Die Rentenunterschiede zwischen Ost und West sollen im vereinten Deutschland bis zum Jahr 2020 beseitigt werden. Das haben sich im Koalitionsvertrag die Union und die SPD vorgenommen. Ob das so schnell umgesetzt werden kann, daran hat Axel Reimann, der Präsident der Deutschen Rentenversicherung seine Zweifel. Er spricht sich für ein gleitendes Verfahren aus, wie die Südwestpresse berichtet.

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Rentenunterschiede historisch bedingt

Trotz niedriger Löhne sollten nach der Wende die ostdeutschen Renten und Ansprüche nicht allzu gering ausfallen. Die Rentenunterschiede sollten nicht lange bestehen bleiben, da man davon ausging, dass sich das Verdienstniveau in Ostdeutschland rasch nach oben entwickeln würde. Damit wären die Unterschiede in der Rente weggefallen. Doch seit Jahren stagniert diese Entwicklung nahezu: die Löhne in Ost steigen nicht wie erhofft.

Ostdeutsche Rente entspricht 92 Prozent der West-Rente

Der „aktuelle Rentenwert“ beziffert die Altersrente eines Arbeitnehmers, der über den Zeitraum von einem Jahr genau den Durchschnittsverdienst aufwies. In Westdeutschland liegt dieser Wert aktuell bei 26,61 Euro und in Ostdeutschland bei 26,39 Euro. Damit ergibt sich im Westen eine Brutto-Rente in Höhe von 1.144 Euro monatlich nach 40 Jahren im Beruf. Im Osten sind es 1.055 Euro.

Die „Ost-Rente“ liegt aktuell bei 92 Prozent im Vergleich zum West-Niveau. In Ostdeutschland sind die Renten schneller gestiegen als die Löhne, die durchschnittlich etwa 15 Prozent darunter liegen. Dies liege laut Reimann unter anderem an der unterschiedlichen Arbeitsplatzstruktur in den neuen Ländern.

Aufwertung der ostdeutschen Rentenbeiträge

Um die niedrigen Verdienste auszugleichen, werden die ostdeutschen Rentenbeiträge aufgewertet. Aktuell liegt die Aufwertung der Renten bei 18,7 Prozent. Verdient jedoch ein ostdeutscher Arbeitnehmer so viel wie ein westdeutscher, so erwirbt er bedingt durch die Aufwertung einen höheren Rentenanspruch.

Dies wird an einem von Reimann erläuterten Beispiel deutlich: Der jährliche Durchschnittsverdienst liegt im Westen aktuell bei 34.857 Euro. Der Westdeutsche erwirbt damit einen Rentenanspruch von 26,61 Euro. Mit 31,33 Euro liegt der ostdeutsche Rentenanspruch dagegen fast zehn Prozent darüber. Laut Reimann sei dies auf Dauer schwer vertretbar.

Die schrittweise Angleichung der Rentenwerte und die Beibehaltung der Ost-Aufwertung hatten vor einigen Jahren bereits die Linken vorgeschlagen. Aktuellen Berechnungen zufolge würde dies jährlich 4,3 Milliarden Euro kosten und die westdeutsche Benachteiligung verfestigen. Die Wirtschaftsweisen haben hingegen ein kostenneutrales Modell vorgeschlagen. Es zielt darauf ab, die Unterschiede in der Rente auf eine Weise umzurechnen, so dass die Ost-Renten nicht mehr höher ausfallen als die West-Renten.

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Faire Lösung für Ost und West

Reimann will jegliche Neiddebatten unbedingt vermeiden. Diese könnten alleine ob der Tatsache aufkommen, dass schätzungsweise 16 Milliarden Euro innerhalb der Rentenversicherung vom Westen in den Osten fließen. Eine „gleichermaßen akzeptable“ Lösung müsse daher gefunden werden. Reimann fordert von der Politik eine grundsätzliche Entscheidung und für die Angleichung einen langfristigen Plan.

Südwest Presse