Gehen wir didaktisch ordentlich vor: vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Komplizierten. Um das Rentenniveau darzustellen, nehmen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bisher den so genannten Eckrenter her. Dieser habe als Otto Normalverdiener 45 Beitragsjahre lang immer exakt ein durchschnittlich hohes Bruttoeinkommen erhalten (derzeit gut 3.000 Euro pro Monat) und dafür Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt.

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Im Ergebnis und in den Rentendebatten werden dem Eckrentner nach 45 Jahren Arbeit und Beitrag exakt 45 Entgeltpunkte verbeschieden. Anhand dieser Zahlenbasis werden nun Rentenquoten hin und her geschoben. Bekanntlich gelten diese Quoten als Gesetz oder gesetzt:

  • Rentenniveau 2000: 52,9 Prozent von Bruttoeinkommen
  • Rentenniveau 2015: 48,0 Prozent
  • Rentenniveau 2030: 44,5 Prozent (Prognosedaten Bundesarbeitsministerium BMAS)
  • Rentenniveau 2045: 41,7 Prozent (Fortschreibung der Prognose des BMAS)

Der Sozialforscher Johannes Steffen nennt die Standardrente mit 45 Entgeltpunkten eine „geeichte Größe“, für jeden Interessierte verständlich, und kritisiert abweichende Berechnungen etwa des industrienahen IW-Instituts, Köln, zum Rentenniveau.

„Aufhübschung“ des Rentenniveaus

Das IW habe „eine Art »Schummelsoftware« für die Berechnung des Niveaus“ vorgeschlagen, schreibt Steffen. Der Sozialwissenschaftler zitiert in seinem „Portal-Sozialpolitik“ Ausführungen des IW: „Weist der Standardrentner im Jahr 2030 aufgrund der Rente mit 67 zwei Beitragsjahre mehr auf als heute, steigt das Rentenniveau vor Steuern von 44,6 auf 46,6 Prozent.“ Dies bezeichnet Steffen als „rechnerische ,Aufhübschung’ des Rentenniveaus.“

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Plakativ übersetzt: Zwei Jahre mehr Arbeiten und Beitrag steigern das Rentenniveau um zwei Prozentpunkte. Dazu Steffen: Wenn man von Jahr zu Jahr höhere Summen an Entgeltpunkten (also Rente 67 statt 65) zugrunde lege, dann könne das Rentenniveau rechnerisch steigen, selbst wenn die Renten schwächer zulegen als die Löhne. „Ein offensichtlich unsinniges Ergebnis“, sagt Experte Steffen. Eine Art mechanische Hochwertung – zwei Jahre mehr Arbeit ist gleich zwei Prozentpunkte mehr Rentenniveau – würde zudem, so Steffen den Nachhaltigkeitsfaktor steigern, so dass die zwei Prozentpunkte Plus wegen der Rente mit 67 zu kürzen wären.