In dem Strafprozess gegen den früheren Chef der Wölbern-Invest-Gruppe Schulte forderte die Verteidigung seinen Freispruch. Schultes Anwälte warfen dem Gericht einseitige Beweiserhebung vor und legten ihm Voreingenommenheit zur Last. Die Anwälte betonten zudem, dass sich Schulte als Mediziner auf seine Anwaltskanzleien verlassen habe, so das Handelsblatt. Das Gericht hat sich davon nicht beeindrucken lassen und Schulte für schuldig befunden. Im Resulatt des Schuldspruchs muss Schulte für achteinhalb Jahre in Haft.

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Wölbern Invest-Chef muss für achteinhalb Jahre in Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich zwölf Jahre Haft verlangt und Schulte vorgeworfen, aus rund 30 geschlossenen Immobilienfonds der Wölbern-Gruppe insgesamt 147 Millionen Euro entzogen zu haben. Laut Anklage habe er dieses Geld in großen Teilen veruntreut sowie für andere Fonds, für seine Medizin-Institute und ferner für sein aufwendiges Privatleben aufgewendet.

Von den knapp 116 Millionen Euro, die Schulte in seiner Stellung als Fondsmanager zwischen August 2011 und September 2013 veruntreut hat, gab er 50 Millionen für seinen "aufwendigen Lebensstil" aus, rechnete der vorsitzende Richter vor. Einige Beispiele: 2,5 Millionen kostete der Umbau der Privatvilla an der Elbchaussee, 1,8 Millionen der Lebensbereich "Kunst, Schmuck und Reisen", 1,9 Millionen der "Bereich Yacht, Segeln, Flugzeug", 1,9 Millionen der Bereich "Versicherungen und Unterhalt". Der Banker und Mediziner unterhält übrigens sieben Kinder.

Schulte: 327 Mal vom Geld der Anleger bedient

Aus 31 geschlossenen Immobilienfonds hat der Mediziner 147 Millionen Euro entnommen, doch nur 31 Millionen flossen zurück. Das Gericht sprach deshalb von einem "Buchungskreislauf" und einem "finanziellen Kartenhaus". Die Löcher, die in den einen Fonds gerissen wurden, wurden mit Geld aus anderen Fonds wieder gestopft: "Wir konnten den Zahlungsfluss lückenlos nachvollziehen", so der Richter. Finanziert wurde das ganze Programm Schultes von rund 40.000 Anlegern.

Insgesamt 327 Mal soll sich der Klinikprofessor und frühere Chef des Fondshauses Wölbern Invest in den Beständen von Anleger-Fonds vergriffen haben. Aus Mieteinnahmen gingen regelmäßig Millionenbeträge bei den etwa 30 Immobilienfonds ein. Ebenso regelmäßig habe Schulte als Geschäftsführer der Fonds zugelangt, so die Staatsanwaltschaft. Als sich Führungskräfte aus der Buchhaltung irgendwann weigerten, diesen Aufwand zu billigen, gliederte der Chef die Abteilung kurzerhand aus. Kritische Vorstände wurden einfach entlassen, schreibt die Morgenpost. Dass ein solches Vorgehen nicht angeht, haben die Richter anerkannt und ein entsprechendes Urteil gefällt.