QBE (QBE Insurance Group), immerhin Marktführer in Down Under. 14 Milliarden Euro soll die Allianz für eine Übernahme eingeplant haben, doch QBE dementierte. Auch für einen Kauf der italienischen Generali hätten sich die Münchener interessiert (der Versicherungsbote berichtete).

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Allianz-Chef Bäte gab auf dem Kapitalmarkttag der Allianz im November 2016 offen zu, dass er ein gutes Unternehmen zu anständigen Preisen kaufen wolle. Wenn die Allianz damit zum Marktführer in einem Land werden oder gar einen Markt erobern könne, „dann werden wir auch eine Prämie zahlen, vielleicht sogar eine größere“, sagte der Vorstandschef. Doch bei solchen Mega-Aufkäufen müssen auch die Wettbewerbsbehörden ihr Okay geben. Experten rechnen damit, dass in beiden Fällen die Kartell- und Aufsichtshürden für eine Übernahme groß sind.

Tagesspiegel