Sein Haus verkaufen oder beleihen - und trotzdem darin wohnen bleiben? Bei der R+V-Versicherung geht das nicht mehr. Der Versicherer hat seine Umkehrhypothek namens „Immobilienrente“ aus dem Programm genommen, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Euro“ vorab aus seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe.

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Mit dem endgültigen Aus der „Immobilienrente“ habe der letzte überregionale Anbieter von Umkehrhypotheken sein Produkt vom Markt genommen, heißt es weiter. Überraschend kam das Ende aber nicht. Bereits 2015 hatte die R+V ihre „Immobilienrente“ vom Markt genommen, sprach aber bisher davon, dass man das Produkt überarbeiten wolle. Nun begründet ein Sprecher gegenüber „Euro“ den Ausstieg mit mangelnder Nachfrage.

Das Haus verkaufen – und trotzdem mietfrei drin wohnen

Die Grundidee der Umkehrhypothek ist interessant: Rentner, die keine ausreichenden Alterseinkünfte haben, können ihr Haus an den Produktgeber verkaufen oder beleihen. In beiden Fällen dürfen sie aber drin wohnen bleiben, ohne Miete zu zahlen. Je nach Finanzierungsmodell zahlt der Versicherer dann eine zeitlich begrenzte oder lebenslange Rente aus. Stirbt der Versicherungsnehmer, geht die Immobilie in den Besitz des Käufers (Kreditinstitut oder Versicherung) über. Oder die gezahlte Rente wird von den Erben der Hausbesitzer als Darlehen abgestottert und sie können die Immobilie behalten.

Das Potential der Umkehrhypothek hat der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) 2010 auf ein Kreditvolumen von mehr als 90 Milliarden Euro geschätzt, berichtet „Euro“. Auch Verbraucherschützer äußerten sich positiv. Der Dachverband der Verbraucherzentralen (vzbv) etwa nennt auf seiner Webseite mehrere Vorteile: die Eigentümer einer Immobilie können bis an ihr Lebensende im Haus wohnen bleiben und erhalten eine zusätzliche Rente schon zu Lebzeiten ausgezahlt, steuerfrei. Das ermögliche Senioren Planungssicherheit. Als kritisch bewertet die Verbraucherzentrale hingegen den hohen Zins für das Darlehen, die hohe Abschlussgebühr sowie die teure Absicherung des Langlebigkeitsrisikos.

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Doch der Erfolg des Finanzinstrumentes stellt sich bisher nicht ein. Die Immokasse GmbH, zweiter überregionaler Anbieter neben der R+V-Versicherung, musste 2013 Insolvenz anmelden. Auch ein Pilotprojekt des Bundesverbandes Öffentlicher Banken in Schleswig-Holstein erlitt 2013 Schiffbruch. Übrig geblieben sind wenige regionale Anbieter, die Umkehrhypotheken anbieten.

Euro