Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die private Krankenversicherung (PKV) aus? Die Befunde überraschen. Denn zumindest im Jahr eins von Corona gaben zwar die Gesellschaften viel für die Behandlung der neuen Krankheit und für Hygiene- und Schutzmaßnahmen aus. Zugleich aber verzichteten viele privat Versicherte auf Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte, sobald diese nicht unbedingt notwendig waren. So gab es in 2020 auch nur eine Kostensteigerung um 2,9 Prozent – anders als in den Jahren 2018 und 2019, als die Kosten jeweils um mehr als vier Prozent stiegen (Versicherungsbote berichtete).

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Der kurze Schock an der Börse

Mehr Sorgen machte da schon der Corona-Crash an der Börse: Die durch den Niedrigzins ohnehin gebeutelten privaten Krankenversicherer hatten einige Mühe, die Gelder der Versicherten gewinnbringend anzulegen. Da läuteten alle Alarmglocken, als der Deutschen Aktienindex (DAX) aufgrund der Pandemie einen historischen Tiefstand erreichte. Aber auch dies war nur eine vorübergehende Erscheinung.

Zwar brach bis zum 18. März 2020 der Dax aufgrund von Corona um 5.000 Punkte ein und stürzte auf ein Mehrjahres-Tief von 8.256 Punkten. Deutschlands wichtigster Index aber holte zügig den verlorenen Boden wieder auf und liegt – mit Stand vom 22. Juni 2021 – bei über 15.600 Punkten. Wenngleich die Börsen noch immer nervös sowie mit Schwankungen auf Corona reagieren, scheint zumindest diese historische Talfahrt überwunden.

Corona-Jahr eins: Das Jahr der Verteuerung

Und dennoch ist Jahr eins von Corona das Jahr der steigenden Beiträge. Begründet wird dies zum einen durch den anhaltenden Niedrigzins – angelegte Gelder der Versicherten werfen kaum noch etwas ab für die Altersrückstellungen. Ein weiterer wichtiger Grund sind Reformen der Gesundheitsgesetzgebung. So hätten Projekte der Bundesregierung wie das Pflegelöhneverbesserungsgesetz, die drei Pflegestärkungsgesetze (PSG I/ II/ III) oder auch ein Festlegen von Personaluntergrenzen durch eine entsprechende Verordnung (PpUGV) die Gesundheits- und Personalkosten auffallend verteuert.

Ausbaden sollen dies nun die Versicherten: Marktweit gab es die stärksten Beitragsanpassungen seit 2010 (Versicherungsbote berichtete). Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) erhöhte sich das Preisniveau des privaten Krankenschutzes zwischen März 2020 und März 2021 um 5,3 Prozent. So begründet sich auch, dass verdiente Bruttobeiträge in 2020 branchenweit um 4,8 Prozent zugenommen haben – von 40,89 Milliarden Euro auf 42,85 Milliarden Euro. Und das, obwohl der Bestand sogar um 0,1 Prozent abnahm – Bruttoeinnahmen steigen, aber die Nachfrage stagniert (Versicherungsbote berichtete).

Im Sparten-Vergleich nach Solvency II haben Krankenversicherer die Nase vorn

Durch derartige Korrekturen stehen die Krankenversicherer auch wesentlich besser da in ihrem Eigenmittel- Branchenschnitt als die Lebensversicherer. Das zeigen die Solvenzquoten gemäß Solvency-Aufsichtsregime. Die wichtige SCR-Quote gibt hierbei an, ob die Versicherer aus eigener Kraft eine Krise stemmen würden, wie sie alle 200 Jahre auftritt.

Aufsichtsrechtlich vorgeschrieben ist, dass Versicherer mindestens über so viele Eigenmittel verfügen, dass sie eine solche Krise aus eigener Kraft meistern. Diese Bedingung ist erfüllt, wenn die SCR-Quote mindestens 100 Prozent beträgt. Die Berechnung der Quote ist komplex und orientiert sich am Risikoprofil eines Versicherers.

Jedoch gelten bis Ende 2031 noch Übergangsregeln: Paragraf 82 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) ermöglicht die Volatilitätsanpassung, Paragraf 351 VAG eine Maßnahme für risikofreie Zinssätze und Paragraf 352 VAG die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen auf der Passivseite des Unternehmens. Durch diese bilanziellen Hilfen ist es den Versicherern derzeit noch einfacher möglich, die aufsichtsrechtlich notwendigen 100 Prozent zu erreichen.

Alle Krankenversicherer sind solvent

Nun erreichen zwar alle Lebens- wie auch alle Krankenversicherer die notwendigen 100 Prozent, allerdings schaffen es 17 Lebensversicherer nur durch die Übergangshilfen (Versicherungsbote berichtete). Die aufsichtsrechtlich maßgebende Bruttoquote dieser Lebensversicherer ist demnach höher als die Nettoquote ohne Übergangshilfen, so dass die betroffenen Lebensversicherer „netto“ die Vorgaben von Solvency II nicht erfüllen.

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In der Krankenversicherung gibt es diese Fälle nicht: Alle Versicherer erreichen auch mit ihrer Nettoquote ohne Übergangsmaßnahmen die 100 Prozent. Und während der branchenweite SCR-Schnitt der Lebensversicherer ohne Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen bei 203,9 Prozent in 2020 liegt, beträgt die gleiche Durchschnittsquote bei den Krankenversicherern 477,2 Prozent. Bedacht werden muss hierbei aber auch: Krankenversicherer haben bessere Möglichkeiten, schlechte Risikosituationen innerhalb und zwischen den Tarifwerken zu kompensieren.

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