Sie sagen andererseits, sie rechnen beim Kunden mit dem Besten, wenn es um sein Vermögen geht. Wie teilen sie das Spar- und Anlagegeschäft auf zwischen Lebensversicherung und Fonds?

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Lebensversicherungen biete ich seit einigen Jahren nur noch an, wenn es um geförderte Produkte geht. Anderes als Riester-, Rürup oder bAV ging bei mir in Sachen Leben schon lange nicht mehr über den Tisch, außer in Verbindung mit Biometrie-Absicherung.

Tim Wolff

Ist die Privatrente, weil ungefördert, für sie tot?

Ich weiß ja, viele Versicherungsmakler kümmern sich intensiv um das Produkt, eine Feinheit hier, eine Besonderheit da. Noch ein Viertopf-Hybrid ... Natürlich gibt es, wie immer, Ausnahmen. Aber es sind eben Ausnahmen.

... Viertopf gibt es noch nicht, Herr Wolff...

(lacht) ... wie sie sagen: noch nicht. Egal. Zu dieser Produktarie, diesem theoretischen Hin und Her fehlt mir die Zeit, das Interesse und, ehrlich, der Anlass. Ich kümmere mich zunächst darum, dass Kunde frühzeitig spart. Und wenn er das Sparen versteht und es auch tut, dann kommt das Produkt. Ich arbeite beim Geld für später mit Fonds von heute. Privatrenten sind mir der Kosten wegen meistens zu teuer.

Verstehen sie die neuen Fondspolicen nicht?

Gegenfrage: Verstehen denn die Makler die zig Versionen der Dreitopf-Hybrid-Policen? Und nun zu mir: Wozu muss ich etwas wissen von Dingen, die mein Kunde nicht braucht. Sofern Versicherung beim Kunden keine Rolle spielt, lege ich das Geld der Menschen in Fonds an. Pur, schlank und ohne Versicherungsmäntelchen, dafür rentabler. Trotzdem mit intensiver Beobachtung und Betreuung des Depots.

Verstehen die Kunden denn die Fonds-Konstrukte, mit denen sie aufwarten?

Schauen sie, der Kunde will Lösungen. Sobald er verstanden hat, dass und wie viel er sparen muss, habe ich meistens nur eine Schwierigkeit. Anleger müssen verstehen, das rentablere Investments schwanken können. Das müssen sie verstehen, das muss ich ihnen erklären. Denn das Anlageergebnis kennen wir am Tag der Einzahlung noch nicht.

Was bieten Sie an?

Nehmen wir den Fonds DWS Top-Dividende und sehen mal, was dort drin ist. Standardwerte von Großunternehmen mit Substanz, solchen, die brav und recht zuverlässig Zinsen zahlen: Dividende ist der Zins des Aktionärs. Mit dem Top-Dividende hat die DWS in den letzten fünf Jahren aus 1.000 Euro Einlage deren 1.900 gemacht. Das sind 13,7 Prozent Rendite pro Jahr. Der Fonds zeigt den Unterschied zwischen Tesla und Mercedes. Tesla ist ein Hoffnungswert für das E-Auto der Zukunft. Man kann deren Autos kaufen, nicht aber, noch nicht, deren Aktie – zumindest nicht der risikoscheue Anleger . Aber Mercedes, genauer Daimler, hat bereits Substanz und zahlt schon seit 100 Jahren Dividende. Gekauft.

Nun wissen wir aber, dass es 13 Prozent und mehr Rendite nicht ohne Risiken gibt, oder?

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Ja. Und ich bin weder Prophet noch ein Missionar, der die Kunden zum Glauben bekehren will. Vorsichtigere Kunden, davon habe ich auch viele, müssen halt auf Rendite verzichten. Zum Beispiel unser Premium-Mandat Defensiv bringt auch börsenscheuen Kunden um die fünf Prozent Rendite, wieder, wenn man die letzten fünf Jahre betrachtet. Das ersetzt die altgewohnte Rendite der Lebensversicherung. Abschließend: Die Qualität des Medikamentes ist wichtig – aber viel viel wichtiger ist doch erstmal die vernünftige Untersuchung und die richtige Diagnose. Das macht 90 Prozent der Genesung.