Wenn die derzeitige Niedrigzinsphase anhält, müssen nach Einschätzung der BaFin auch große Lebensversicherer um ihre Existenz bangen. „Die Gleichung „Groß entspricht gut und klein ist gefährdet“ ist so pauschal keineswegs zutreffend“, sagte Felix Hufeld, Chef der Versicherungsaufsicht bei der BaFin, in einem Interview mit der Welt am Sonntag.

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Nach Einschätzung von Hufeld gibt es eine Vielzahl kleinerer Versicherer, die sehr solide seien. „Und es kann durchaus größere geben, die durch eine Kombination aus falscher Anlagepolitik, hohen Kosten und teuren Garantien aus der Vergangenheit größere Aufgaben vor sich haben“, sagte der Versicherungsexperte. Kurz-bis mittelfristig sei die Branche stabil, aber die langfristigen Versprechen an die Kunden über Jahrzehnte hinweg würden ein Risiko bedeuten.

Senkung der Vertriebskosten angemahnt

Zugleich mahnte Hufeld an, die Versicherer müssten ihre Kosten weiter senken. Weil bereits in der Verwaltung viel gespart werde, sei dies sehr schmerzhaft. „Die Vertriebskosten sind zwar absolut nicht gestiegen, doch verglichen mit der gesunkenen Marge ist ihr Anteil bei der Lebensversicherung zu hoch“, so Hufeld. Auch seien mehr Produktinnovationen nötig, um die Lebensversicherung wieder attraktiv zu machen. Zuletzt hatte die Ergo den Abbau tausender Stellen angekündigt (Versicherungsbote berichtete).

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Es ist nicht das erste Mal, dass Felix Hufeld vor Risiken für die Lebensversicherungen warnt - auch im letzten Jahr war er oft als mahnende Stimme zu hören. „So viel Bedrohung für die Branche gab es lange nicht mehr“, sagte er auf dem Zukunftsforum Assekuranz im Dezember 2013. Die Finanzaufsicht BaFin wacht laut Versicherungsaufsichtsgesetz VAG unter anderem darüber, dass die Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen jederzeit erfüllbar sind. Spätestens Anfang 2016, wenn die neuen Solvency II-Regeln in Kraft treten sollen, könnten laut Finanzaufsicht die ersten Versicherer ohne nötiges Eigenkapital dastehen.

Welt am Sonntag